Betroffene Bauern widersprachen heftig

Öko-Vorschrift? Traunreut rudert mit aller Kraft zurück

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Traunreut - Grundlegende Veränderungen standen für die Bauern im Raum, die kommunale Flächen bewirtschaften: nichts weniger als eine Öko-Vorschrift. Nun stieg der Stadtrat aber deutlich auf die Bremse.

Die Öko-Vorschrift für Pächter der städtischen Acker- und Grünlandflächen ist vom Tisch. Noch Ende Februar sprach sich der Bauausschuss dafür aus, alle Pachtverträge für die Bauern der 14 Hektar städtischer Fläche dementsprechend zu ändern - es wäre nur noch eine Bewirtschaftung nach EU-Öko-Verordnung zulässig gewesen. Am Montag dann der Rückzieher.

Nur noch Glyphosat wird verboten

Auf den städtischen Grünlandflächen wird künftig nur noch der Einsatz von Glyphosat verboten, auf Ackerflächen bleibt de facto alles beim Alten: Geltende Gesetze müssen eingehalten werden, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dort lediglich zu dokumentieren. Für strikte Öko-Vorschriften stimmten am Montag nur noch die Grünen-Stadträte. 

Schon in der Vorwoche zeigten sich die betroffenen Bauern von den weitgehenden Plänen alles andere als begeistert: auch für konventionelle Landwirte gebe es allerlei Vorschriften, aus Rücksicht auf die kommenden Generationen sei es auch ihr "ureigenstes Interesse", die Höfe nachhaltig zu bewirtschaften. Umgehend suchten die Pächter der Flächen das Gespräch mit den Stadtratsfraktionen. 

Umstellung dauere jahrelang und bringe Ernteeinbußen

"Eine komplette Umstellung auf ökologische Landwirtschaft dauert für die Bauern vier bis sieben Jahre und bringt ihnen Ernteeinbußen", so SPD-Stadtrat Christian Stoib, dessen Antrag für den Kompromiss (Glyphosat-Verbot) letztliche eine Mehrheit von 16:10 Stimmen fand. "Auf den letzten städtischen Flächen sollten wir den Bauern keine großen Vorschriften machen" (Ernst Ziegler), "wir sollten den betroffenen Bauern vertrauen" (Konrad Unterstein) waren Wortmeldungen, die in eine ganz ähnliche Richtung gingen.

Grünen-Stadtrat Czepan nannte dagegen die hohe Zahl an Exporten der konventionellen Landwirtschaft: "Dagegen ist die Nachfrage nach Öko-Produkten in Deutschland viel höher als das Angebot". Paul Obermeier, selbst Landwirt, entgegnete, dass die hier produzierte Bio-Milch dagegen nach Norddeutschland gefahren werden müsse, weil die Nachfrage bei uns zu gering sei.

Unsere Leser sind gespalten

Bei unseren Lesern ist das Thema ebenfalls sehr umstritten. Eine hauchdünne Mehrheit von 50,8 Prozent war in der Umfrage der Meinung, dass eine Öko-Vorschrift auf den städtischen Flächen in Ordnung sei. 1344 Leser stimmten ab.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul

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