Pflegeschule bangt um Existenz

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In diesem Gebäude in der Gießereistraße ist die Berufsfachschule für Altenpflege untergebracht.

Rosenheim - Die Berufsfachschule für Altenpflege in Rosenheim bangt um ihr Überleben. Das Kultusministerium hat die Zuschüsse drastisch gekürzt.

Bleibt es dabei, muss die Fachschule mehr Schulgeld verlangen, was nach Einschätzung der Schulleitung einen gravierenden Rückgang der Schülerzahlen nach sich ziehen könnte - und das vor dem Hintergrund, dass händeringend Altenpflegekräfte gesucht werden und viele Betroffene illegal billige Pflegerinnen aus Osteuropa beschäftigen.

Seit 2003 hat der Freistaat einen freiwilligen Schulgeldausgleich gezahlt, um eben diesen Nachwuchsmangel in der Altenpflege zu beheben. Für jeden Auszubildenden erhielten die Einrichtungen, also auch die Rosenheimer Berufsfachschule, bislang 200 Euro monatlich, mit großem Erfolg: Bayernweit stiegen die Schülerzahlen um 17 Prozent. Damit wurde das Ganze für das Kultusministerium offenbar zu kostenintensiv, denn genau mit diesem Schülerzuwachs begründet es nun die Kürzungen der Pro-Kopf-Pauschale um 100 Euro, also um 50 Prozent. Für die Schulen heißt das auf der anderen Seite: weniger Budget, verteilt auf mehr Schüler.

Die von der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste seit 1986 in der Gießereistraße betriebene Berufsfachschule, die derzeit 108 Schülerinnen und Schüler zu Altenpflegern und Altenpflegehelfern ausbildet, ist auf die staatlichen Fördermittel angewiesen. Die Kürzung reißt bereits jetzt ein großes Loch in ihren Etat.

talt sieht sich deshalb gezwungen, das Schulgeld, das momentan bei 35 Euro pro Monat liegt, um genau die 100 Euro zu erhöhen, die ihr jetzt fehlen. Die Kürzungen des Ministeriums gehen damit direkt zu Lasten der Schüler.

Die Schulleitung befürchtet weitere Kürzungen

Der Ausbildungszweig wird auf diese Weise im Vergleich mit anderen immer unattraktiver", bedauert Elisabeth Weißenfels, seit 1993 Leiterin der Schule für Altenpflege. Die Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger beispielsweise sei kostenfrei. Da überlege es sich mancher, ob er tatsächlich in die aufreibende Altenpflege einsteigen und dafür noch zahlen solle. "Viele Schüler können sich das eventuell gar nicht mehr leisten", befürchtet Weißenfels, die schon jetzt mit einer endgültigen Streichung des Ausgleichs für 2011 rechnet. In diesem Fall müssten die Schüler weitere 100 Euro, insgesamt also 235 Euro pro Monat für ihre Ausbildung zahlen.

Bayernweit gibt es derzeit 84 Berufsfachschulen für Altenpflege. Die Basis der Ausbildung tragen die 78 privaten Schulen, welche gleichzeitig die alleinigen Leidtragenden der Fördermittelkürzung sind. Noch hofft man auf ein Einlenken des Ministeriums.

Erfolgt dies nicht, rechnen die Schulen bayernweit mit einem Einbruch der Schülerzahlen für Altenpflege. Die Landtagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die gegen die angekündigten Kürzungen intervenierten, unterlagen in einer Abstimmung der Mehrheit von CSU und FDP.

300000 Euro für eine Werbekampagne: Mehr Nachwuchs

Auch auf städtischer Ebene fragte die SPD nach, welche Möglichkeiten gesehen werden, um eine möglicherweise drohende Schließung der Schule abzuwenden. "Die Sache macht uns Sorgen", versicherte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die die Wichtigkeit der Einrichtung unterstrich, "aber wir können nicht überall dort einspringen, wo sich der Staat zurückzieht." Sie sei aber mit dem Schulleitung im Gespräch, um zu erfahren, ob und wie die Stadt der Schule zur Seite stehen kann.

Während das Kultusministerium die Zuschüsse gekürzt hat, begann das Sozialministerium beinahe zeitgleich die Werbetrommel für die Aktion "Herzwerker" zu rühren. Ziel der 300.000 Euro teuren Kampagne: eine Verbesserung der Personalsituation in Pflegeberufen - unter anderem in der Altenpflege.

Rebecca Radlhammer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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