Herbstfest: Die Nöte der Nachbarn

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Rosenheim - Die Vorgärten als Toiletten zweckentfremdet, Erbrochenes vor der Haustür, zugeparkte Hofeinfahrten: Die Anlieger rings um die Loretowiese haben beim Herbstfest einiges zu ertragen.

Jetzt forderte SPD-Stadträtin Maria Noichl mit Nachdruck eine Anhörung der Anwohner. Diese wird voraussichtlich im Februar stattfinden.

Eine Versammlung, in der die Anlieger ihre konkreten Beschwerden vorbringen können, hat die Stadt schon lange versprochen. Deshalb reagierte Maria Noichl verärgert, als Dezernent Hermann Koch im Stadtrat auf ihre Nachfrage erklärte, er habe mit dem Wirtschaftlichen Verband darüber gesprochen und "dort halte man nichts davon, jedenfalls nicht zum derzeitigen Zeitpunkt".

Stattdessen wolle der Wirtschaftliche Verband (WV) die bisher bekannten Beschwerdeführer kontaktieren, diejenigen, die sich schon während der Wiesn beim WV gemeldet haben und diejenigen, die sich erst später an die Stadt gewandt haben. Koch stellte sich auf den Standpunkt, zunächst müsse feststehen, wie der WV auf die Beschwerden reagieren will, welche Reinigungsintervalle in Zukunft geplant sind oder welche zusätzlichen Maßnahmen für die Sicherheit ergriffen werden.

Nur die "lauten Schreier", die ihre Rechte anmelden, kämen damit zu Wort, kritisierte Noichl, aber nicht diejenigen, die auch betroffen sind und still leiden, weil sie glaubten, ihre Bedürfnisse würden ohnehin nicht berücksichtigt. Aus Noichls Sicht wäre es notwendig, soviele Anwohner wie möglich an einen Tisch zu bekommen, um zu klären, ob Maßnahmen möglich sind wie in München beim Oktoberfest. Dort würden die Grundstücke in manchen Straßen mit Bauzäunen geschützt, bestimmte Straßen ganz gesperrt.

"Sie können Belästigungen weder in München noch in Straubing noch in Rosenheim verhindern", meinte Koch, "da können Sie noch soviel tun". So sei das nun einmal. Zu glauben, solche Massenveranstaltungen seien ohne Belästigungen von Anwohnern machbar, "das geht halt nicht".

Die Haltung Kochs erstaunte Robert Multrus, Stadtrat der Freien Wähler/UP. Es sei doch immer eine Strategie der Stadt gewesen, auf die Bevölkerung zuzugehen und unverständlich, warum dies bei diesem Thema nicht geschehen solle. Nur im gemeinsamen Gespräch sei festzustellen, welche Probleme vermieden werden können. Ansprechpartner für die Bürger sei dabei die Stadt als Ordnungsbehörde. Sie könne sich nicht einfach der Verantwortung entziehen.

Koch versicherte, auch die Stadt habe gegenüber dem Wirtschaftlichen Verband Forderungen erhoben, beispielweise zum Thema Toiletten erklärt, "dass wir uns mehr erwarten". Gleich nach den Weihnachtsfeiertagen werde es eine weitere Besprechung mit dem WV geben. Auf Nachfrage von Multrus nannte Koch dann als möglichen Termin für eine Versammlung der Anwohner den Februar, Vertreter des WV wolle man dazubitten.

Auch Franz Lukas, Fraktionsvorsitzender der Grünen, pochte darauf, den Anliegern endlich Gelegenheit zu geben, ihre Sorgen und Nöte darzulegen: "Ich habe die dringende Bitte, rasch einen Termin zu finden, bevor sich vielleicht so etwas wie eine Anliegerschutzgemeinschaft formiert, die das Herbstfest stärker einschränken lässt als uns allen lieb ist."

Sie liebe die Wiesn und gehe gern hin, betonte Gabriele Leicht als Vorsitzende der SPD-Fraktion das Anliegen. Aber die Anlieger müssten endlich einmal zu Wort kommen. Vorgefertigte Lösungen müssten dabei nicht präsentiert werden: "Wenn sich alle mal artikulieren können, wird schon deutlich werden, was getan werden muss."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © re

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