Studiengebühren-Aus: Wer davon profitiert

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Deutschlands Universitäten sind die Hochburgen künftiger Besserverdiener.

München - Die Abschaffung der Studiengebühren dient der sozialen Gerechtigkeit, sagen die Befürworter des Volksbegehrens. Doch den größten finanziellen Nutzen von der Abschaffung haben in Summe nicht die Armen.

Deutschlands Universitäten sind die Hochburgen künftiger Besserverdiener. Und die Mehrheit der Studenten sind Kinder der heutigen Besserverdiener. Genau das wollen die Gegner der Studiengebühren ändern. Das Hauptargument des Bündnisses gegen die Beiträge lautet, dass der Zugang zur Bildung frei sein sollte und die Hürden für Studenten aus weniger wohlhabenden Familien abgebaut werden müssten. Doch bedeuten die Studiengebühren wirklich eine soziale Hürde? Und welche soziale Schicht zieht den größten Nutzen aus der Abschaffung der Gebühren?

Es gibt bisher keinen Beweis für eine abschreckende Wirkung der Studiengebühren. „Überhaupt nicht“, sagt Wolfgang Herrmann, der Präsident der Technischen Universität München. Seit Einführung der Beiträge im Jahr 2007 sei die soziale Herkunft der Studenten etwa gleich geblieben. „Wir wissen, dass sich das Sozialgefüge nicht zugunsten der Mittel- und Oberschicht verändert hat.“

Herrmanns Aussage wird bestätigt durch Daten, die das Bundesforschungsministerium und andere Organisationen im Laufe der Jahrzehnte gesammelt haben. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft argumentierte 2010, dass sich „kaum Belege für eine abschreckende Wirkung der Gebühren“ finden lassen.

Für Bayern hat das Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) inzwischen eine erstaunliche Feststellung veröffentlicht: Der Anteil der Studenten „niedriger“ sozialer Herkunft fiel nach der Einführung der Studiengebühren keineswegs - sondern stieg von 12,2 Prozent im Jahr 2006 auf 12,7 Prozent im Jahr 2009. Der Anteil der Studenten „hoher“ sozialer Herkunft dagegen sank von 41,4 auf 37 Prozent. Quelle dieser Daten ist nicht die Wirtschaftslobby, sondern das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung.

Soziale Schere hat sich vergrößert

Die soziale Schere an den Hochschulen hat sich in den vergangenen 30 Jahren ganz offensichtlich vergrößert. Der Anteil der Studenten „niederer“ sozialer Herkunft ist in den vergangenen dreißig Jahren bundesweit stark gesunken - von 23 Prozent im Jahr 1982 auf 13 Prozent im Jahr 2006. Der Tiefpunkt war aber bereits vor der Einführung der Studiengebühren erreicht. Diese Zahlen wurden 2010 vom Bundesforschungsministerium veröffentlicht.

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Und wer profitiert nun von der Abschaffung der Studiengebühren? Eine genaue Berechnung gibt es nicht. Doch lässt sich das Verhältnis abschätzen, welche gesellschaftliche Gruppe am stärksten entlastet wird. Laut DIW waren in Bayern im Jahr 2012 61 Prozent der Studenten „gehobener“ oder „hoher“ sozialer Herkunft - die vornehme Formulierung für Kinder von Besser- und Vielverdienern.

Das bedeutet, dass diese auch die Mehrheit der Studiengebühren bezahlen - und nun dementsprechend stark entlastet werden. Bei 180 Millionen Euro Einnahmen aus den Studiengebühren entsprechen 60 Prozent einer Summe von 108 Millionen Euro. Da Studenten aus ärmeren Familien mit 12,7 Prozent nach wie vor stark unterrepräsentiert sind, entfiele auf sie auch nur eine weit geringere Entlastung von knapp 23 Millionen.

Die tatsächlichen Zahlen weichen von dieser Schätzung ab, weil ein Drittel der Studenten in Bayern ohnehin aus sozialen Gründen von den Gebühren befreit ist. Doch das ändert nichts am grundsätzlichen Trend. Für eine alleinerziehende Mutter oder einen arbeitslosen Vater sind tausend Euro Studiengebühren im Jahr natürlich eine sehr viel höhere Belastung als für eine reiche Familie. Aber in der Summe profitieren Wohlhabende von der Abschaffung der Studiengebühren mehr als Arme.

dpa

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