Prozess um Zugunglück von Bad Aibling

Das sagte der Vertreter der Handyspiel-Firma aus

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Kurz vor Prozessbeginn am vierten Verhandlungstag berät sich Angeklagter Michael P. mit seiner Rechtsanwältin Ulrike Thole und Rechtsanwalt Thilo Pfordte.
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Bad Aibling/Traunstein - Am Montag wurde die Verhandlung gegen den 40-jährigen Fahrdienstleiter des Zugunglücks von Bad Aibling weiter fortgesetzt. Mit Spannung wurde die Aussage des Vertreters der Handyspielfirma erwartet:

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Mit Spannung wurde beim Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling die Aussage des Vertreters der Handspielfirma erwartet.

Der 36-jährige Manager ist mit einer Übersetzerin angereist, die seine Angaben aus dem Rumänischen übersetzt. Er sei für den ordnungsgemäßen Betrieb des Online-Spiels in der Firma zuständig. Auch bei Kunden-Beschwerden werde er aktiv. So auch bei dem Spiel "Dungeon Hunter 5", das Spiel, das auch auf dem Handy des angeklagten Fahrdienstleiters während des Zugunglücks lief.

"Man sammelt Waffen, muss Missionen erfüllen"

"Solang man Internet hat, kann man das überall spielen," so der Zeuge. Auf Nachfrage des Richters erklärt der Zeuge kurz, worum es bei dem Spiel seiner Firma geht: "Man sammelt Waffen, muss Missionen erfüllen, die Personen im Spiel schlagen sich. Das Ziel des Spiels ist immer stärker zu werden." Die Steuerung des Avatars, des Vertreters des Spielers in der virtuellen Welt, erfolge direkt auf dem Telefon.

Neben Einzelspieler, gebe es auch einen kooperativen Spiel-Modus, zusammen mit anderen Spielern im Internet. "Wie aktiv muss ich dabei sein, ohne dass ich Gefahr laufe, dass ich von einem anderen Mitspieler getötet werde?" will Richter Erich Fuchs wissen. Im Einzelspieler-Modus gebe es die Möglichkeit zu pausieren, so der Vertreter der Spiele-Firma. Im Multiplayer sei er sich da nicht sicher, die Funktionsweise des Spiels sei nicht sein Fachgebiet, so der 36-jährige Rumäne weiter. Er sei eher für den technischen Support zuständig, nicht für Inhalte.

Auf Nachfrage des leitenden Oberstaatsanwalts Jürgen Branz bestätigte der Zeuge, dass er über die sogenannte MAC-Adresse umfangreiche Angaben zum Login im Spiel machen könne. Im Vorfeld der Verhandlung wurde der Firma von der Rosenheimer Kriminalpolizei eine dieser Nummernfolgen mitgeteilt. Man habe eine Tabelle mit Daten sodann zu Ermittlungszwecken weitergeleitet. In der Tabelle seien Zeiten angegebene gewesen, zu denen das Gerät mit der individuellen MAC-Adresse auf den Servern in Canada eingeloggt war. Das Gerät sei das Mobiltelefon des Angeklagten gewesen.

Fahrdienstleiter am Unglückstag mehrmals im Dialog mit anderen Spielern

Ob am Tag des Unfalls vom Handy des Angeklagten im Mehrspieler-Modus gespielt worden sei, könne der Zeuge jetzt, ohne die Unterlagen vorliegen zu haben, nicht mehr mit Genauigkeit sagen. Zusammen mit dem leitenden Oberstaatsanwalt Branz nimmt der Zeuge daher die Liste auf einem PC in Augenschein, die er der Kripo zukommen ließ. Am 9. Februar habe zu drei Zeiten eine Interaktion in der Chat-Funktion des Spiels stattgefunden. Zudem könne aus der Liste gelesen werden, dass der Angeklagte über einen längeren Zeitraum im Spiel aktiv gewesen sei.

Den Aufzeichnungen nach befand sich der Angeklagte um 4.09 Uhr, 4.12 Uhr und um 5.34 Uhr nach GMT (Greenwich Mean Time) im Chat des Spiels. Das bedeutet, dass sich der 40-Jährige nach deutscher Zeit um 5.09 Uhr, 5.12 Uhr und um 6.34 Uhr im Dialog mit anderen Spielern befand.

"Man kann nur gewisse Dinge nachvollziehen, was er im Spiel wirklich gemacht hat", so der Zeuge auf Nachfrage von Verteidigerin Ulrike Thole. Lediglich die Start- und Endzeiten der Missionen und gewisse Interaktionen, wie der Kauf von Ausstattung im Spiel, würden aufgezeichnet. Alle Aktionen seien der Polizei bereits in Form von Listen mitgeteilt worden, so der Programmierer abschließend.

"In der Zeugenvernehmung ging es auch um eine Gilde namens 'Golden Wings'", so Nebenkläger-Rechtsanwalt Dürr zum Zeugen. Er will wissen, ob der Angeklagte in eben dieser Gilde aktiv war, und wie dessen Nick-Name sei. "Das weiß ich nicht", antwortet der Zeuge der Spiele-Firma wiederholt.

Zuletzt nehmen alle Prozessbeteiligten noch das Spiel selbst in Augenschein. Sie lassen sich "Dungeon Hunter 5" auf dem Smartphone des Zeugen vorführen. Es gebe leichte Unterschiede in der Bedienung und dem Layout, je nachdem welches Telefon verwendet wird, so der Zeuge.

sl/mh

Quelle: rosenheim24.de

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