Porträt: Der "Jesusmensch" von Rosenheim 

"Der Teufel macht Dich hässlich!"

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Andreas Pfeuffer heißt der "Jesusmensch" von Rosenheim. Am Freitag war er wieder rund um den Christkindlmarkt unterwegs. 
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Rosenheim - Seit fünf Jahren lebt unser Online-Redakteur Marcel Görmann in Rosenheim. Noch nie hat er mit dem berühmten "Jesusmenschen" gesprochen - bis jetzt.

Bisher ist es mir stets gelungen diesem Mann mit dem lauten Stimmorgan aus dem Weg zu gehen, seine Flyer freundlich lächelnd abzulehnen. Andere hatten da weniger Glück! Kolleginnen berichteten mir, dass er sie schon mal als "Ausgeburt der Hölle" oder "Hure Babylons" brandmarkte, als sie nichts von ihm annehmen wollten.

Fast 4500 Leute folgen dennoch der Facebook-Fanseite "Jesusmensch Rosenheim". Er selbst hat von deren Existenz vermutlich gar keine Ahnung. Auf der Seite wird er als "Komiker" bezeichnet, was nicht seinem Selbstverständnis entspricht. Ihm ist die Sache ernst. Es geht um Leben und Tod - Himmel und Hölle. 

Trotz seiner oft aggressiven Schreiereien respektieren aber viele den Mann, der für seine Überzeugungen seit Jahrzehnten auf die Straße geht. Er ist eine richtige Berühmtheit in Rosenheim, gehört zum Stadtbild einfach dazu.

Der "Jesusmensch" ist bereits Rentner

Es ist also Zeit für mich mal mit ihm zu reden! Sofort zeigte sich Andreas Pfeuffer, so sein Name, aufgeschlossen für rosenheim24.de ein Interview zu führen. Die erste Überraschung im Gespräch: Er ist bereits 73 Jahre alt. Man sieht es ihm nicht an. 

Einen Kaffee oder Tee will der Rentner nicht. Er lebt bescheiden, auch wenn man ihm etwas anbietet. Ein Telefon oder gar Handy besitzt er nicht. Mit solchen "modernen Dingen", wie er sie nennt, kann er nichts anfangen. Er will kein "Knecht der Technik" sein, als ein freier Mensch leben. Wer mit ihm kommunizieren will, solle ihn persönlich ansprechen. 

Aufgewachsen in Unterfranken hielt es den Bäckermeister nicht lange an einem Ort. In Nürnberg, Hamburg und Stuttgart hat er gelebt. Ledig sei er immer gewesen, so habe er nicht viel ausgeben müssen und mehr Geld für die Mission gehabt. Ein kleines Zimmerlein reichte ihm - und das ist auch noch heute so. Er sei ein "Wandermensch" gewesen. 

Seit 1970 lebt er nun in Brannenburg, direkt über der Bäckerei, in der er bis zum Eintritt ins Rentenalter gearbeitet hat. Seine Welt ist minimalistisch und streng auf ein Ziel ausgerichtet: Jesus. 

Seine Eltern seien ihm "gute Vorbilder" im Glauben gewesen. Schon früh in seinem Lebensweg suchte er die Nähe zu radikaleren, missionarischen Gruppen. Als Erwachsener lässt er sich erneut taufen. "Vorher war ich ein schüchterner Christ, konnte nicht frei vor anderen Menschen reden." Die rituelle Taufe habe alles verändert: "Gott hat mir die Furcht genommen!" Plötzlich habe er freimütiger vor Fremden sprechen können. 

"Die Leute sollen zuerst die Sau rauslassen"

Gerade in dem Moment, als er darüber erzählt, spricht ihn ein Jugendlicher von der Seite hämisch an: "Hi Satan!" - "Der Teufel macht Dich hässlich", schallt es sofort vom 73-Jährigen zurück. Pfeuffer lächelt unbeirrt weiter und lässt sich nichts anmerken. In all den Jahrzehnten hat er sich ein dickes Fell angelegt. Persönliche Beleidigungen scheinen an ihm abzuprallen, jeder Spott wird gekontert - er beleidigt einfach lautstark zurück. 

"Ich will nicht verbittert sein. Die Leute sollen zuerst die Sau rauslassen, dann kann Jesus in sie einziehen." Er könne damit umgehen, habe Geduld, solange niemand gewalttätig wird. Morddrohungen habe er schon bekommen, doch verletzt wurde er auf der Straße noch nie. Für den Christ ist klar: Gottes Schutzengel haben ihn zu aller Zeit davor bewahrt. 

Pfeuffer will knallhart die Wahrheit aussprechen

Auf meine Frage, ob ihm bewusst sei, dass seine eigenen Schmähungen und Beschimpfungen andere Menschen und besonders auch Jugendliche verletzen könnten, rechtfertigt er sein Auftreten. Er sei nun mal ein "Bußprediger", eine "Posaune" und traue sich etwas, was andere Prediger nicht tun. Pfeuffer fühlt sich alltäglich konfrontiert mit einer gottlosen Gesellschaft, mit einem - wie er sagt - "widerspenstigen Volk". Jesus hätte die "Schriftgelehrten" schließlich auch als "Otterbrut" bezeichnet. Da müsse man knallhart die Wahrheit sagen und wachrütteln, schließlich wolle er uns alle im Himmel mal wiedersehen. Um seine guten Absichten zu unterstreichen sage er zu allen auch immer "Freund" oder "Freundin".

Pfeuffer ist von sich und seiner Mission felsenfest überzeugt, Zweifel kennt er nicht, denn aus seiner Sicht wird er von Gott geleitet. Für ihn sind die Passanten in der Rosenheimer Innenstadt "Verlorene". Gott sende ihn zu diesen Menschen, nicht er selbst habe sich das ausgesucht. 

In der Mangfallstadt ist Pfeuffer dabei immer alleine unterwegs. Im Gegensatz zu seinen gelegentlichen Einsätzen in München, bei denen er auch in Gruppen mit gleichgesinnten Christen missioniert. Was ihn dabei antreibt? "Die guten Gespräche", so der Missionar. "Es gibt immer wieder Passanten, die mich ansprechen oder Fragen stellen. Das finde ich erbaulich." 

Ein harmloser Fundamentalist

Ich werde zukünftig jedenfalls nicht mehr unsichtbar an ihm vorbei gehen können. Das macht aber aus nichts, denn im Grunde ist Andreas Pfeuffer ein sympathischer und harmloser Mensch. Aber eben auch ein Fundamentalist mit einem geschlossenen Weltbild, der sich im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnt.

Wenn Sie unser bibeltreuer "Jesusmensch" beim nächsten Stadtbummel mal wieder als "Giftzwerg, "wandelnde Leiche" oder "Tochter Satans" beschimpft, dann antworten Sie ihm einfach mit dem Römerbrief 12,14. Dort ermahnt Apostel Paulus die Gemeinde: "Segnet - und flucht nicht!"

mg

Quelle: rosenheim24.de

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