Fackelbetrieb der OMV-Raffinerie

OMV: Wie lange wird die Fackel noch lodern?

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Eine Aufnahme der Rußwolke am Dienstag von unserem Leser Sebastian Göbel.
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    Xaver Eichstädter
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Burghausen - Bedrohlich und dunkel hing am Dienstag eine schwarze Rußwolke über der OMV-Raffinerie in Burghausen. Doch wie lange lodert die Fackel noch? Wir haben diese und weitere Fragen der OMV gestellt:

Bedrohlich mutete gestern die dunkle schwarze Rußwolke an, die gestern über dem OMV-Werk in Burghausen hing. Grund dafür war eine laut Auskunft von der OMV eine externe Spannungsschwankung. Deswegen wurden Stoffe über die Fackel verbrannt, um sie nicht "pur" in die Atmosphäre gelangen zu lassen.

Für die externe Spannungsschwankung war ein ca. halbstündiger Stromausfall ab 13 Uhr verantwortlich. Weil im Umspannwerk in Bruck ein neuer Anlagenteil getestet wurde, kam es zu diesem Stromausfall - dies teilte uns Christian Martens vom Bayernwerk auf Anfrage von innsalzach24.de mit.

Doch es blieben weitere Fragen offen: Gab es so einen Fall schon einmal? Lagerte sich der Ruß auf Autos, Feldern und Häusern in der Umgebung ab?

Hier unser Interview mit der OMV:

  • Was war die Ursache des Spannungseinbruches (intern/extern)?

Antwort: Ein extern verursachter Fehler im öffentlichen Stromnetz führte zu einem großflächigen Spannungseinbruch im Raum Burghausen mit Ausfall von Anlagenteilen in der Raffinerie Burghausen. Die genaue Ursache für den Spannungseinbruch kann die OMV nicht erläutern und verweist auf den zuständigen Netzbetreiber/Energieversorger.

  • Wie ist es zu der Rußentwicklung gekommen? / Welchen Einfluss hat die Dampfeinspeisung auf die Rußentwicklung?

Antwort: Bei den vom externen Spannungseinbruch verursachten Anlagenausfällen waren auch Dampferzeuger betroffen. Somit war eine ausreichende Versorgung der Fackel mit Dampf nicht mehr möglich. Dies führte bei der Verbrennung der Gase zur verstärkten Rußbildung.

Hintergrund Fackel-Fakten:

Wichtig zu wissen ist, dass eine brennende Fackel keinen Grund zur Beunruhigung darstellt, sondern ein voll funktionierendes Sicherheitssystem signalisiert. Im Rahmen eines sicheren Betriebs aller Anlagen kann die Raffinerie daher nicht auf einen kontrollierten Fackelbetrieb verzichten. Im Normalbetrieb werden diese Gase in verschiedenen Prozessanlagen weiterverarbeitet. Im Rahmen von An- und Abfahrvorgängen oder bei extern verursachten Anlagenausfällen wie gestern der Fall sind die Anlagen dann nicht mehr synchronisiert. Zeitweise können dann nicht alle Gase vollständig verarbeitet werden. In diesem Fall werden die anfallenden Rest- oder Prozessgase zunächst in ein Rückgewinnungssystem, den Gasometer, geleitet. Ist der Gasometer voll und fallen weitere überschüssige Gasmengen aus den Prozessanlagen an, kommt die Fackel zum Einsatz. Das jeweilige Gasgemisch wird in die Fackel geleitet und mit einer Temperatur von mindestens 850 Grad C nahezu rückstandsfrei verbrannt. Es treten nur geringste Emissionen von weniger als 1 Prozent auf.

Grundsätzlich werden beim Fackelbetrieb in der Raffinerie Burghausen alle umweltrelevanten Auflagen und gesetzlichen Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes eingehalten. In die Luft gelangen letztendlich hauptsächlich Wasserdampf und Kohlendioxid, also Stoffe, die auch jeder Privathaushalt mit seiner Heizung in die Luft abgibt.

Die Fackel ist für die schadlose Verbrennung verschiedener Gase mit angepasster Dampfeinspeisung vorgesehen. Fällt die Dampfeinspeisung wie beim gestrigen Spannungseinbruch im Stromnetz aus, kann es leider vorübergehend zu vermehrter Rußbildung kommen.

Weitere Fackel-Fakten finden Sie hier.

  • Der Einbruch war gegen 13 Uhr, wie lange hatte die Fackel die Rußentwicklung?

Antwort: Von ca. 13 Uhr bis ca. 14.30 Uhr. In dieser Zeit wurde mit Hochdruck an der Wiederinbetriebnahme der Dampferzeuger gearbeitet, um die rußfreie Verbrennung wieder sicherzustellen.

  • Wie lange wird der Fackelbetrieb noch dauern?

Antwort: Mit weiterem Fackelbetrieb ist voraussichtlich bis Freitagnachmittag, 29.08.14, zu rechnen.

  • Wie war das mit dem Ruß im Umfeld? Hat man den gesehen? Auf den Autos, Feldern, Gärten usw.?

Antwort: Aus den umliegenden Gemeindebereichen in Windrichtung gab es keine uns bekannten Auffälligkeiten.

  • Gab es so einen Fall schon einmal?

Antwort: In den letzten Jahren ereignete sich eine ganze Reihe von extern verursachten Spannungseinbrüchen im öffentlichen Netz. Starke Rußbildung im Fackelbetrieb ist dabei nur bei Ausfällen der Dampferzeuger möglich, wenn also nicht ausreichend Dampf zur Verfügung steht, um die Fackel zu versorgen. Der letzte Fall ereignete sich im Mai 2012.

  • Welche Prozesse werden eingeleitet, damit es keinen Ruß mehr gibt?

Antwort: 100 Prozent auszuschließen ist eine Rußbildung leider nicht, beispielsweise bei Vorfällen wie am Dienstag, wenn unter anderem die Anlagen zur Dampferzeugung ausfallen. Wie bei jeder geplanten Raffinerieabstellung werden auch dieses Jahr (Shut Down 2014) Millionen investiert, um unter anderem das Fackelsystem technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Der Einbau eines Hochleistungsbrennerkopfes der neuesten Generation verbessert die Dampfversorgung der Fackel für eine möglichst rußfreie Verbrennung und reduziert nochmals die Lärmentwicklung. Zusätzlich wurde in den letzten Monaten ein weiterer Dampfkessel errichtet und wird nach dem Shut Down in Betrieb genommen, um die Wahrscheinlichkeit einer rußenden Fackel weiter zu verringern.

  • Wurden die Behörden sofort informiert, welche und wann?

Antwort: Das Alarmierungssystem der OMV schließt immer die sofortige Information der zuständigen Behörden und Gemeinden mit ein. Die Erstmeldung wird bereits innerhalb weniger Minuten verschickt. Unter anderem werden routinemäßig folgende Stellen informiert: Landratsamt, Polizeidienststellen und betroffene Gemeinden.

  • Sind besondere Kosten für die OMV entstanden?

Antwort: Anlagenabschaltungen, sowohl planmäßig beispielsweise für Wartungsarbeiten, oder unplanmäßig durch unvorhersehbare Vorfälle wie gestern, verursachen immer hohe Kosten allein durch Produktionsausfälle. Der Fackelbetrieb wird daher immer so kurz wie möglich gehalten, um keine wertvollen Zwischenprodukte über die Fackel zu verbrennen.

User-Bilder der schwarzen Rußwolke:

Schwarze Rauchwolke über Burghausen

Quelle: innsalzach24.de

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