Soll-Ist-Vergleich der Handlungen des Fahrdienstleiters

Experte: "Nach jedem Schritt hätte man merken müssen, dass etwas nicht passt"

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Bad Aibling/Traunstein - Am dritten Prozesstag sagte auch der Leiter des Untersuchungsbezirkes Südost der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) aus. Er erklärte anhand einer PowerPoint-Präsentation, was der Fahrdienstleiter hätte tun sollen und was er stattdessen tatsächlich getan hat:

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Der erste Fehler sei nach Aussage des Experten um 6.40 Uhr passiert: Der Fahrdienstleiter wich vom Fahrplan für die Zugmeldestelle ab. (Vorgegeben war Gleis 1, Michael P. ging aber irrtümlich von einer Kreuzung in Aibling aus, weswegen er die Einfahrt auf Gleis zwei änderte.)

Am Ereignistag habe nach Aussage des Zeugen der tabellarische Fahrplan im Stellwerk nicht aufgelegen. Dieser wird vom Experten nun gezeigt und erläutert. Der zweite Fahrplan, der sogenannte Bildfahrplan sei für die Kreuzungen optimal, für die Gleisbelegung brauche man jedoch den tabellarischen Fahrplan. Im Bildfahrplan könne man sich schwer in der Zeile vertun, eher in der Spalte. „Auf dem tabellarischen Fahrplan hätte er zwei Zeilen nach unten verrutschen müssen“, erläuterte der Experte.

Experte: Die Freigabe für die Ausfahrt des Zuges aus Kolbermoor erfolgte zu früh

Im Bahnhof Kolbermoor soll der Fahrdienstleiter dann erst die Einfahrt und anschließend die Ausfahrt gestellt haben. Er soll also von der planmäßigen Reihenfolge abgewichen sein. Dies sei aber noch kein Sicherheitsrisiko gewesen sein, weswegen es das Stellwerk zugelassen habe. „Die Ausfahrt Zugstraße hätte er nicht stellen dürfen, nur die Einfahrt Zugstraße“, so der Zeuge. Ohne eine aktive 2-Tasten-Bedienung komme keine Ausfahrt aus Kolbermoor zu Stande. Dies müsse nach Darlegung des Experten vor 6.38 Uhr erfolgt sein. Die Freigabe der Ausfahrt erfolgte also zu früh, da der Zug bis 6.45 Uhr Aufenthalt in Kolbermoor hatte.

Die Ausfahrt von Bad Aibling habe er wegen der Freigabe der Ausfahrt des Zuges in Kolbermoor nicht stellen können. Er hätte auf Ursachenforschung gehen müssen, warum er die Ausfahrt aus Bad Aibling nicht stellen konnte. Der Zeuge gehe davon aus, dass er die Ursache also nicht gekannt habe. Er sei von einer Störung ausgegangen, weswegen er das Ersatzsignal Zs 1 gegeben habe. Dafür hätte er sich jedoch davon überzeugen müssen, dass die Strecke frei sei.

Experte: Der Fahrdienstleiter habe also gegen die Grundsätze verstoßen

„Hätte es zwei Fahrdienstleiter, einen in Kolbermoor und einen in Bad Aibling gegeben, hätten die Fahrdienstleiter miteinander kommunizieren müssen.“ Der Experte sei sich nach eigener Aussage sicher: „Hätte der Fdl in Kolbermoor Merkhinweise und Sperre angebracht, dann hätte er sicher die Fahrstellung des Ausfahrsignals P 202 in Kolbermoor bemerkt.“

Der Zeuge geht nun auf die Bedingungen, die der Fahrdienstleiter betrieblich durcharbeiten muss, um Ersatzsignal geben zu dürfen ein. Demnach müsse er eine Räumungsprüfung durchführen. Es ist aber keine Einzelräumungsprüfung dokumentiert. Michael P. habe die Räumungsprüfung durch zwei Blockabschnittsprüfungen ersetzt. Dies sei unzulässig. Eine Dokumentation der Blockabschnittsprüfung habe sich in den zu führenden Unterlagen des Fahrdienstleiter ebenfalls nicht gefunden.

„Hätte der Angeklagte alle Vorprüfungen für das Geben des Zs 1 Signals durchgeführt, hätte er bei jedem Schritt gemerkt, dass da etwas nicht stimmt.“ Der Fahrdienstleiter habe also gegen die Grundsätze verstoßen.

jb/mh

Quelle: rosenheim24.de

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