Zugunglück bei Bad Aibling

War das Notruf-System zu kompliziert?

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Traunstein/Bad Aibling - Am Montag wurde der Prozess wegen des Zugunglückes in Bad Aibling fortgesetzt. Wesentlicher Bestandteil waren auch die Verhältnisse im Stellwerk Bad Aibling am Unglückstag.

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Das Stellwerk war direkt nach dem Unglück von der Polizei erstmals durchsucht worden. Zu den dortigen Verhältnissen wurde der 27-jährige Fahrdienstleiter, der am Montag als zweiter Zeuge aussagte, vor Gericht befragt. Dieser ist seit Juli 2015 regelmäßig dort tätig.

Die Kreuzungen der Züge werden abwechselnd in Bad Aibling und in Kolbermoor getätigt, da das vom Fahrplan her so vorgesehen sei. Die Züge fahren in halbstündiger Taktung. Eine Kreuzungsverlegung komme schon das eine oder andere Mal vor, gemessen an der Masse der Kreuzungen jedoch eher selten. Als Fahrdienstleiter müsse man auch Verspätungen hinnehmen. "Sicherheit geht vor", erklärte der Zeuge.

Wie setzt man einen Notruf ab?

Auf die Frage hin, wie ein Notruf abgesetzt werde, erklärt der Zeuge: "Man muss den Notrufknopf drücken und dann gleichzeitig den anderen Knopf für die Zugführer betätigen." Anhand des am Unglückstag abgesetzten Notrufes habe er erkannt, wer den Notruf absetzte. Dem Zeugen sei jedoch nicht klar gewesen, dass nur die Fahrdienstleiter diesen Notruf gehört haben, nicht aber die Lokführer. "Die Notrufe kommen immer auch beim Fahrdienstleiter an. Wenn ein Notruf nicht beantwortet wird, muss man nach etwa 30 Sekunden einen weiteren Notruf absetzen."

Notrufe könnten mit einen Hörer abgesetzt werden und über ein Mikrofon. Es habe ein Softwareupdate gegeben, da es anscheinend Probleme gegeben habe. Das Notrufsignal für die Lokführer komme auf allen Zügen im Einzugsbereich an, schilderte der Zeuge. Wenn die Triebfahrzeugführer ein Notrufsignal hören, gebe es Vorschriften, dass sie herunter bremsen müssen. Wie genau die Lokführer da reagieren müssten, konnte der Zeuge jedoch nicht sagen.

Luftaufnahmen vom Zugunglück

Notrufsystem zu kompliziert?

Er beschrieb das Notrufsystem eher als kompliziert. "Ich persönlich finde, dass es eine einfachere Lösung geben sollte. Eine Verwechslungsgefahr ist gegeben. Ich weiß auch nicht, warum es überhaupt zwei Tasten gibt. Wir Fahrdienstleiter setzen die Notrufe in der Regel ja nicht ab, wir empfangen sie nur."

Das Gericht wollte wissen, ob es in der Vergangenheit schon Probleme am Stellwerk Bad Aibling gegeben habe. Der Zeuge wisse davon nichts. Auch der Begriff "Phantomstörung" sage ihm nichts.

Fotos vom Stellwerk Bad Aibling

Wie und wie oft werden Sondersignale gesetzt?

Anschließend ging es um das Setzen von Sondersignalen. Eine Fahrstraße könne jederzeit geändert werden, solange der Zug sich noch vor dem Signal befinde, so der Zeuge. Zu der Anzahl, wie oft man ein Sondersignal setze, könne er nichts genaues sagen: "Es kommt schon mal vor." Es gebe auch mehrere Gründe dafür. Wenn man es setzt, müsse man sich in einer sogenannten "Einzelräumungsprüfung" davon überzeugen, ob die Strecke frei sei. Auch telefonisch könne man sich davon überzeugen.

Dem Zeugen sei auch nicht bekannt, ob der Angeklagte mit dem Handy gespielt habe, auch sonst habe es keine privaten Berührungspunkte zwischen den beiden gegeben.

mw/jb

Quelle: rosenheim24.de

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