Der "Ötzi" von Rosenheim

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Nicht so alt wie "Ötzi", aber auch ein interessanter Fund: das Skelett im städtischen Museum, Lieblings-Ausstellungsstück aller Schulklassen.

Rosenheim - Der "Ötzi von Rosenheim" erlangte nie so viel Berühmtheit, wie der aus den Ötztaler Alpen. Doch auch seine Geschichte ist interessant:

Heute vor genau 20 Jahren entdeckte ein deutsches Ehepaar in den Ötztaler Alpen einen der größten archäologischen Funde der letzten Jahrzehnte: die Gletschermumie mit dem Namen "Ötzi". Der Mann aus der Kupfersteinzeit dürfte vor rund 5300 Jahren gelebt haben.

Dagegen ist ein Skelett, das im städtischen Museum Rosenheim gezeigt wird, mit geschätzten 1500 Jahren geradezu jung.

Der "Ötzi von Rosenheim" hat nie die Berühmtheit erlangt wie die durch Gefriertrocknung konservierte Leiche, die in den Südtiroler Alpen gefunden wurde, denn er ist nicht so einzigartig wie der "Kollege" im Bozener Museum. Doch auch seine Geschichte ist interessant, soweit sie bisher erforscht werden konnte.

Als "Leichensache Hauslabjoch" führte das Innsbrucker Gerichtsmedizinische Institut den sensationellen Fund der Mumie aus dem Ötztal. Mit der liebevollen Bezeichnung "Ötzi" verlor die Eisleiche ihre Leichenhaftigkeit. Auch das vollständig erhaltene Skelett im Rosenheimer Museum hat einen Namen, wenn auch nur intern. Von "Egon" spricht das Museumspersonal, wenn es um den Fund aus der Römerzeit geht. Entdeckt wurde das Skelett in den 30er-Jahren des letzten Jahrunderts bei Ausgrabungen. Die Archäologen fanden es, als sie einen großen römischen Friedhof nördlich von Rosenheim freilegten, im Dolbergraben bei Leonhardspfunzen.

Die Knochen stammen vermutlich aus dem dritten bis fünften Jahrhundert nach Christus. Körperbestattungen wurden bei den Römern erst ab dem dritten Jahrhundert die Regel. Zuvor war die Verbrennung der Leichname üblich.

Den Wandel von der Brand- zur Körperbestattung erklärt Walter Leicht, Leiter des Museums, mit dem Einfluss orientalischer Erlösungsreligionen auf den Glauben der Römer. Ab dem dritten Jahrhundert hätten sich eine andere Jenseitsvorstellung und die Idee eines Lebens nach dem Tod entwickelt.

Ein weiterer Beleg für diese Theorie sind die zahlreichen Grabbeigaben, die auf dem römischen Friedhof gefunden wurden. Tongefäße für Nahrungsmittel, Schmuck, aber auch Dinge des täglichen Gebrauchs und Münzen, die auf einen Glauben an ein Leben nach dem Tod hinweisen, gibt es in der Römersammlung im städtischen Museum zu entdecken.

Bei dem im Jahr 1952 vom Landesamt für Denkmalsammlung an das städtische Museum übergebenen Skelett ist zwar die ungefähre Lebenszeit bekannt. Auch konnte anhand des gut erhaltenen Gebisses festgestellt werden, dass der Mensch ein Alter von zirka 30 Jahren erreicht hat und mit einer Körpergröße von etwa 170 Zentimetern für seine Zeit überdurchschnittlich groß war.

Dennoch gibt "Egon" noch einige Rätsel auf: So ist die Todesursache nicht geklärt. Zwei große Löcher in der Schädeldecke weisen auf einen gewaltsamen Tod ihn. Ob er jedoch ermordet wurde oder in einer Schlacht diese Verletzungen erlitt, ist ungeklärt.

Besucher haben aufgrund der Beckenstellung auch schon vermutet, "Egon" sei in Wirklichkeit eine Frau gewesen. Dies ließe sich nur mit einer Knochenuntersuchung klären, die derzeit nicht geplant ist. Sollte sie einmal vorgenommen werden, müsste das Museum für eine Weile auf das Lieblings-Ausstellungsstück aller Schulklassen verzichten. Und Museums-Mitarbeiterin Brigitte Zippert müsste sich im Fall des Falles einen ganz neuen Namen einfallen lassen. Eine weibliche Form von "Egon" gibt es nicht.

Ursula Sichler (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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