Wiesn: Polizei zieht abschließendes Fazit

Rosenheim - Einsatzleiter Rudolf Morawek zieht nach Ende der Jubiläumswiesn eine positive Bilanz. Am einsatzreichsten waren die Wochenenden.

„Unsere gute Vorbereitung war der Schlüssel zum Erfolg. Uns ist es auch heuer wieder gelungen, dass die vielen Gäste ein sicheres und weitgehend friedliches Rosenheimer Herbstfest genießen konnten“, so Morawek. So ging die Zahl der Straftaten mit Wiesnbezug im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.

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Und das, obwohl die Jubiläumswiesn einen Abend länger dauerte, nämlich von Freitag, 26. August bis zum Sonntag, 11. September 2011. Dennoch gab es auch Unerfreuliches: „Wir mussten bei den Körperverletzungsdelikten in diesem Jahr erneut einen leichten Anstieg verzeichnen und hatten nach Wiesnschluss regelmäßig noch zahlreiche Einsätze mit zumeist stark alkoholisierten Personen in der Innenstadt zu bewältigen.“

Allgemein

Der erfreuliche polizeiliche Eindruck der 17 Tage konnte auch durch die einsatzreichen Wochenendtage nicht gravierend geschmälert werden. Zwar gab es, wie schon in den Vorjahren, insbesondere an den Wochenenden und in den späten Abendstunden Einsatzspitzen zu verzeichnen, alles in allem jedoch keine gravierenden Sicherheitsstörungen. Insgesamt ereigneten sich in diesem Jahr 134 Straftaten mit Festbezug (2010: 157*), was einen Rückgang von 15 Prozent bedeutet. Dazu beigetragen haben der höhere Personalansatz sowohl der Polizei, als auch der Sicherheitsdienste in den Festzelten und auf dem Herbstfestgelände. So konnte im Zusammenspiel aller Beteiligten der friedliche Charakter der Jubiläumswiesn gewahrt werden.

Körperverletzungen

Die Körperverletzungsdelikte stiegen auf 77 Fälle (Vorjahr: 73) erneut leicht an. Davon wurden 55 Straftaten auf dem Festgelände selbst begangen, die übrigen im Umfeld der Loretowiese. Angesichts der Besucherzahlen von über einer Million darf also bei diesen vergleichsweise niedrigen absoluten Zahlen durchaus von einem friedlichen Volksfest gesprochen werden, auch wenn jedwede Gewaltanwendung in den Augen der Polizei nicht zu tolerieren ist. Wie erwartet waren am mittleren und am letzten Wochenende die meisten Körperverletzungen zu verzeichnen.

Tätlichkeiten, bei denen der Maßkrug als Waffe eingesetzt wurde, waren in diesem Jahr erfreulicherweise die große Ausnahme und es kam während der gesamten Wiesnzeit auch zu keinen schwerwiegenderen Verletzungen.

Wiesnverbote

Ein beim Wiesnbesucher gefürchtetes, für den Veranstalter und die Polizei aber wertvolles Mittel: das Wiesnverbot. Auch heuer wurde das Verbot vor allem gegen junge männliche und alkoholisierte Randalierer ausgesprochen. So häufig wie noch nie, nämlich 119 mal (2010: 47) wurden auffällige Personen vom Festgelände „verbannt“. Weil sowohl die Ordnungsdienste, als auch die Polizei ihre Personalstärke im Vergleich zu den Vorjahren spürbar erhöht haben, konnte bei vielen Auseinandersetzungen bereits in einem frühen Stadium eingeschritten werden, ehe Schlimmeres passierte. Ein Wiesnverbot war dann aber bereits in den meisten Fällen auszusprechen.

Gewahrsam

Wie Betretungsverbote sind Gewahrsamnahmen Indikatoren des polizeilichen Arbeitsanfalles auf dem Herbstfest. Mit 68 Maßnahmen bewegten sich die Arreste zum eigenen Schutz bzw. zur Sicherheit der Festgäste heuer auf niedrigerem Niveau (2010: 77). Darunter waren auch 23 Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern bei der Polizei abgeholt werden mussten.

Jugend

Das erfolgreiche Konzept der Vorjahre, gemeinsam mit Vertretern der Stadt gegen eine zunehmende und teils massive Alkoholisierung Minderjähriger mit klarer Linie einzuschreiten, fand auch heuer Fortsetzung. Bei den gemeinsamen Kontrollen, die an neun Tagen durchgeführt wurden, wurden mehr als 300 Kinder und Jugendliche überprüft. Hier wurde das Augenmerk auf den Ausschank und die Weitergabe von Alkohol gelegt. Erfreulicherweise gab es hier in den Schankbetrieben fast keine Beanstandungen. Allerdings wurden vereinzelt dennoch wieder stark alkoholisierte Kinder und Jugendliche aufgegriffen („Rekordwert“ eines Jugendlichen: 2,34 Promille).

Diebstahl

Um erfreuliche 30 Prozent (2011: 32 Fälle, 2010: 49 Fälle) gingen die Eigentumsdelikte auf dem Herbstfest zurück. Viele Besucher beherzigten die Präventionshinweise und hielten ihre „Siebensachen“ zusammen. Auch die Videoüberwachung schreckt potentielle Täter ab, weil das Entdeckungsrisiko für sie sehr hoch ist. Das Phänomen Maßkrugdiebstahl verliert zusehends an Bedeutung, hier mussten nur einige wenige Fälle aufgenommen werden. Offenbar haben die Mitarbeiter der Sicherheitsdienste gut hingeschaut und verhindern die Mitnahme von Krügen durch Festbesucher.

Verkehr

Abgesehen vom gewohnt starken Fahrzeugaufkommen entwickelte sich das Verkehrsgeschehen während des Herbstfestes wie folgt: die Zahl der Abschleppungen stieg von 27 (2010) auf 71 (2011) an. Dieser auffällige Trend ist der Tatsache geschuldet, dass die kommunalen Parküberwacher der Stadt Rosenheim in diesem Jahr häufiger und länger überwachten. Auch die Polizei achtete aus Sicherheitsgründen (Stichwort: Rettungswege) besonders darauf, dass vor allem Feuerwehranfahrtszonen und Behindertenparkplätze nicht verparkt wurden.

Wie angekündigt, wurden natürlich auch wieder Alkoholkontrollen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durchgeführt. Wurden im letzten Jahr 12 Fahrzeugführer mit zu hohen Alkoholwerten auffällig, so waren es heuer 16. Darunter auch mehrere Radfahrer, die entweder durch ihre unsichere Fahrweise auffielen oder aber den Grenzwert (1,6 Promille) zur absoluten Fahruntüchtigkeit überschritten hatten.

Volksfestbedingte Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss waren auch in diesem Jahr die absolute Ausnahme. Denn immer stärker ausgeprägt ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder das Bilden von Fahrgemeinschaften sowie die Zulassung von deutlich mehr Taxis.

Videoüberwachung

Die erstmals 2009 auf dem Herbstfest eingesetzte Videoüberwachung wurde 2010 zum Volksfeststart auf Kriminalitätsschwerpunkte im Rosenheimer Innenstadtbereich ausgedehnt. Diese Maßnahme hat sich auch 2011 wieder bewährt, denn die Maßnahme bedeutet einen ganz erheblichen Mehrgewinn für die Sicherheit, vor allem nach Festschluss.

Mehrfach konnte die Videoüberwachung in der Innenstadt erfolgreich eingesetzt werden. Und auf dem Festgelände konnte am 03. September die Körperverletzung eines 17-Jährigen aufgezeichnet werden, der zwei andere vor einem Verkaufsstand auf dem Festgelände schlug.

„Wildbiesler“

War 2010 noch das Rauchverbot ein vieldiskutiertes Thema, so rückte 2011 das sogenannte „Wildbieseln“ in den Fokus. Insgesamt 83 Anzeigen (2010: 27) wurden erstellt und das, obwohl sowohl in den Zelten, als auch auf dem Festgelände verteilt ausreichend viele „stille Örtchen“ vorhanden und ausgewiesen waren. Und auch nach Wiesnschluss hatte man heuer im Umfeld der Loretowiese die Möglichkeit, eine öffentliche Toilette aufzusuchen. Alle zur Anzeige gebrachten Personen müssen mit einem Bußgeldbescheid der Stadt Rosenheim über 100 Euro rechnen.

Der Einsatz des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wurde mit Einsatzkräften aus dem eigenen Präsidialbereich und Unterstützungskräften der Bereitschaftspolizei bewältigt. Neben den Beamten der Polizeiinspektion Rosenheim verrichteten auch Polizisten, insbesondere der benachbarten Reviere, ihren abwechslungsreichen Dienst in der Wiesnwache auf dem Festgelände oder im Umfeld der Loretowiese. Als Einsatzleiter drückte der Rosenheimer Inspektionsleiter Rudolf Morawek wie im Vorjahr dem Herbstfesteinsatz seinen Stempel auf. Und die professionelle Vorbereitung und Durchführung mit einem erhöhten Kräfteansatz (ca. 20 Prozent mehr Beamtinnen und Beamte im Einsatz), zahlten sich letztlich aus.

Das sieht auch Polizeipräsident Robert Heimberger so: „Mein Dank gilt zuallererst den Kolleginnen und Kollegen, die ihren Dienst während der Herbstfestzeit verrichteten und dabei hervorragende Arbeit leisteten. Sie haben mit ihrem engagierten Auftreten dafür gesorgt, dass das Rosenheimer Herbstfest nach wie vor eines der friedlichsten und attraktivsten großen Volksfeste Bayerns bleibt!“

Herr Heimberger bedankte sich auch im Namen des ganzen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd beim Wirtschaftlichen Verband als Veranstalter sowie der Stadt Rosenheim für die gute Zusammenarbeit: „Der Schulterschluss der Verantwortlichen, insbesondere Stadt, Veranstalter, Hilfs- und Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei – ist seit Jahren das Erfolgsrezept. Und das wird auch 2012 wieder so sein, denn: nach der Wiesn ist vor der Wiesn!“

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © eraffe.de/dpa

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