"Politik hat Entwicklung verschlafen"

+
Ein Chemiefacharbeiter siebt Arsen- und Gallium-Metall in einem Behälter. Das Unternehmen PPM Pure Metals in Langelsheim ist weltweit einer der wichtigsten Hersteller von Seltenmetallen, die für die Herstellung von Handyplatinen notwendig sind. Seltene Rohstoffe sind in Zukunftstechnologien notwendig.

Rosenheim - Alexandra Gehlhaar, Geschäftsführerin des IHK-Gremiums Rosenheim, sieht durch die Verknappung der Rohstoffe die Zukunft für Deutschlands Schlüsseltechnologien nicht rosig.

"Unternehmer Prof. Dr. Anton Kathrein pflichtet ihr bei. "Wir haben volle Auftragsbücher, können aber nicht immer pünktlich liefern. Die Bauteile durch die Zulieferer fehlen. Wir müssen kämpfen." Von dem "langfristig guten Verhältnis" zu Lieferanten profitiere die Kathrein-Werke KG. "Die Treue auch in schwierigen Zeiten zahlt sich jetzt aus."

Die Auftragslage habe sich im Vergleich zum vergangenen Krisenjahr deutlich verbessert: "Wir haben wieder einen hohen Auftragsbestand", sagt der Firmenchef. Doch zur Produktion seiner weltweit führenden Produkte in der Antennenbranche und der Kommunikationstechnik sei er auf Zulieferbetriebe angewiesen. "Wir brauchen ihre Elektronikbauteile und Chips. Ohne dieses Material können wir nicht fertigen."

Und genau da liegt das Problem. Gerade für High-Tech-Produkte aus der Telekommunikation, für Handys, PC oder LCD-Bildschirme, aber auch im Bereich der Solarenergie, der Automobilbranche oder neuartiger Hochleistungs-Batterien und Elektromotoren werden Rohstoffe wie Lithium, Gallium, Neodym, Indium oder "Seltene Erden"-Metalle dringend gebraucht. Ohne diese Zutaten ist Zukunftstechnologie nicht machbar.

"Hier in der Region Rosenheim sind wir stark im Maschinenbau und im Spezialmaschinenbau. Da treffen uns Lieferverzögerungen erheblich. Die Lage ist sehr dramatisch", weiß Alexandra Gehlhaar, Geschäftsführerin des IHK-Gremiums Rosenheim. Weniger betroffen sind in solchen Zeiten Firmen, die auch in Krisen zu ihren Lieferanten gehalten und nicht gewechselt haben. "Es gab Fälle, da wurden klamme Zulieferbetriebe regelrecht durch die Abnehmer über Wasser gehalten. Das wird nicht vergessen. Nun werden sie als erste bedient", so Gehlhaar.

Bei den bekannten Rohstoffen wie Silber und Kupfer sei der Preis in die Höhe geschnellt. Kathrein: "Bei Silber hat sich der Preis innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt." Beim Kupfer habe er bei Zeiten Verträge abgeschlossen, das zahle sich nun in doppelter Weise aus: Als Kaufmann könne er durch den Festpreis sicher kalkulieren, außerdem habe er sich Zugriff auf das weltweit sehr begehrte Element gesichert. Doch nach dem Auslaufen der Verträge sehe vieles wieder anders aus.

"Die Politik hat hier eine Entwicklung verschlafen", schimpft der Unternehmer.

In Europa, aber auch in den USA, werden die heiß begehrten seltenen Rohstoffe nicht oder nicht mehr gefördert, während der große Konkurrent am Weltmarkt, die Volksrepublik China, selbst unter teilweise völliger Vernachlässigung von Umwelt-Mindeststandards Rohstoffe in chinesischen Minen abbaut oder sich Schürfrechte in Afrika, dem an Bodenschätze reichen Kontinent, langfristig gesichert hat. "Mit zum Teil fragwürdigen Methoden", so Kathrein.

Im Ergebnis bedeute dies, dass durch die chinesische Exportpolitik eine Verknappung an Rohstoffen entsteht, die zu Engpässen in der europäischen High-Tech-Produktion führt. "Das schädigt die europäische Wirtschaft. Europa muss sich schnellstens umorientieren", fordert der Unternehmer. Auch wegen der Rohstoff-Thematik sei die Firmengruppe Kathrein in Brasilien mit seinen Bodenschätzen stark vertreten.

"Unsere Auftragsbücher sind voll, neue für den Markt interessante Produkte wie das Tetranetz für Polizei und Feuerwehr sind auf dem Weg. Wir werden weiterhin auf Innovation und Qualität im weltweiten Wettbewerb setzen und ganz vorne mitspielen", so Kathrein.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser