Polizei-Vorfall: Anwalt im Interview

Schechen - Im Video-Interview berichtet Ehepaar E. wie sie den umstrittenen Polizeieinsatz erlebt haben. *NEU: Interview mit dem Anwalt der Familie*

Der umstrittene Polizeieinsatz in einem Schechener Wohnhaus steht noch im Mittelpunkt von großem Interesse, ein neuer Fall bringt abermals die Rosenheimer Polizei in die Kritik. Ein Dienstaufsichts-Verfahren gegen die Beamten, die in Schechen im Einsatz waren, wurde nicht eingeleitet, erklärt Peter Burghardt, Pressesprecher des Innenministeriums auf Anfrage von rosenheim24. „Wir warten die Entscheidung der Justiz ab. Erst dann wird über ein internes Verfahren entschieden“, so Burghardt.

Im Video-Interview berichtet das Ehepaar E. wie sie den Vorfall erlebt haben und was sie zur Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Traunstein sagen:

Sehen Sie am Donnerstag: Video-Interview mit einem Vertreter der Staatsanwaltschaft Traunstein

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Im Schwitzkasten der Justiz

Besonders heiß diskutiert wird der Polizeieinsatz und seine Folgen in Schechen: Viele Einwohner solidarisieren sich mit der Familie E., es wird aber auch Kritik laut. In der Gemeinde sind Gerüchte über eine unehrenhafte Entlassung aus dem Polizeidienst und Rachegelüste von Herrn E. zu hören. Wir haben Hartmut Wächtler, Anwalt der Familie, mit den Vorwürfen konfrontiert. Der Jurist erklärte gegenüber rosenheim24: „Das ist totaler Unsinn. Herr E. hatte einen Unfall und war dann dienstunfähig. Er hatte ein völlig harmonisches Verhältnis mit seiner alten Dienststelle, wenige Tage vor dem Vorfall war er zu einer Einweihung einer Inspektion eingeladen.“ Am Donnerstag folgt ein ausführliches Video-Interview mit einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein.

"Polizei hat uns misshandelt"

Interview mit Hartmut Wächtler, Anwalt der Familie E.

rosenheim24: Warum sind Ihre Mandanten erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen?

Wächtler: Ich habe der Familie deutlich gemacht, dass sie in einer sehr ungünstigen Situation ist, nachdem die Staatsanwaltschaft sich jetzt entschieden hat, die Polizeibeamten nicht anzuklagen, sondern nur die Familie. Sie sitzen dann zu viert auf der Anklagebank und es marschieren zehn Polizeibeamte als Zeugen auf. Es besteht die Gefahr, dass man ihnen nicht glauben wird. Dann habe ich gesagt: Das Einzige, was hilft, ist,wenn wir an die Öffentlichkeit gehen.

Was ist Ihre Strategie zur Verteidigung der Familie?

Die Strategie besteht darin, dass man darauf hinweist, dass die Polizei kein Recht hat, in ein Haus einzudringen und die Bewohnerin ohne Grund, ohne Verdacht unter Gewaltandrohung zur Herausgabe ihrer Personalien zu veranlassen. Dafür gab es nicht den geringsten gesetzlichen Grund. In einem Rechtsstaat muss die Polizei für solche Aktionen eine gesetzliche Grundlage haben, zum Beispiel einen Verdacht. Den gab es aber nicht!

Laut Staatsanwaltschaft seien die Aussagen der Polizei-Beamten logisch und widerspruchsfrei, im Gegensatz zu den Aussagen Ihrer Mandanten. Was sagen Sie dazu?

Die Polizei hat lediglich einräumt, dass sie die Familie zu Boden gebracht hat, um sie dort zu fesseln. Warum auch immer dies nötig gewesen sein soll. Mir ist bis jetzt schleierhaft, warum beim zu-Boden-bringen Traumata im Bauch entstehen sollen, die Ärzte festgestellt haben. Wenn man aber die Aussage der Familie zu Grunde legt, dass sie von den Polizeibeamten in den Bauch geschlagen worden sei, dann ist das sehr wohl nachvollziehbar. Das ist ein Widerspruch, der sich nicht in den Aussagen der Familie findet, sondern in denen der Polizei.

Herr E. war selbst Polizist. Könnte es da andere Motive für die Anschuldigungen geben, wie Konflikte mit ehemaligen Kollegen?

Das Gegenteil ist der Fall. Er hatte ein völlig harmonisches Verhältnis mit seiner alten Dienststelle, wenige Tage vor dem Vorfall war er zu einer Einweihung einer Inspektion eingeladen. Ich kann mir kein Motiv aus dieser Richtung vorstellen.

Mittlerweile gibt es Gerüchte in dem Heimatort Ihrer Mandanten, dass Herr E. unehrenhaft entlassen worden sei und jetzt sozusagen auf Rache aus...

Das ist totaler Unsinn. Herr E. hatte einen Unfall und war dann dienstunfähig.

Die Staatsanwaltschaft hat die Aussagen der Zeugen, die ebenfalls Teile der Polizei-Aktion miterlebt haben, als „wenig hilfreich“ bezeichnet. Werden diese Zeugen Teil Ihrer Verteidigung sein?

Die Zeugen werden mit Sicherheit aufgerufen werden. Ich glaube gerne, dass aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Zeugen „wenig hilfreich“ sind.

 

cs/red

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Quelle: rosenheim24.de

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