11. Oberbayerisches Wissensforum

Von Muhammad Ali lernen

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Bildung macht Spaß: Beim großen Wissensforum im Rosenheimer Kuko gab es viel zu lachen, zum Beispiel über die Anekdoten des Medienexperten Dr. Wolfram Weimer.

Rosenheim – Über 1000 Besucher erlebten beim Oberbayerischen Wissensforum im Kuko am vergangenen Freitag einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Nachmittag, der den Blick über den unternehmerischen Tellerrand schaffte. Mit Christoph Keese und Dr. Wolfram Weimer waren zwei hochkarätige Redner zu Gast, die auch etwas zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu sagen hatten.

Medienexperten Dr. Wolfram Weimer.

Organisiert hatte das Oberbayerische Wissensforum die Redneragentur Speakers Excellence. Deren geschäftsführender Gesellschafter Alexander Schungl begrüßte die gut 1000 Teilnehmer: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie viel für sich mitnehmen können. Die Impulse, die Sie hier bekommen, bringen einem viel im Beruf, aber auch privat.“

Ohne Selbstvertrauen und Ideen hilft der größte Bizeps nichts: Extrem-Bergsteiger und Kletterer Thomas Huber.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer würdigte das Wissensforum als eine der größten Bildungsveranstaltungen in der Region und wichtigen Beitrag zum lebenslangen Lernen in unserer modernen Wissensgesellschaft.

Setzt auf die Kraft der guten Gefühle: Dr. Walter Kromm

Was Gesundheit und unternehmerischer Erfolg miteinander zu tun haben, das ist das Thema von Dr. Walter Kromm, der über „Die Kraft der guten Gefühle“ sprach. Die These des Mediziners: Um in einer Wissensgesellschaft als Unternehmen Erfolg zu haben, braucht man Mitarbeiter, die über das notwendige Wissen verfügen und miteinander anwenden können. Den Schlüssel dafür sieht er in den Chefetagen. Längst reiche es nicht mehr aus, nur Vorgesetzter zu sein, vielmehr brauche es Führungskräfte, die Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen, ihr Selbstwertgefühl stärken und ihnen vermitteln, dass ihre Arbeit einen Sinn hat – was auch einen enormen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter habe.

K.o. durch Strategie und Strategiewechsel: Frieder Gamm.

Verhandlungsspezialist Frieder Gamm wählte als Einstieg in seinen Vortrag „Das ganze Leben ist Verhandlungssache“ den legendären Boxkampf zwischen George Foreman und Muhammad Ali 1974 in Zaire. Anhand von Einspielern aus einer Dokumentation schilderte er, wie Ali eine Strategie entwickelte, sie dem Gegner aufdrängte, ihn schließlich durch einen Strategiewechsel überraschte und so eine Situation schuf, auf die Foreman nicht vorbereitet war. Das Ergebnis bringt Boxfans noch heute ins Schwärmen: Sieg durch K.o. in der achten Runde. Ein zweiter Schwerpunkt war das Profiling des Verhandlungspartners. Gamm arbeitet mit dem STAB-Programm, um seinen Gegenüber zu klassifizieren. STAB steht für Struktur-, Treue-, Aktionswoche- oder Beziehungsorientierung. Anhand von Personenbeschreibungen auf Xing entwickelte Gamm blitzschnell jeweils ein Persönlichkeitsprofil und daran angepasste Verhandlungsstrategien – höchst unterhaltsam und eloquent war er von Moderatorin Anna Steinhardt nur schwer zu stoppen.

Silicon Valley ist überall: Internet-Experte Christoph Keese.

Warum es so viele Bilder gibt, auf denen Politiker sich die Krawatte binden, das erklärte Dr. Wolfram Weimer in seinem Beitrag über „Die Macht der Medien“. Er sah das politische System auf dem Weg von der Demokratie zur Mediokratie, in der der Grad der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht mehr von Leistung und Fachwissen abhängt, sondern vom öffentlichen Zur-Schaustellen. Die politische Klasse, die stark auf die Medien fixiert sei, suche diese öffentliche Aufmerksamkeit, indem sie sich mit Marketing-Methoden inszeniere. Der Journalist, Herausgeber und Publizist schilderte zum Vergnügen des Publikums gleich mehrere persönliche Anekdoten, so etwa ein Interview mit Kanzler Gerhard Schröder, die seine These belegten.

„Das beste Anderssein ist Bessersein“, sagt Carsten K. Rath.

Ein halbes Jahr hat der Springer-Manager Christoph Keese im Silicon Valley gelebt, eine Zeit, die seinen Blick auf die Welt wohl für immer verändert hat. In zwei Büchern hat er sich mit dem Phänomen Internet-Wirtschaft und ihren Auswirkungen auf Deutschland auseinandergesetzt. Er sprach von einer „disruptiven Digitalisierung“, die alte Geschäftsmodelle zerstöre und Wertschöpfungsprozesse umstülpe. Es entstehe ein Plattform-Kapitalismus, in dem Firmen wie Google, Amazon, Uber, Airbnb oder Netflix mit Gütern handeln, die sie weder besitzen noch selbst herstellen – einfach, indem sie sie über ihre Plattform vertreiben. Eine Wirtschaftsweise, die mit der Gefahr der Monopolisierung einhergeht, wie die Beispiele der US-Internet-Wirtschaft belegen. Dass die Zukunft schon begonnen hat, zeigte Keese anhand von Beispielen aus seinem persönlichen Alltag, ob beim Lebensmitteleinkauf, beim Autofahren oder beim Ablesen der Wasseruhr.

Erfolg fängt meist im Kopf an: Psychologe Rolf Schmiel.

Was als Vortrag zum „Kommunikationserfolg mit der HSLM-Methode“ von Dr. Jens Wegmann angekündigt war, entpuppte sich als Comedy-Auftritt des Kölner Schauspielers Jan Ditgen, der unter dem Gelächter des Publikums den typischen Motivationsvortrag samt Powerpoint-Präsentation lustvoll persiflierte.

Charmantes „Infotainment“: Moderatorin Anna Steinhardt.

Ernsthaft, aber nicht weniger unterhaltsam ging es mit Carsten K. Rath weiter, der in einer Welt, in der die Produkte sich immer ähnlicher werden, den perfekten Service als Erfolgsfaktor für Unternehmen sieht. „Die positive Geschichte, die Ihre Kunden über Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen erzählen, das ist Ihr Markenwert,“ so der erfolgreiche Manager und Unternehmer, der in der Touristik- und in Luxushotelbranche tätig ist.

Dem Thema Motivation widmete sich der letzte der Rednerblöcke: Der Psychologe Rolf Schmiel beschrieb die psychologischen Hintergründe für Motivation und Erfolg, nicht nur was den Unternehmer anbelangte, sondern auch in der Mitarbeiterführung. Analogien zwischen Beruf und Berg zog abschließend der Extrem-Bergsteiger und Kletterer Thomas Huber. Denn auch am Berg zähle nicht der stärkste Bizeps. Entscheidend seien vielmehr Visionen, Ideen, Ausdauer und Selbstvertrauen.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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