Eine echte Ampel als Herzenswunsch

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Eine echte Ampel - das wär's! Diesen Herzenswunsch hat Konstantin Schnell seit Jahren. Foto Gruber

Oberaudorf - Konstantin ist sieben Jahre alt und leidet an Mukoviszidose. Der OVB-Weihnachtsaktion hat er verraten, was sein größter Wunsch ist.

Was geht in einem siebenjährigen Buben vor, der geistig voll fit ist, sich aber verbal nicht äußern kann? Konstantin Schnell hat Mukoviszidose. Der Sprachdefekt ist Teil seiner schweren Krankheit. Sein Alltag ist mit vielen Problemen und Schwierigkeiten beladen. Doch vor Weihnachten scheinen diese eher nachrangig. Konstantin hat seit Jahren einen Herzenswunsch: Er hätte vom Christkind so gerne eine echte Ampel. Seine Sprachbehinderung hat seine visuellen Fähigkeiten extrem geschärft. Für den Buben ist eine Straßenkreuzung mit vielen Ampeln das Höchste der Gefühle.

"Burschen, heute ist Fototermin!" Konstantin schnappt sich als erster die bunten Kreiden und weiß genau, was er auf die Schultafel malen will. Mit wenigen Strichen hat er seinen Wunsch, den er schon Jahre auf dem Herzen trägt, skizziert: eine Straßenampel. Stolz posiert er vor der Zeichnung, so als wollte er sagen: Das wär's wirklich!

Wer den Buben so sieht, ahnt nichts von der tragischen, unheilbaren Stoffwechselkrankheit namens Mukoviszidose, die ihn ein Leben lang begleiten wird. Als Folge eines Fehlers im "Bauplan" der Zellen werden alle körpereigenen Sekrete eingedickt produziert. Ein zäher Schleim verklebt so vor allem die Lunge und die Bauspeicheldrüse. Schrittweise verlieren die Organe ihre Funktionstüchtigkeit.

Konstantin leidet zudem unter der für Mukoviszidose üblichen Gedeihstörung, das heißt, er isst viel zu wenig. Um den ständigen Gewichtsverlust ausgleichen zu können, muss er fettreiche Nahrung und entsprechende Medikamente zu sich nehmen.

"Momentan befindet sich Konstantins Lunge sozusagen in einem perfekten Zustand. Er ist stabil", erklärt seine Mama Johanna. Hart sei der Kampf ums Überleben nach der Geburt gewesen, erinnert sie sich, bitter die Diagnose: Die Krankheit ist angeboren, unheilbar und schreitet unaufhaltsam voran.

Mukoviszidose-Kinder unterliegen einem strikten Behandlungsplan, der mehrmals täglich Inhalieren, Autogene Drainage oder Dehnübungen beinhaltet. Durchschnittlich liegt der Therapieaufwand bei zwei Stunden täglich. Eine Therapie, die lebenslang konsequent durchgeführt werden muss, was eine erhebliche Herausforderung für den familiären und auch schulischen Alltag ist.

Hinzu kommt der Sprachdefekt: Konstantin kann nicht sprechen. Eine Behinderung, die ihm selbst brutal die Grenzen seines Seins vor Augen führt und auf die er mitunter mit Verhaltensauffälligkeiten reagiert. Der blitzgescheite Bub würde so gerne sprechen wie seine Freunde, doch es geht einfach nicht. Im mathematischen Bereich zum Beispiel kann er, der gerade eingeschult worden ist, schon locker mit den Drittklässlern mithalten, am Computer macht ihm sowieso keiner etwas vor. Alles Fähigkeiten, die in der neuen Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal nun durch das jahrgangsgemischte Konzept besonders gefördert werden können. "Die neue Private Grundschule ist nach einem langen Entscheidungsprozess für uns das Beste, was uns passieren konnte. Es gab im Vorfeld auch Stimmen, Konstantin in eine Schule für geistig behinderte Kinder zu schicken", so Johanna Schnell. Der Bub sei jetzt in guten Händen. Allein dieses Wissen erleichtere das Leben der Familie seit Herbst ungemein.

Nach den ersten Monaten an der Schule zeige sich schon, dass Konstantin selbstbewusster geworden ist. Er ist hochmotiviert und hat schon gewaltige Fortschritte gemacht. Vielleicht liegt das an seinem Sprachcomputer, den er im Unterricht jetzt intensiv anwenden muss. Vielleicht liegt es aber auch an seiner neuen Stellung in der Familie: Im Frühjahr kam sein Bruder Leopold zur Welt. "Jetzt ist Konstantin der große Bruder. Das ist ein tolles Erlebnis für ihn."

Zum Abschied berührt Konstantin leicht die Hand. Ein leises Lächeln huscht über sein Gesicht. Noch einmal macht er sich ganz groß und stellt sich stolz vor das von ihm gemalte Tafelbild einer Ampel, so als wollte er sagen: Liebes Christkind, könntest Du nicht in diesem Jahr meinen Herzenswunsch erfüllen?

Die OVB-Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" ist der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal und der Förderstätte der Wendelstein-Werkstätten in Raubling gewidmet.

Quelle: rosenheim24.de

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