Prozess: Geldautomaten im Visier

Rosenheim - Wieder einmal hatten die Schleierfahnder der Polizei den „richtigen Riecher“ gehabt, als sie im Oktober ein aus Richtung Kufstein kommendes Auto mit bulgarischem Kennzeichen kontrollierten.

Im Kofferraum fanden sie eine Ausrüstung vor, mit der Geldausgabeautomaten manipuliert werden konnten.

Die Gerätschaft bestand aus zwei Kartenauslesern zum Anbringen an Geldautomaten sowie dazugehörigen, umgebauten USB-Anschlüssen. Auch einen Laptop hatte der Bulgare dabei. Die Geräte dienen dazu, die Daten von Kunden-Zahlungskarten heimlich auszuspähen und zu speichern. Die so erworbenen Kundeninformationen von den echten Zahlungskarten können via E-Mail an die Hintermänner gesendet werden, um dort falsche Zahlungskarten zu erstellen und mit diesen Geld abzuheben.

Dem Angeklagten waren von seinen unbekannten Auftraggebern für den Transport der Ausrüstung nach Deutschland 600 Euro Vorschuss bezahlt worden. Bei der Übergabe der Geräte in Deutschland sollten ihm weitere 1000 Euro ausgehändigt werden. Der Empfänger war dem Angeklagten zum Zeitpunkt der Festnahme nicht bekannt. Seit Oktober saß nun der Angeklagte in Untersuchungshaft in München-Stadelheim.

Bulgare wollte Geldausgabe-Automaten ausspähen

Der geständige, bisher weder in seinem Heimatland noch in Deutschland straffällig gewordene Angeklagte konnte als "Prototyp des technisch versierten Täters" bezeichnet werden, der wegen einer finanziellen Notlage in die Fänge international operierender Fälscher- und Schmugglerbanden gerät. Nach Abschluss der Mittleren Reife absolvierte der 39-jährige verheiratete Vater von zwei Kindern eine Lehre als Hydraulikmechaniker.

Doch die wirtschaftliche Misere in Bulgarien machte ihn alsbald arbeitslos. Als Bauarbeiter konnte er eine Zeit lang diese Phase überwinden und schaffte es sogar, eine eigene Baufirma zu gründen. Doch die Firma ging pleite. Als die nicht näher bekannten Hintermänner ihn überredeten, die dubiosen Geräte nach Deutschland zu bringen, willigte er ein. Seine Behauptung, dass er nichts vom Verwendungszweck seiner Fracht gewusst habe, nahm ihm das Gericht allerdings nicht ab.

Vorsitzender Richter Heinrich Loeber stellte eindeutig klar, dass "unser gesamtes Geld- und Wirtschaftssytem nur dann Bestand haben kann, wenn das Vertrauen in dieses unbedingt gerechtfertigt ist und der Gesetzgeber alle dafür erforderlichen Sicherheiten garantiert".

Die Fälschung oder die Vorbereitung von inländischen Zahlungskarten mit Garantiefunktion ist nach Paragraph 149 Strafgesetzbuch ein Verbrechen und wird entsprechend hart geahndet.

Aufgrund des vollständigen Geständnisses des Angeklagten, seiner Einsicht sowie der Tatsache, dass er bisher nicht straffällig geworden war, seiner Notlage, der langen Untersuchungshaft, und, weil er noch keinen Schaden angerichtet hatte, verurteile ihn das Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Die Freiheitsstrafe wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Von einer Geldstrafe sah das Gericht ab, denn der Ausfall als "Geld verdienender Familienvater" sei ohnehin hart genug für den Verurteilten und dessen Familie. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und der Bulgare konnte die Heimreise zu seiner Familie antreten.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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