Priester liest aus Aids-Buch trotz Leseverbot der Kirche

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Stefan Hippler (Archivbild vom 22.01.2003)

München - Der katholische Priester Stefan Hippler, der sich stark in der Aids-Hilfe engagiert, setzt sich zum ersten Mal über ein gegen ihn von der Deutschen Bischofskonferenz verhängtes Auftrittsverbot hinweg.

Er trat am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Landtag in München auf. Am Abend wollte er auf Einladung der SPD-Landtagsfraktion im Plenarsaal aus der von ihm mitverfassten Streitschrift “Gott, Aids, Afrika“ vorlesen. Das Buch hat der 51-Jährige zusammen mit dem langjährigen Afrika-Korrespondenten der “Zeit“, Bartholomäus Grill, geschrieben. Es wendet sich an den Vatikan und will eine Wende in der Aids-Politik der Kirche bewirken. Hippler zeigte sich schon bei der Pressekonferenz unerschrocken, was mögliche Konsequenzen angeht: “Ich gehöre zu den Menschen, die das tun, was sie für richtig halten.“

Nach der Veröffentlichung der Schrift war dem Seelsorger, der in Südafrika die Aids-Hilfsorganisation “Hope Cape Town“ gegründet hat, sein Vertrag mit der Deutschen Bischofskonferenz als Pfarrer der deutschsprachigen römisch-katholischen Gemeinde in Kapstadt im Oktober 2009 nicht verlängert worden. Seitdem führt Hippler seine Arbeit als “Geistlicher mit Sonderaufgaben“ in Südafrika fort.

Landtags-Vizepräsident Franz Maget (SPD) sagte über die Haltung der Amtskirche gegenüber dem engagierten Priester: “Sie begrüßt, was Hippler tut, und kritisiert, was er sagt.“ Er freue sich, dass sich Hippler traue, das Leseverbot mit einem Auftritt im Landtag zu brechen. Ihr Kommen angekündigt hatten unter anderen Herzog Franz von Bayern und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. Bei der Veranstaltung wollte der aus Bitburg stammende Priester seine Erfahrungen mit der Kirche reflektieren und die “K-Frage“ thematisieren: Hippler hat sich im Kampf gegen Aids gegen das strikte Kondomverbot der katholischen Kirche ausgesprochen.

Hippler betonte, dass ein neuer Weg in der christlichen Sexualmoral mit der Haltung des Papstes stehe und falle. Die von Papst Benedikt XVI. bekräftigte Enzyklika “Humanae vitae“ aus dem Jahr 1968 sei dabei keine Hilfe. Sie verbiete eine künstliche Verhütung für die Weitergabe des Lebens. Wenn es aber um den Schutz des Lebens gehe, spreche man von etwas völlig anderem, betonte er. Er verwies darauf, dass es in Südafrika 5,7 Millionen HIV-Infizierte gebe. Jeden Tag seien in dem Land 1000 Aids-Tote zu beklagen.

dpa

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