GDL fordert Konsequenzen nach Aiblinger Zug-Unglück

Falsche Notruftaste? Hermann-Aussage schlägt weitere Wellen

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Hier passierten wohl die tragischen Fehler, die zur Katastrophe führten: Der Arbeitsplatz des Aiblinger Fahrdienstleiter. 
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Bad Aibling/Traunstein - Rund sieben Wochen nach dem tragischen Zugunglück bei Bad Aibling sind die Ermittlungen nach wie vor noch nicht abgeschlossen. Das hat die Staatsanwaltschaft in einer Presseerklärung klar gestellt.

Das ist heute passiert:

  • In einem Interview mit der BILD sagte Bayern Innenminister Herrmann, dass der Fahrdienstleister eine falsche Notruftaste bedient habe.
  • Es wäre der zweite fatale Fehler, der zu dem Unglück führte, weil so der zweite Notruf nicht mehr rechtzeitig ankam.
  • Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen in einer Pressemitteilung: "Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen". Man warte noch auf ein Sachverständigengutachten. 
  • Dennoch forderte die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) nun am Abend bessere Schulungen für die Fahrdienstleiter.
  • Unterdessen plant Bad Aibling eine Gedenkstätte für die Opfer des Zugunglücks. Sie solle wahrscheinlich am sogenannten Theresienmonument in Sichtweite der Unglücksstelle errichtet werden.

UPDATE 18 Uhr: GDL fordert bessere Fahrdienstleiter-Schulungen

„Es muss alles getan werden, damit sich ein solches Zugunglück wie in Bad Aibling nicht wiederholt“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Lutz Schreiber. Er fordert, dass die Fahrdienstleiter ebenso wie die Lokomotivführer in regelmäßigen Abständen umfassend an Simulatoren trainiert werden, damit Krisensituationen professionell bewältigt und so Unfälle letztendlich verhindert werden können. 

Darüber hinaus sind die Endgeräte des digitalen GSM-R Funknetzes zwingend auf Zweckmäßigkeit zu prüfen. Das Abschicken eines Notrufs vom Fahrdienstleiter zum Lokomotivführer und umgekehrt muss einfacher und sicherer werden. Eine Verwechslung von Notruftasten muss künftig ausgeschlossen sein, fordert die GDL in einer Pressemitteilung.

Hermann: "Er hat die falsche Taste gedrückt"

Am Dienstagmorgen hatte ein Bericht der Bild-Zeitung für Aufsehen gesorgt. Darin hieß es, dass der zuständige Fahrdienstleiter gleich zwei verhängnisvolle Fehler gemacht haben soll. Erst soll er laut der Zeitung zwei Züge gleichzeitig auf die eingleisige Strecken zwischen Bad Aibling und Kolbermoor geschickt haben. Als der Mann seinen Fehler bemerkte, soll er versucht haben, einen Notruf abzusetzen.

"Er hat – möglicherweise aus Aufregung – jedoch die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät", zitiert die Zeitung Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Staatsanwaltschaft: Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Jetzt hat sich auch die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet und stellt klar: "Die Ermittlungen zu den Ursachen des Zugunglücks von Bad Aibling sind noch nicht abgeschlossen. Anhaltspunkte für rein technische Ursachen bei Gleis- oder Signalanlagen oder in den kollidierenden Zügen haben sich nicht ergeben. Allerdings bleibt das hierzu in Auftrag gegebene Sachverständigengutachten abzuwarten."

Themenseite zum Zugunglück bei Bad Aibling

Menschliches Versagen des Fahrdienstleisters steht aber nach wie vor im Mittelpunkt der Ermittlungen. Laut der Staatsanwaltschaft gilt es insbesondere zu klären, weshalb und unter welchen Umständen beide Züge auf die eingleisige Strecke geschickt wurden und warum das Unglück nach der folgenschweren Fehlentscheidung nicht noch vermieden werden konnte.

Ging der erste Notruf an die falsche Stelle?

Dass der Notruf zunächst an eine "falsche Stelle" ging, wollte die Behörde nicht bestätigen. "Eine abschließende Bewertung ist nach wie vor nicht möglich. Es liegen noch nicht alle Ermittlungsergebnisse vor. Erst wenn dies der Fall ist, kann eine Bewertung vorgenommen werden", hieß es in der Presseerklärung.

Der zuständige Oberstaatsanwalt Giese sagte aber auch: "Allerdings hat die Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft der Deutschen Bahn AG am 22. März eine Information über eine Fehlerquelle bei der Abwicklung des Funkverkehrs bei Notrufen der Fahrdienstleiter im Rahmen einer Warnmeldung zur Vermeidung folgenschwerer Fehler bei der Bedienung der Funkgeräte zukommen lassen. Eine solche Fehlbedienung ist Gegenstand der Ermittlungen und der Begutachtung durch den Sachverständigen. Dabei wird auch die Frage zu klären sein, ob bei richtiger Abwicklung des Notrufes die Züge noch hätten zum Stehen gebracht werden können."

Bei dem schrecklichen Unfall am Faschingsdienstag (9. Februar) waren elf Menschen ums Leben gekommen, über 80 wurden zum großen Teil schwer verletzt.

Quelle: mangfall24.de

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