Ordensschwestern werden rar

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Katholische Ordensfrauen werden rar. In Rosenheim könnte es sein, dass sie bald ganz aus dem Stadtbild verschwinden. Denn Schwester Agnella feierte jetzt ihren 75. Geburtstag.

34 Jahre lang setzte sie beim Hauskrankenpflegeverein ihr Leben zum Wohl anderer ein. Die harte Arbeit hat ihre Spuren hinterlassen und jetzt wäre es eigentlich Zeit für den wohlverdienten Ruhestand. Doch mit diesem Wort kann Agnella im Moment noch nicht viel anfangen.
Fest steht, in Kürze wird sie zum Mutterhaus der Franziskus-Schwestern nach Bad Staffelstein zurückgerufen. Mit ihr geht dann auch Schwester Ulrike, die sogar noch ein paar Jahre älter ist als Schwester Agnella. Nicht nur der Hauskrankenpflegeverein verliert damit ein „prägendes Element“.

Nach wie vor fährt Ordensfrau Agnella täglich mit Auto oder Rad zu den Kranken und Alten nach Hause, pflegt und wäscht sie. Eine teilweise sehr schwere Arbeit. Noch dazu ist sie notfalls Tag und Nacht zu erreichen. Mit dem Alter nahmen aber auch die körperlichen Gebrechen bei Schwester Agnella zu, doch "Ruhestand" ist für sie immer noch ein Fremdwort. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das mal werden wird", sagte sie bei ihrer Geburtstagsfeier, an der Mitschwestern, Pfarrer Andreas Zach und Mitglieder des Hauskrankenpflegevereins teilnahmen.

Ruhestand auch für Ordensschwestern

Zu diesem Termin extra nach Rosenheim gefahren kam auch Generaloberin Schwester Christine. Natürlich gäbe es auch für Ordensschwestern einen Ruhestand, erklärte sie: "Dann müssen die Schwestern eigentlich nicht mehr arbeiten, sie dürfen sich aber weiter einbringen - wenn sie wollen." Diese Möglichkeit werde oft genutzt, denn ein Leben ohne Arbeit sei für die gläubigen Frauen dieses Konvents nur schwer vorstellbar.

Schwester Agnella geht es da nicht anders. Sie ist sich sicher: "Wenn ich wieder im Mutterhaus wohne, werde ich mithelfen, wo man mich braucht." Zusammen mit Schwester Ulrike bildet Agnella in Rosenheim derzeit noch einen kleinen eigenständigen Konvent, eine Art Mini-Kloster mit Hauskapelle an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Von dort aus koordinieren die beiden ihre Einsätze für den Hauskrankenpflegeverein. Schwester Agnella ist zuständig für die Alten- und Krankenpflege, Schwester Ulrike übernimmt Haushalt und Kochen.

Unterstützung bekommen die beiden aber schon seit Jahren von "weltlichem" Personal, denn die Zahl der Ordensschwestern nimmt kontinuierlich ab. Auch in Rosenheim sieht man nur noch selten Frauen in der typischen Ordenstracht. Agnella und Ulrike sind die einzigen, die man aktuell noch bei ihren Erledigungen in der Stadt sehen kann. Außer ihnen leben zwar noch einige Schwestern im Kloster beim Friedhof, doch die führen im Gegensatz zu Agnella und Ulrike ein völlig zurückgezogenes Leben, außerhalb jeglicher Öffentlichkeit.

"Wir werden immer weniger. Bald wissen viele Menschen wohl überhaupt nicht mehr, wie Ordensschwestern überhaupt aussehen", stellte auch Generaloberin Schwester Christine bei der Geburtstagsfeier traurig fest. Darum sei es für ihren Konvent künftig auch nicht mehr möglich, sich beim Hauskrankenpflegeverein zu engagieren. Das Mutterhaus werde im Moment von 40 Schwestern bewohnt. Die meisten würden sich bereits im Ruhestand befinden und seien selbst auf Pflege angewiesen: "Dafür müssen wir uns jetzt auch schon Pflegepersonal von außen holen."

Überhaupt wandle sich der Auftrag der Ordensschwestern dieses Konvents immer mehr: "Früher sahen wir unsere Bestimmung in der Pflege der Kranken und Alten. Heute geht es mehr um das religiöse Wohlergehen. Wir müssen den Menschen wieder Hoffnung schenken."

Gerne lässt der Hauskrankenpflegeverein seine beiden verbliebenen Ordensschwestern nicht gehen. Auch wenn mit weltlichen Pflegekräften bereit gut für die Zukunft gesorgt ist.

Viele alte und kranke Menschen wünschen sich trotzdem eine Pflege durch die Schwestern. Generaloberin Schwester Christine kann das gut verstehen: "Es gibt eben einen Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Beides hat seine Berechtigung. Wer arbeitet, verdient Geld und ernährt somit seine Familie. Wir Ordensschwestern setzen unser gesamtes Leben bewusst ausschließlich für unsere Nächsten ein. Für uns gibt es keinerlei andere Verpflichtungen." wu

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser