Probe aufs Exempel

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Blinde und Sehbehinderte erprobten unter Leitung von Friedrich Gerlmaier (links) die Nutzung des Rosenheimer Bahnhofes - von der Eingangshalle bis zu den Bahngleisen.

Rosenheim - Wie kaum ein anderer Mensch ist ein Blinder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Deshalb hat der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) große Hoffnungen in den neuen Rosenheimer Bahnhof gesetzt.

Am Tag des weißen Stockes machten die Mitglieder der Bezirksgruppe Rosenheim die Probe aufs Exempel und kämpften sich zum ersten Mal durch den neu gestalteten Verkehrsknotenpunkt.

Bilder vom neugestalteten Bahnhof:

Fotos vom Bahnhof Rosenheim

Menschenmassen, die ins Foyer strömen oder heraus, Hürden in Form von Koffern, die sich in den Weg stellen, steile Treppen, breite Unterführungen, enge Bahnsteige, dazu der Lärm der vielen Stimmen, der an- und abfahrenden Züge: Kaum vorstellbar, dass Blinde oder Sehbehinderte einen Bahnhof ohne Begleitung nutzen können. Doch es geht, wenn taktile Leitsysteme wie in Rosenheim den weißen Stock führen, Blindenschrift an Handläufen den Weg zeigt, Türen sich automatisch öffnen, sobald sich ein Fahrgast ihnen nähert, Lautsprecher im Aufzug auf die angesteuerten Ebenen hinweisen.

Friedrich Gerlmaier, Beauftragter für Umwelt und Verkehr in der Bezirksgruppe Rosenheim des BBSB, kennt den Bahnhof mittlerweile wie seine Westentasche. Intensiv haben sich er und weitere Aktive der Bezirksgruppe, die 800 Sehbehinderte aus den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Miesbach, Traunstein, Altötting und Berchtesgadener Land vertritt, in den Umbau des Bahnhofs eingebracht. Während der noch nicht ganz abgeschlossenen Bauphase ist zur Freude von Gerlmaier dank "steter Gesprächsbereitschaft" des Leiters des Bahnhofsmanagements in Oberbayern, Helmut Zöpfel, immer wieder nachgebessert worden. Das Ergebnis ist nach Meinung der Bezirksgruppenvorsitzenden Brigitte Lindmeier "im Großen und Ganzen als gelungen" zu betrachten. Im Alltag der nächsten Monate müssten eventuell noch kleinere Schwachstellen beseitigt werden. Doch Blinde und Sehbehinderte, die sich im Rahmen eines Mobilitätstrainings intensiv mit dem neu gestalteten Bahnhof beschäftigen würden, könnten ihn durchaus in Zukunft auch ohne unterstützende Begleitung nutzen.

Wie, zeigte die Begehung, an der neben Bahnhofsmanager Zöpfel auch die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer und Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl sowie die Behindertenbeauftragte Christine Mayer teilnahmen.

Deutlich stellte sich bei der Begehung außerdem heraus: Allein mit der Bahn zu fahren ist und bleibt für Sehbehinderte - trotz moderner Leitsysteme - eine große Herausforderung. Auf Durchsagen etwa zu Gleisänderungen können sie oft nicht schnell genug reagieren. Im Gedränge fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Und der hohe Lärmpegel erschwert den Einsatz des wichtigsten Sinnesorganes: des Ohres.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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