Trendsport: Querstadtein durch Rosenheim

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Für Matthias Mayer gibt es keine Hindernisse. Mit seinem Freund Stephan Hohenthanner überspringt und überklettert er alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Rosenheim - Ein normaler Spaziergang durch die Rosenheimer Innenstadt ist Matthias Mayer und Stephan Hohenthanner viel zu langweilig. Sie sind ständig auf der Suche nach Hindernissen.

Egal ob Pfützen, Papierkörbe, Bänke, Mülltonnen oder gar Bauzäune und Mauern - alles wird übersprungen und überklettert. "Parkour" nennt sich diese in unserer Region noch eher unbekannte Sportart.

Der französische Schauspieler David Belle gilt als Begründer dieser ungewöhnlichen Art der Fortbewegung. Sein Vater war ein ehemaliger Vietnamsoldat. Von ihm hat er gelernt, natürliche Hindernisse im Einklang mit Natur und Umwelt gekonnt und möglichst schnell zu überwinden. Gewählt wird immer der kürzeste Weg, auch wenn es querfeldein geht.

"Kinder liefern sich gerne spielerische Verfolgungsjagden über Treppen, Papierkörbe oder kleine Bäche. Wir tun nichts anderes. Nur wählen wir dafür schwierigere Hindernisse aus. Wir simulieren dabei auch eine Flucht", erklärt Matthias Mayer sein ungewöhnliches Hobby.

Der 20-Jährige hat gerade seinen Zivildienst hinter sich und plant nun seinen Einstieg in die Berufswelt. Sein größter Traum wäre es, als Stuntman zu arbeiten.

Die körperlichen Voraussetzungen dafür erfüllt er auf jeden Fall. Der junge Mann aus Bad Aibling hat einen durchtrainierten Körper und verfügt über jede Menge Kraft. Sport sei für ihn schon als kleines Kind wichtig gewesen: "Da bin ich auf jeden Baum geklettert."

Im Fernsehen sah er vor drei Jahren einen Beitrag über die Sportart "Parkour", die in Ländern wie England oder Frankreich schon jede Menge Anhänger hat, genannt "Traceure".

Matthias Mayer war sofort begeistert und fing gleich mit dem Training an. "Zuerst einmal wagt man sich nur an ganz kleine Hindernisse, wie etwa Bordsteinkanten heran", erzählt er.

Bei Stephan Hohenthanner war es nicht anders. Der 18-jährige Rosenheimer hat ebenfalls vor einigen Jahren angefangen, sich für die Sportart "Parkour" zu interessieren und übt seit dieser Zeit regelmäßig, um diese Kunst zu perfektionieren.

Insgesamt, so erzählen die beiden jungen Männer, gäbe es derzeit in Stadt und Landkreis erst eine Handvoll Gleichgesinnter, die eine ebenso große Routine aufweisen, wie sie selbst. Allerdings steige das Interesse an "Parkour" in jüngster Zeit rasant an. "Wir trainieren auch regelmäßig in einer Sporthalle und für diese Stunden gibt es sogar schon Wartelisten", erzählt Mayer.

Wo auch immer er und Hohenthanner in der Öffentlichkeit mit ihrer Bewegungs-Kunst zu sehen sind, bleiben die Menschen staunend stehen. Viele äußern sich positiv über das sportliche Können der beiden jungen Männer. Es gibt aber auch immer wieder negative Stimmen. "Manche meinen, dass dieser Sport lebensgefährlich ist und wir uns dabei bestimmt schwer verletzen", so die Erfahrung von Hohenthanner. Doch das Gegenteil sei der Fall. Die Gefahr schätze er nicht größer ein als beim Fußball. Wichtig sei bei diesem Sport ständiges Üben und gute Selbsteinschätzung: "Wir wagen uns erst an eine neue Herausforderung heran, wenn die alten Übungen sicher sitzen".

Gerne gesehen werden die Sportler nicht überall. Immer wieder kommt es vor, dass sie von einem Platz vertrieben werden. "Dabei richten wir nie Schäden an. Das würde der Philosophie dieser Sportart gänzlich widersprechen", betont Mayer.

Zur Nachahmung empfohlen ist das, was "Traceure" machen, für Ungeübte auf keinen Fall. Sie überspringen sogar mitten in der Rosenheimer Innenstadt meterhohe Abgründe und erklettern steilste Mauern. Was bei ihnen so geschmeidig und federleicht aussieht, bedarf aber harter und langer Übung.

"Man muss alle Sinne schulen, um diese Kunst zu beherrschen", erklärt Stephan Hohenthanner, der ebenfalls gerne als Stuntman arbeiten würde.

Langweilig wird es Sportlern wie Matthias Mayer und Stephan Hohenthanner bei ihren Ausflügen in die Rosenheimer Innenstadt noch lange nicht: "Da sehen wir jedes Mal neue Hindernisse, die eine Herausforderung darstellen."

Karin Wunsam (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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