Priener Samurai-Mann ging während Großeinsatz auf Facebook live

"Sagt den Bullen, sie sollen die Waffen weg tun!"

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Prien am Chiemsee - Am Freitagabend hat ein Mann mit einem Samurai-Schwert für jede Menge Aufregung und einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Jetzt kam heraus: Während des rund dreistündigen Nervenkrieges wandte sich der Täter mit einem Live-Video via Facebook an die Öffentlichkeit:

Xaver B. (Anm. der Red.: Name geändert), der eigentlich Heizungsbaumeister und Bürokaufmann ist, hat während des Polizeieinsatzes ein Live-Video auf Facebook gepostet. In dem rund dreieinhalb Minuten langen Video, das in dem sozialen Netzwerk am Dienstagvormittag nach wie vor abrufbar war, stellt sich B. zunächst vor: "So, griaß eich. Mein Name ist (...) und ich bin leider bi-polar."

Dann kommt er sofort auf den laufenden Polizeieinsatz zu sprechen: "Bei mir steht die Polizei mit geladener Waffe vor meiner Tür. (...) Meine Nachbarin hat mich schon wieder angeschwärzt. Ich habe Angst um meinen Hund und mich. Ich habe jetzt 20 Milligramm Valium zur Beruhigung genommen, bin zuhause, ruhig und höre Musik."

Anschließend bittet B. die Bevölkerung quasi aktiv um Mithilfe für die Lösung seiner total verworrenen Situation. "Ich richte mich jetzt an die Öffentlichkeit und hoffentlich kann mir jemand helfen. (...) Ich sitze jetzt einfach in Ruhe nur da und warte ab, weil ich Angst habe. Also bitte ruft euch zusammen und macht eine Petition vor meiner Haustür und sagt, dass ich ein guter Kerl bin. Und sagt den Bullen, dass sie die Waffen weg tun sollen und dass ich mich nicht ergeben werde."

Fotos vom Tatort:

SEK-Einsatz in Prien

Marihuana und 27 verschiedene Schmerzmittel?

Anschließend spricht B. unverblümt über seine gesundheitliche Situation, wobei er sich auffallend oft selbst widerspricht. "Ich habe dreieinhalb Jahre bewiesen, dass ich clean und gesund bin. Ich bin nicht drogensüchtig! Ich brauche mein Marihuana für meine Gesundheit, für mein Asthma und für meine Schmerz- und Nervberuhigung, weil das meine Medizin ist." Bei einer Behandlung im Krankenhaus seien B. an einem einzigen Tag angeblich 27 verschiedene Schmerzmittel verabreicht worden.

An die Polizei richtete B. anschließend eine klare Ansage: "Die sollen mich in Ruhe lassen. (...) Und sie sollen jetzt die Truppen abziehen, weil der Erste, der bei der Tür reingeht, da kann ich für nichts garantieren, außer er schießt mich nieder." Und nach einem kleinen "Exkurs" über angebliche Misshandlungen, die ihm zugefügt worden seien, legt B. nochmal nach: "Und wenn sie nicht bald die Waffen wegnehmen, werde ich sie einzeln abnehmen - außer sie schießen mich tot!" 

Abschließend formuliert er nochmals seine Bitte: "Und jetzt möchte ich bitte, dass ihr mir helft. Und dass die bitte gehen. Und dass ich in Ruhe gelassen werde und das Land in Ruhe verlassen kann. Innerhalb von fünf Stunden bin ich weg!"

Appelle von Bekannten halfen nicht

Das Video rief auf Facebook zahlreiche Reaktionen hervor. Bekannte und Freunde versuchten ihm zu helfen, schickten ihm einen Link zum Krisendienst Psychiatrie oder boten ihre Hilfe an: "Mach nichts, was du später bereust. Du kannst auf anderem Weg die Öffentlichkeit auf diese Probleme aufmerksam machen. Hier brauchst nicht durchdrehen, das ist der falsche Weg!" Ein anderer postete an seine Pinnwand: "(...) M ach kein Blödsinn, alles wird gut." Rund eine halbe Stunde nach dem Video setzte Xaver B. noch einen weiteren Post auf Facebook ab und forderte darin, "sofort Presse und Fernsehen zu holen".

Zur Vernunft gebracht werden konnte Xaver B., der schon in den Tagen vor dem Großeinsatz für Polizeieinsätze gesorgt hatte, unter anderem durch Drohungen mit einer Schreckschusswaffe, jedoch nicht. Nach einem knapp dreistündigen "Nervenkrieg" - unzählige Telefonate von besonders geschulten Polizeibeamten brachten keinen Erfolg - stürmte letztlich gegen 19.20 Uhr ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Wohnung von Xaver B. im Eschenweg und nahm ihn fest. Anschließend wurde B. in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Quelle: rosenheim24.de

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