Die Nostalgie schaukelt mit

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Rosenheim - Zum 150. Geburtstag weht ein kräftiger Hauch Nostalgie über das Rosenheimer Herbstfest. **Fotos auf Herbstfest-rosenheim.de**

„Toboggan“, Schiffschaukel, „Hau den Lukas“, „Show der Sensationen“ und Büchsenwerfen wecken bei älteren Wiesnbesuchern Erinnerungen an Kinderzeit und Jugend.Für die jüngere Generation ist das, was schon ihre Großeltern bei einem Herbstfest erfreute, aber oftmals wieder etwas „völlig Neues“.

Schaukeln tut der sechsjährige Luca für sein Leben gern. Eine Schiffschaukel hat der Bub aber jetzt bei seinem Besuch auf der Wiesn zum ersten Mal gesehen. Kein Wunder, zwölf Jahre lang gab es dieses Angebot auf dem Herbstfest schon nicht mehr.

Die Resonanz hielt sich darum in den ersten Tagen nach Eröffnung der Jubiläums-Wiesn auch noch etwas in Grenzen. „Man merkt einfach, dass die jüngeren Besucher damit erst einmal gar nicht viel anzufangen wissen. Das braucht ein paar Tage, bis sie daran wieder den Spaß entdecken“, weiß Schiffschaukel-Besitzer Martin Kollmann.

Tatsächlich beäugte auch Luca am Anfang den Aufbau des barocken Fahrgeschäfts noch mit einiger Skepsis. Besonders, als er sah, wie ein Erwachsener damit sogar einen Überschlag schaffte, riss er vor Erstaunen Mund und Augen weit auf. „Des konn i mit meina Schaukl im Gartn aber net“, stellte er bewundernd fest.

Schließlich traute sich der Rosenheimer Bub dann doch in die Schiffschaukel. Erst setzte er sie langsam in Bewegung. Schnell gewann er aber an Mut und kam immer weiter nach oben. Ein Überschlag musste es bei ihm aber noch nicht sein. Sein Fazit nach dem Aussteigen: „Des war ganz toll. Des mach i glei no a moi.“

Josef Fischbacher kennt Schiffschaukeln noch aus seiner Jugendzeit. „Das hat immer schon Spaß gemacht“, findet der 69-jährige Tattenhausener bei seinem Wiesnbesuch. Er freute sich, dass es in diesem Jahr auf dem Rosenheimer Herbstfest neben den vielen hochtechnisierten Fahrgeschäften auch wieder einige nostalgische Angebote gibt. „Die sehen einfach schön aus und machen auch großen Spaß“.

Was an diesem Vergnügen gar so schön ist, brachte Schausteller Kollmann auf den Punkt: „Da zählt das Bauchgefühl.“

Ein leichtes Kribbeln im Bauch verspüren auch Wiesnbesucher, die beim „Toboggan“ fröhlich vom Turm herunterrutschen. Bevor es aber so weit ist, müssen sie erst mittels Laufband nach oben kommen. Eine nicht ganz einfache Übung. Wer will, bekommt Hilfe. Wer es alleine probiert, muss damit rechnen, unfreiwillig zu Fall zu kommen. Diese Tatsache zieht wiederum viele Schaulustige an. Eine derartige Belustigung punktet eben auch noch im Jahr 2011.

Rutschbahnen dieser Art gibt es seit dem frühen 20. Jahrhundert. Aus dem Jahr 1900 existiert bereits eine Postkarte, die einen „Toboggan“ in Paris zeigt. Der Begriff stammt aus der Sprache der kanadischen Algonkin- Indianer und bezeichnet einen leichten Schneeschlitten. Zu früheren Zeiten war dieses Fahrgeschäft auch in Rosenheim öfter zu Gast. Daran erinnerte sich nun auch das Ehepaar Ellmayer aus Bruckmühl bei ihrem Bummel auf dem Rosenheimer Herbstfest.

Lange Zeit beobachteten Hans und Rita Ellmayer das lustige Treiben bei diesem alten Fahrgeschäft. „Damit bin ich in meiner Jugend des Öfteren gerutscht“, erinnert sich Hans Ellmayer. Heute traut er sich das mit seinen 90 Jahren nicht mehr. Aber früher habe ihm dieses Wiesnvergnügen viel Spaß bereitet. „Ich bin mit 16 Jahren das erste Mal runtergerutscht“, weiß seine Frau Rita. Warum sich die heute 75-Jährige so genau daran erinnert? „Mein Rock ist dabei zerrissen und ich musste mir eine Schürze umbinden.“

Nie aus der Mode gekommen ist auch das Büchsenwerfen. Eine historische Büchsenbude aus dem Jahr 1906 erinnert heuer an frühere Zeiten. Alt und Jung finden dieses Jahrmarktvergnügen nach wie vor sehr unterhaltsam. „Bei mir gehört das Büchsenwerfen zu einem Wiesnbesuch einfach dazu“, erklärt etwa der zwölfjährige Florian aus Bruckmühl. Ihm gefallen die alten Fahrgeschäfte und Attraktionen ebenso gut wie die neuen: „Das macht alles gleich viel Spaß!“

Seine Oma Renate Poschenrieder sieht das ganz ähnlich. Auch ihr gefällt, dass in diesem Jahr einige alte Fahrgeschäfte in Rosenheim Station machen. „Da werden schöne Erinnerungen wach“, sagt sie. Nicht überall sei sie in ihrer Kinder- und Jugendzeit mitgefahren. „In der Schiffschaukel wurde mir immer schlecht.“ Auch die anderen historischen Attraktionen können sich gut behaupten in einer Jahrmarktswelt, in der eigentlich das Motto „höher, schneller, weiter“ gilt. Klagen über mangelnden Zuspruch gibt es bei den waghalsigen Motorradfahrern an der Steilwand ebensowenig wie beim „Hau den Lukas“. Ein möglicher Grund für die Aktualität: Wie schon zu Zeiten der Urgroßeltern gibt dort auch heute noch das männliche Geschlecht bei feschen Damen mit seiner körperlichen Stärke an.

Karin Wunsam (Oberbayerisches Volksblatt)

 

Quelle: Herbstfest Rosenheim

Rubriklistenbild: © Reisner

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