Live-Ticker zum Nachlesen: Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling

Experte der Spielefirma: Fahrdienstleiter chattete kurz vor dem Unglück

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Angeklagter Michael P. berät sich vor dem vierten Prozesstag mit seiner Rechtsanwältin Ulrike Thole und Rechtsanwalt Thilo Pfordte.
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Bad Aibling/Traunstein - Am Montag wird die Verhandlung gegen den 40-jährigen Fahrdienstleiter des Zugunglücks von Bad Aibling weiter fortgesetzt. Wir berichten wieder live aus dem Gerichtssaal:

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Die Fakten des Prozesses um das Zugunglück Bad Aibling soweit im Überblick:

  • Der Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar 2016 war eines der schwersten Bahnunglücke der deutschen Nachkriegsgeschichte.
  • Der 40-jährige Fahrdienstleiter muss sich wegen fahrlässiger Tötung in 12 Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
  • Der Angeklagte Michael P. ließ am ersten Prozesstag ein Geständnis durch seine Rechtsanwälte verlesen. Er räumte ein, das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gespielt, die Signale falsch gesetzt und auch den Notruf falsch abgesetzt zu haben - dies führte zum fatalen Zugunglück Bad Aibling.
  • Eines der Kernergebnisse der Kripo-Ermittlungen: Der Fahrdienstleiter spielte in fast jedem Dienst stundenlang auf seinem Smartphone.
  • "Die Kacke ist jetzt richtig am Dampfen", dies sagte Michael P. dem Fahrdienstleiter von Bruckmühl am Telefon
  • Gutachter zur Funknetz-Analyse: "Es kam in keinem Bereich zu einem Funkloch"
  • Prüfungen des Eisenbahnbundesamtes ergaben: Keine technischen Mängel gefunden
  • Sachverständiger zählt mehrere Fehler des Angeklagten auf: "Nach jedem Schritt hätte man merken müssen, dass etwas nicht passt"
  • Gutachter des EUB übte Kritik an Deutscher Bahn: Bestimmungen teilweise unklar; fehlende, veraltete Technik
  • Insgesamt sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich am 5. Dezember verkündet werden.

++ Der Prozess wird am Donnerstag, den 01. Dezember fortgesetzt. Es sollen dann die Aussagen des IT-Fachmanns und des Neuropsychologen nachgeholt werden. Ab 9 Uhr berichten wir wieder LIVE aus dem Gerichtssaal! ++

Der Live-Ticker vom vierten Prozesstag um das Zugunglück von Bad Aibling zum Nachlesen:

14.59 Uhr: Die Lösung des Problems könne, laut des Gutachters, aber kein zusätzliches System sein. Vielmehr müsse den Bedienern klar gemacht werden, welche Verantwortung sie hier tragen. "Sie müssen die Strecke vor dem Zug mindestens einen Kilometer frei halten", auch deshalb könnten im Fall der Eisenbahn nur sehr begrenzt Frühwarnsysteme zum Einsatz kommen. Richter Erich Fuchs entließ den Sachverständigen anschließend aus dem Zeugenstand. Auch die Hauptverhandlung wurde nach der Aussage unterbrochen.

Experte: Unglück von Bad Aibling hätte vermieden werden können

14.55 Uhr: Gegen Ende der Aussage des Sachverständigen stellte Vorsitzender Richter Erich Fuchs erneut die Frage, ob zusätzliche Sicherungssysteme existieren, die eine Kollision verhindern können. "Ich habe von Versuchen bei der Eisenbahn im Harz gelesen. Ich halte das aber nur für eine Hilfskonstruktion für die, die keine Sicherheitssysteme haben." Und weiter: "Es ist ein sicheres System. Aber es treten Störungen auf. Und nur dann wird die volle Verantwortung auf den Menschen verlagert."

14.45 Uhr: Zusammenfassend sei also zu erkennen, so der leitende Oberstaatsanwalt Branz, dass der Stelltisch des Fahrdienstleiters schon rund dreieinhalb Minuten lang die freie Fahrt des Zuges aus Rosenheim im Kolbermoorer Bahnhof angezeigt hatte. Und zwar in dem Moment als der Angeklagte dem entgegenkommenden Zug aus Bruckmühl das Sondersignal "ZS1" gab. "In diesem Fall haben beide Triebfahrzeugführer mit nichts Bösem gerechnet. (...) Es passiert etwas, was eigentlich nicht passieren kann", so Will weiter. Daraus ergebe sich auch eine leichte Abweichung beim Einleiten der jeweiligen Notbremsung.

14.35 Uhr: Erst um 6.45 Uhr müsse auch die Anzeige beim Fahrdienstleiter dargestellt haben, dass die Zugstrecke bereits belegt war. Auf Nachfrage des Gerichts bestätigte Will, dass aber auch eine Rücknahme des "ZS1"-Signals keinerlei Auswirkung auf die Situation gehabt hätte, die Züge hätten den Weg weiter fortgesetzt. "Er muss damit rechnen, dass die Züge bei der Abfahrtszeit losfahren", so Martin Will; der Beginn der Fehlerkette sei also schon früher anzusiedeln.

Angeklagter Michael P. berät sich am vierten Prozesstag mit seiner Rechtsanwältin Ulrike Thole und Rechtsanwalt Thilo Pfordte.

14.20 Uhr: Um 6.43 Uhr fuhr der erste Zug dann aus dem Bahnhof in Bad Aibling Richtung Kolbermoor ab, so Gutachter Martin Will. Um 6.45 Uhr kam er im Kurpark an, die Haltezeit betrug 18 Sekunden, danach Weiterfahrt nach Kolbermoor. Die Schnellbremsung des Zuges sei dann rund zwei bis drei Sekunden vor dem Aufprall erfolgt. Beim Gegenzug aus Rosenheim ergebe sich folgender Zeitablauf: Die Einfahrt im Bahnhof Kolbermoor fand um 6.40 Uhr statt. Dort stand der Zug dann fünf Minuten, bis er planmäßig weiter fuhr. Die Ausfahrt aus dem Bahnhof Kolbermoor erfolgte um 6.45 Uhr. Er sei an einem Punkt auf der Strecke von einem Magneten mit 1.000 Hertz beeinflusst worden; ein technisches Merkmal, dass sich bei einem entgegenkommenden Zug auch nicht ausschalten lässt, so der unabhängige Gutachter. Eine Verzögerung, die die Kollision aber nicht mehr verhindern konnte.

Experte: Bremsweg hätte ausgereicht, um Kollision zu verhindern

14.10 Uhr: Aus weiteren Berechnung ergäben sich nun die Zeiten, wie lange die Zuginsassen das "ZS1"-Signal am Bahnhof in Bad Aibling sehen konnten. "Zwischen 3 und 5 Sekunden leuchtete das Signal und hätte auch von den Zugreienden wahrgenommen werde," so der Sachverständige weiter. "Wenn der erste Notruf richtig an die Triebfahrzeugführer gegangen worden wäre, hätte das Unglück vermieden werden können", ergänzt Will. 10 Sekunden nach dem ersten Notruf seien die beiden Züge noch knapp 900 Meter voneinander entfernt gewesen. Die Entfernung hätte ausgereicht, beide Züge noch vor einer Kollision bis zum Stand abzubremsen; damit bestätigte er seine Aussage vom dritten Verhandlungstag.

14.03 Uhr: "Die Abmeldung bzw. Annahme der beiden Züge seitens des Fahrdienstleiters ist also beinahe zeitgleich um 6.29 Uhr erfolgt", ergänzt Vorsitzender Richter Erich Fuchs, der die Daten aus den Fernschreibern und Zugbüchern mit den Ausführungen des Sachverständigen vergleicht. Sowohl Martin Will als auch Rüdiger Muschweck stimmen zu.

Chronologie der Ereignisse: Das geschah in den Stunden und Tagen nach dem Zugunglück

13.55 Uhr: "Ich habe noch Ergänzungen eingetragen und einen Zeitstrahl aufgestellt", steigt der Sachverständige in seine Betrachtungen ein. Zunächst stellt er die jetzt zusätzlichen Punkte vor. "Wann wurden welche Signale vom Zug von Rosenheim nach Kolbermoor gestellt? (...) Spätestens um 6.39 Uhr hatte der Fahrdienstleiter die Einfahrt nach Kolbermoor gestellt", so der Sachverständige. Frühestens hätte die Ausfahrt somit um 6.21 Uhr freigegeben werden können. Der Gegenzug, von Heufeld nach Bad Aibling, hätte spätestens 6.40 Uhr und frühestens um 6.16 Uhr freigegeben werden können.

13.42 Uhr: Sachverständiger Martin Will stellt den zeitlichen Ablauf des tragischen Zugunglücks von Bad Aibling nun erneut dar.

Pläne und Fotos aus Stellwerk hängen im Gerichtssaal

13.39 Uhr: Die Hauptverhandlung wurde nach einer rund einstündigen Mittagspause fortgesetzt. Martin Will, unabhängiger Sachverständiger für Schienenfahrzeuge aus Stuttgart, wurde dabei erneut für Ergänzungsfragen des Gerichts in den Zeugenstand gerufen. Der Fachmann wurde bereits vor einer Woche als Zeuge vernommen.

13.35 Uhr: Zu Beginn des zweiten Prozesshälfte am 4. Verhandlungstag teilt Vorsitzender Richter Erich Fuchs mit, dass die A ussagen der Zeugen und Geschädigten des Unglücks im Selbstleseverfahren erfolgen. Es handelt sich um 89 Personen, die bei dem tragischen Zugunglück Bad Aibling teils schwer verletzt wurden. "Wir können so viele Menschen nicht einzeln vorladen. Zum Schutz der Opfer ist diese Maßnahme sehr sinnvoll", so Fuchs.

++ Die Verhandlung ist jetzt für die Mittagspause unterbrochen. Um 13.30 Uhr geht es voraussichtlich weiter. Dann soll erneut der zeitliche Ablauf des tragischen Unglücks untersucht werden ++

Zeuge kritisiert DB-Regelwerk: "Das ist nicht ordentlich vorgegeben"

Zeuge kritisiert DB-Regelwerk: "Eben diese Erlaubnisfelder fehlen aber auf dieser Strecke"

12.25 Uhr: Der Fall von Bad Aibling sei mit bereits vergangenen Unglücken nicht vergleichbar, so der Zeuge weiter. "Gibt es denn externe Sicherungssysteme, die unabhängig vom falschen Verhalten eine Fahrdienstleiters reagieren können?" so die letzte Frage des Vorsitzenden Richters Erich Fuchs. "Auf Nebenbahnbetrieben gibt es zusätzliche Sicherungssysteme. (...) Das ist aber nicht mit einer Situation, wie wir sie hier haben, vergleichbar. Soetwas gibt es bei Hauptbahnbetrieben nicht", so Rüdiger Muschweck abschließend. "Sie müssen ihr Geschäft einfach ordentlich beherrschen, das ist gar keine Frage," ergänzt der Sachverständige auf die Nachfrage der Nebenklage, inwiefern die Bedienung der Systeme die Aufmerksamkeit fordere.

13.15 Uhr: "Ich dachte es handelt sich hier um eine Phantom-Störung", gab der Angeklagte in seiner Vernehmung bei der Polizei an, nachdem sich eine Einstellung nicht habe ändern lassen. Dem Gutachter sei diese Begrifflichkeit zuvor noch nie begegnet. "Es muss sich so zugetragen haben, wie wir rekonstruiert haben. Ansonsten würden uns noch weitere Zählwerk-Stände fehlen," entgegnet der Sachverständige Rüdiger Muschweck. Für die Zukunft erteilt der Fachmann zudem neue Sicherheitsempfehlungen. Die genaue Ausarbeitung sei aber noch nicht abgeschlossen. Zusammen mit dem Eisenbahnbundesamt sollen diese Hinweise an die Betreiber herausgegeben werden.

Grafik des Handyspiels "Dungeon Hunter 5"

12.05 Uhr: "Der letzte gefahrene Zug ging von Bad Aibling nach Rosenheim. Für den kann ich keine Einzelräumungsprüfung mehr durchführen. (...) Ich brauche eine Prüfung erst durchführen, wenn der Zug von Rosenheim in Bad Aibling angekommen ist", so der Sachverständige des Untersuchungsausschusses weiter. Das habe aber vor dem Unfall nicht stattgefunden. Einzelräumungsprüfung bedeute dabei lediglich, dass die Strecke frei sei. Nur dann dürfe das Ersatzsignal "ZS1" gegeben werden. "Es dreht sich immer um den selben Punkt. Nämlich, dass er dem einen Zug bereits grün gegeben hatte", erkannte Richter Erich Fuchs.

11.55 Uhr: Zudem sei ein gewisser Streckenabschnitt wohl nicht richtig verschaltet gewesen. Mit Betätigen der Prüftaste aus der einen Richtung könne nicht der gesamte Fahrtbereich eingesehen werden. Diese Maßnahme könne nur aus der Gegenrichtung erfolgen. "Da sind wir wieder beim Grundproblem. Wir sind uns hier ja nicht einmal sicher, was wir hier für ein System haben", gibt der Sachverständige zu bedenken.

11.45 Uhr: Vorsitzender Richter Erich Fuchs lässt sich erneut die Funktionsweise des Blocksignals erklärten, obwohl das System auf der Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor nicht installiert ist. Welche Signallampen zu welcher Zeit leuchten, ließen den Fahrdienstleiter normalerweise erkennen, ob die Strecke frei ist. "Eben diese Erlaubnisfelder fehlen aber auf dieser Strecke. (...) Einen Zentralblock gibt es eigentlich nicht ohne dieses System", so der Sachverständige.

11.35 Uhr: "Er hatte die technischen Vorgaben, was er machen müsste, aber er hat das Ersatzsignal gegeben. Somit hat er die anderen Regelungen überstimmt", so der Sachverständige zusammenfassend. Weiter erkenne der Zeuge widersprüchliche Angaben in der dienstlichen Beschreibung des Streckenabschnitts, die als Arbeitsgrundlage für den Fahrdienstleiter vorgesehen sei. "Das ist nicht ordentlich vorgegeben, nicht so wie es sein müsste." Man stehe seit langer Zeit im Dialog mit der DB-Netz AG um diese Frage abschließend zu klären, zu einem Schluss sei man aber noch nicht gekommen.

Bei dem tragischen Zugunglück von Bad Aibling kamen 12 Menschen ums Leben, 89 wurden teils schwer verletzt.

11.25 Uhr: "Zwischen Heufeld - Bad Aibling und Bad Aibling - Kolbermoor haben wir eine Sonderform bei der Streckenführung", so der Sachverständige. Es handle sich nicht um einen Zentralblock, sondern um eine Blocksicherung mit Fahrstraßen. Eine Modernisierung, obwohl das System bereits in die Jahre gekommen sei, habe nicht stattgefunden. Warum könne er jedoch nicht beantworten. "Wenn der Fahrdienstleiter die Fahrtrichtung wechseln will, muss er ein spezielles Signal geben," so der Zeuge auf Nachfrage des Gerichts.

11.19 Uhr: Jetzt wird nochmals ein Zeuge zum Thema Blocksystem auf der Strecke und dem Aiblinger Stellwerk aussagen. Rüdiger Muschweck, Sachverständiger vom Eisenbahn-Untersuchungsausschuss (EUB), wurde bereits am letzten Montag gehört.

11.15 Uhr: Die Hauptverhandlung wird fortgesetzt. Richter Erich Fuchs gibt bekannt, dass am Donnerstag die restlichen Gutachter gehört werden sollen. Am Freitag könnten dann bereits die Plädoyers gehalten werden. Ob ein Urteil dann bereits am Montag fallen könnte, oder zu diesem Zweck noch ein Zusatztermin angesetzt werden muss, ließ der Vorsitzende Richter noch offen.

++ Die Verhandlung ist für eine kurze Pause unterbrochen ++

Zeuge: Fahrdienstleiter chattete am Unglückstag mehrmals mit anderen Spielern

10.55 Uhr: Zuletzt nehmen alle Prozessbeteiligten noch das Spiel selbst in Augenschein. Sie lassen sich "Dungeon Hunter 5" auf dem Smartphone des Zeugen vorführen. Es gebe leichte Unterschiede in der Bedienung und dem Layout, je nachdem welches Telefon verwendet wird, so der Zeuge.

10.45 Uhr: "In der Zeugenvernehmung ging es auch um eine Gilde namens 'Golden Wings'", so Nebenkläger-Rechtsanwalt Dürr zum Zeugen. Er will wissen, ob der Angeklagte in eben dieser Gilde aktiv war, und wie dessen Nick-Name sei. "Das weiß ich nicht", antwortet der Zeuge der Spiele-Firma wiederholt.

Zusammenfassung: Das sagte der Vertreter der Handy-Firma aus

10.40 Uhr: "Man kann nur gewisse Dinge nachvollziehen, was er im Spiel wirklich gemacht hat", so der Zeuge auf Nachfrage von Verteidigerin Ulrike Thole. Lediglich die Start- und Endzeiten der Missionen und gewisse Interaktionen, wie der Kauf von Ausstattung im Spiel, würden aufgezeichnet. Nicht aber das komplette Spielverhalten. Alle Aktionen seien der Polizei bereits in Form von Listen mitgeteilt worden, so der Programmierer abschließend.

10.30 Uhr: Den Aufzeichnungen nach befand sich der Angeklagte um 4.09 Uhr, 4.12 Uhr und um 5.34 Uhr nach GMT (Greenwich Mean Time) im Chat des Spiels. Das bedeutet, dass sich der 40-Jährige nach deutscher Zeit um 5.09 Uhr, 5.12 Uhr und um 6.34 Uhr im Dialog mit anderen Spielern befand.

10.20 Uhr: Ob am Tag des Unfalls vom Handy des Angeklagten im Mehrspieler-Modus gespielt worden sei, könne der Zeuge jetzt, ohne die Unterlagen vorliegen zu haben, nicht mehr mit Genauigkeit sagen. Zusammen mit dem leitenden Oberstaatsanwalt Branz nimmt der Zeuge daher die Liste auf einem PC in Augenschein, die er der Kripo zukommen ließ. Am 9. Februar habe zu drei Zeiten eine Interaktion in der Chat-Funktion des Spiels stattgefunden. Zudem könne aus der Liste gelesen werden, dass der Angeklagte über einen längeren Zeitraum im Spiel aktiv gewesen sei.

"Man sammelt Waffen, muss Missionen erfüllen und andere Spieler schlagen"

Die Ermittlungen nach dem tragischen Zugunglück von Bad Aibling füllt zahlreiche Ordner der Staatsanwaltschaft.

10.10 Uhr: Auf Nachfrage des leitenden Oberstaatsanwalts Jürgen Branz bestätigte der Zeuge, dass er über die sogenannte MAC-Adresse umfangreiche Angaben zum Login im Spiel machen könne. Im Vorfeld der Verhandlung wurde der Firma von der Rosenheimer Kriminalpolizei eine dieser Nummernfolgen mitgeteilt. Man habe eine Tabelle mit Daten sodann zu Ermittlungszwecken weitergeleitet. In der Tabelle seien Zeiten angegebene gewesen, zu denen das Gerät mit der individuellen MAC-Adresse auf den Servern in Canada eingeloggt war. Das Gerät sei das Mobiltelefon des Angeklagten gewesen.

10.05 Uhr: Neben Einzelspieler, gebe es auch einen kooperativen Spiel-Modus, zusammen mit anderen Spielern im Internet. "Wie aktiv muss ich dabei sein, ohne dass ich Gefahr laufe, dass ich von einem anderen Mitspieler getötet werde?" will Richter Erich Fuchs wissen. Im Einzelspieler-Modus gebe es die Möglichkeit zu pausieren, so der Vertreter der Spiele-Firma. Im Multiplayer sei er sich da nicht sicher, die Funktionsweise des Spiels sei nicht sein Fachgebiet, so der 36-jährige Rumäne weiter. Er sei eher für den technischen Support zuständig, nicht für Inhalte.

09.55 Uhr: "Solang man Internet hat, kann man das überall spielen," so der Zeuge. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters erklärt der Zeuge kurz, worum es bei dem Spiel seiner Firma geht: "Man sammelt Waffen, muss Missionen erfüllen, die Personen im Spiel schlagen sich. Das Ziel des Spiels ist immer stärker zu werden." Die Steuerung des Avatars, des Vertreters des Spielers in der virtuellen Welt, erfolge direkt auf dem Telefon.

09.50 Uhr: Als nächstes nimmt nun der Vertreter der Spielefirma vor dem Richtertisch Platz. Der 36-jährige Manager aus Bukarest ist mit einer Übersetzerin angereist, die seine Angaben aus dem Rumänischen übersetzt. Er sei für den ordnungsgemäßen Betrieb des Online-Spiels in der Firma zuständig. Auch bei Kunden-Beschwerden werde er aktiv. So auch bei dem Spiel "Dungeon Hunter 5", das Spiel, das auch auf dem Handy des angeklagten Fahrdienstleiters während des Zugunglücks lief.

Zeuge: "Zweimal hintereinander Ersatzsignal, das machte mich stutzig"

09.45 Uhr: Auf Nachfrage der Verteidigung gab der Zeuge an, dass der Zug vor dem Zusammenprall nicht gebremst habe. Auf einem detaillierten Plan des Zuges lässt sich die Staatsanwaltschaft den genauen Sitzplatz des Zeugen zeigen. Nachdem die Prozessbeteiligten keine Fragen mehr an den Zeugen haben, wird der Zugführer aus dem Zeugenstand entlassen.

09.42 Uhr: Beim Unfall selbst wurde der Zeuge rund fünf Meter durch den Zug geschleudert. Er habe eine schwere Brustprellung davongetragen. Über einen längeren Zeitraum habe er deswegen Schmerzmittel nehmen müssen. Ein Schienen-Fahrzeug darf der 57-Jährige derzeit noch nicht führen, der psychologische Dienst gab ihm noch keine Freigabe.

Der Prozessbeginn verzögerte sich am Montagmorgen. Ein Gutachter kann am vierten Verhandlungstag krankheitsbedingt nicht aussagen.

09.40 Uhr: Nachdem er in den Zug, wie beinahe jeden Morgen, eingestiegen war, sah er auch schon von seinem Platz aus das Signal "ZS1". "Ich habe deutlich gesehen, dass das Signal geleuchtet hat", so der Zeuge. Beim Einsteigen habe er das Leuchtsignal jedoch noch nicht gesehen. Gedacht habe er sich dabei noch nichts. Es könne schließlich auch mit der Sturmwarnung in Zusammenhang gestanden sein. Beim Halt an der nächsten Station, im Kurpark Bad Aibling, habe er das Signal wieder gesehen. "Zweimal hintereinander Ersatzsignal, das machte mich etwas stutzig. (...) Ich fahre seit 20 Jahren auf der Strecke, da kam es noch nie zu dem Signal", erklärt der Zeuge auf Nachfrage des Richters. Das Signal "ZS 1" erlaubt in Ausnahmefällen, dass der Zug fahren darf.

09.35 Uhr: Zuerst macht heute ein 57-jähriger Facharbeiter seine Aussage, ein Kollege des Angeklagten. Er war gleichzeitig Insasse des Unglückszuges auf dem Weg nach Rosenheim. Er berichtet von seinen Eindrücken am Morgen.

Vierter Verhandlungstag im Prozess um das Zugunglück Bad Aibling

09.30 Uhr: Gleich zu Verhandlungsbeginn gibt Vorsitzender Richter Erich Fuchs bekannt, dass sich ein Gutachter krankheitsbedingt entschuldigen lässt. Aus diesem Grund werden wohl noch Zusatztermine für die Verhandlung nötig. Der Gutachter soll erst am kommenden Donnerstag gehört werden. Stattdessen könne heute ein Zeuge Aussagen machen, der als Zuginsasse das Sondersignal gesehen habe.

09.20 Uhr: Der angeklagte Fahrdienstleiter wirkt am vierten Verhandlungstag sehr gefasst. Bevor Richter Erich Fuchs die Verhandlung eröffnet, spricht der 40-Jährige noch mit seinen beiden Anwälten, Rechtsanwältin Ulrike Thole und Rechtsanwalt Thilo Pfordte. Der Anklagebank gegenüber wartet auch der leitende Oberstaatsanwalt Branz auf den heutigen Verhandlungsbeginn.

09.10 Uhr: Noch hat die Verhandlung nicht begonnen. Gerade eben hat sich der Vorsitzende Richter Erich Fuchs nochmals mit Staatsanwaltschaft, den Nebenklagevertretern und den Verteidigern des Angeklagten besprochen. Das mediale Interesse am vierten Verhandlungstag um das Zugunglück Bad Aibling ist noch immer hoch. Rund zwanzig Journalististinnen und Journalisten sind am Montag im Saal und verfolgen die Verhandlung.

09.05 Uhr: Wie der Pressesprecher des Traunsteiner Landgerichts soeben mitteilt, kann zum heutigen Verhandlungstag der IT-Fachmann krankheitsbedingt nicht aussagen. Sein Gutachten werde heute zwar auf jeden Fall behandelt, wann seine Aussage jedoch nachgeholt werden kann, ist noch unklar.

8.50 Uhr: Am vierten Verhandlungstag um das Zugunglück von Bad Aibling steht die verbotene, private Handynutzung des Angeklagten Michael P. Mit Spannung werden die Aussagen eines Vertreters der Handyspielefirma und eines Neuropsychologen erwartet. Sie sollen klären, inwieweit der Angeklagte durch das Spielen abgelenkt war. Außerdem soll ein IT-Spezialist aussagen, der die Handydaten ausgelesen und ausgewertet hat. Als vierter Zeuge ist ein Bahn-Mitarbeiter geladen, der am Unglückstag zufällig in einem der Züge saß; er soll seine Beobachtungen über gestellte Signale dem Gericht mitteilen.

Prozessauftakt gegen den Fahrdienstleiter in Traunstein

Wie geht es weiter im Prozess zum Bad Aiblinger Zugunglück?

Am Montag, 28. November, wird der Prozess gegen den 40-jährigen Fahrdienstleiter vor dem Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Ab 9 Uhr soll unter anderem ein Vertreter der Spielefirma aussagen, dessen Handy-Spiel der Angeklagte kurz vor der Kollision der beiden Meridian-Züge gespielt hatte.

Weiter soll ebenfalls ein Gutachter aussagen, der die Frage beleuchten soll, ob der Angeklagte durch das Spielen am Smartphone abgelenkt war oder dadurch gar in seinen Entscheidungen beeinflusst wurde. Die nächsten Prozesstermine sind dann der 1. und 2. Dezember, bis voraussichtlich am 5. Dezember das Urteil verkündet werden soll.

Prozess wegen mehrfacher, fahrlässiger Tötung - Was bisher im Gerichtssaal geschah:

Zum Nachlesen:

Bereits am ersten Prozesstag machte der angeklagte Fahrdienstleiter umfangreiche Angaben zu den ihm vorgeworfenen Punkten. Er räumt ein, dass er - trotz Verbot - im Dienst mit seinem privaten Handy gespielt, die Signale falsch gesetzt und auch den Notruf falsch abgesetzt hat. Diese fatalen Fehler führten schlussendlich zum Zusammenstoß der beiden Züge am 09. Februar bei Bad Aibling. Er habe eine große Schuld aufgeladen. Mit den Gedanken sei er bei den Angehörigen. „Ich hoffe, dass sie das alles aufarbeiten können.“

Bisher wurden unter anderem Zeugen der Polizei gehört, Kriminalbeamte aber auch Polizisten, die am Unglücksort kurz nach dem Unfall vor Ort waren. Sie berichteten von der umfangreichen Ermittlungsarbeit und konnte bereits am ersten Verhandlungstag ein technisches Versagen auf der Strecke ausschließen. Auch Schilderungen des Unfallorts selbst wurden vor Gericht wiedergegeben.

Zudem berichteten bisher Kollegen des Angeklagten und zahlreiche Gutachter über die Geschehnisse am 9. Februar. Ein Zeuge äußerte dabei Kritik an der Deutschen Bahn. Eine technische Apparatur, sowie eine zusätzliche Kontroll-Instanz auf der Unfall-Strecke würden schlicht fehlen.

sl/mh

Quelle: rosenheim24.de

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