Gibt es bald keine Hausärzte mehr?

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Landrat Hermann Steinmaßl leitete die Diskussions-Runde des Planungsausschusses am Montag.
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Traunstein - Gerade in den ländlichen Gemeinden gibt es immer weniger oder gar keine Hausärzte mehr. Im Planungs-Ausschuss am Montag wurde angestrengt nach einer Lösung gesucht.

"In allen Teilräumen ist flächendeckend eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung zu gewährleisten", so lautet die Zielvorgabe für den Freistaat Bayern. Doch so einfach sich diese Vorderung anhört, so schwierig gestaltet sich das in der Umsetzung. Denn gerade im ländlichen Raum gibt es immer weniger Haus- und Fachärzte. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken traf sich am Montagnachmittag der Regionale Planungsverband Südostbayern im Landratsamt Traunstein.

Hans Zott vom Planungsverband meinte gleich zu Beginn der Veranstaltung: "Zahlreiche Gemeinden im Landkreis habe keinen oder nur einen Hausarzt." Darüber hinaus würden sich viele Medizinstudenten für Tätigkeit in einer Klinik entscheiden, da die Arbeitszeiten dort geregelt seien. Die Folge sei, dass es bei den Hausärzten keinen Nachwuchs mehr gebe.

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Ministerialrat Albert Eicher sieht diese Entwicklung ebenso kritisch: "Junge Ärzte haben nicht mehr den großen Drang, in die Selbstständigkeit zu gehen." Sie seien eher daran interessiert, im Team zu arbeiten. Doch Eicher hat auch einige Lösungsansätze parat - beispielsweise die Aufhebung der Residenzpflicht für Hausärzte. Das bedeutet, dass die Ärzte nicht mehr dort wohnen müssen, wo sie arbeiten. "Das bricht das Problem, dass die Leute nicht mehr in der kleinen Gemeinde, in der sie ihre Praxis haben, auch wohnen wollen." Allerdings bringe es eine neue Schwierigkeit mit sich: die Aufrechterhaltung des Bereitschaftsdienstes. Denn wenn der Wohnort der Ärzte weit von dem Standort ihrer Praxis entfernt liegt, ist es natürlich aufwendig, einen Bereitschaftsdienst zu organisieren und umzusetzen.

Doch bereits jetzt gibt es schon Maßnahmen des Freistaates, um dem Hausärzte-Mangel entgegenzuwirken. Zum einen gebe es Förderungen für innovative Konzepte im medizinischen Bereich. "Gute Ideen werden von uns mit 200.000 Euro für drei Jahre unterstützt", so Eicher. Die zweite Maßnahme ist die Förderung von Hausärzten in Gemeinden mit weniger als 25.000 Einwohnern. Aber auch die Medizinstudenten stehen im Fokus des Freistaates: "Wenn sich die Medizinstudenten unter anderem verpflichten, fünf Jahre im ländlichen Raum zu arbeiten, bekommen sie eine finanzielle Unterstützung von uns", so Eicher.

Planungs-Ausschuss in Traunstein

Bei der anschließenden Diskussion mit den Bürgermeistern und Landkreisvertretern wurde klar, wie schwierig sich die Umsetzung der Forderung nach einer flächendeckenden Hausarzt-Versorgung in den kommenden Jahren gestalten wird. Eine gerechtere Verteilung von Hausärzten forderten die Gemeinde-Oberhäupter. Doch gerade daran scheiden sich naturgemäß die Geister. Die Vertreter der Krankenkassen sehen einen Großteil der Verantwortung bei den Gemeinden selbst. Eine Einigung war an diesem Nachmittag daher nicht zu erzielen. Doch das gemeinsame Ziel lautet selbstverständlich alle Beteiligten: mehr Haus- und Fachärzte für den ländlichen Raum. Landrat Steinmaßl sprach sich zum Schluss noch für die Bildung einer Arbeitsgruppe aus. "Die Diskussion hat gezeigt, dass das Thema brisant ist. Daher werden wir auch in Zukunft weiter daran Arbeiten."

Quelle: chiemgau24.de

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