Es war im November niedergebrannt

Nach Großbrand: Straubinger Rathaus soll bis 2021 fertig sein

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Das Straubinger Rathaus wird derzeit saniert.

Sechs Monate nach dem Großbrand im Straubinger Rathaus richtet die Stadt den Blick nach vorne: Im Jahr 2021 soll der Wiederaufbau fertig sein. Für Historiker ist die Baustelle zurzeit einer Fundgrube.

Straubing - Der Stadtplatz ist die gute Stube und zugleich der Stolz der Straubinger Bürger: prächtige Patrizierhäuser, schöne Barock- und Rokokofassaden und der mittelalterliche Stadtturm. Aber auch das abgebrannte Rathaus steht hier. Als das historische Gebäude vor einem halben Jahr in Flammen aufging, blutete vielen Anwohnern das Herz. Die Stadtverwaltung setzt alles daran, die Wunde zu schließen. Hinter dem Bauzaun wird geschuftet. Im Jahr 2021 könnte der Wiederaufbau beendet sein, sagte Baudirektor Wolfgang Bach am Dienstag. Zurzeit sind im Gebäudeinneren vor allem Restauratoren und Archäologen am Werk.

Vor sechs Monaten war das mehr als 600 Jahre alte Straubinger Rathaus noch eine gewöhnliche Baustelle. Das Dach wurde saniert. „Im Stadtrat gab es die Anfrage, ob das Dach bis Weihnachten fertig sein würde“, erinnert sich Bach. Das war der Plan. Zwei Tage später brannte das historische Gebälk lichterloh. „Das hat uns alle unheimlich elektrisiert. Wir sind mit Tränen vor unserem Rathaus gestanden.“

Jedoch: Auf den Schock folgte der Tatendrang - und die Freude darüber, dass die Fassade erhalten werden konnte. „Wir haben es geschafft, der Giebel steht heute noch.“ Die Sanierung habe auch positive Aspekte. „Wir haben die Chance, neue Erkenntnisse über die Baugeschichte zu erfahren.“

„Man muss sich schnell mit den Fakten abfinden und nach vorne schauen. Jammern macht nicht sexy“, sagte Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU). Die Mitarbeiter liefen nicht mit hängenden Köpfen durchs Haus. Und auf der Baustelle werde mit Hochdruck gearbeitet. „Wir wollen das Gebäude nicht nur wieder aufbauen, sondern ihm auch seine Würde wiedergeben.“

Noch immer würden Rückbauarbeiten durchgeführt, sagte Bach. Der zerstörte Rathaussaal sei meterhoch mit Schutt aufgefüllt gewesen und das Dachgebälk „sah aus wie ein Mikadospiel“. Und das, was die Flammen nicht zerstörten, sei den rund 1000 Kubikmetern Löschwasser zum Opfer gefallen. Noch immer seien Fachleute damit beschäftigt, das Wasser und damit die Last aus dem Gebäude zu bringen und den Schimmel zu bekämpfen. Im Juli soll mit dem Aufbau eines neuen Daches begonnen werden. Bislang war das Gebäude nur notdürftig bedeckt worden.

Direkt nach dem Brand hatten Restauratoren aus den Schuttbergen im Rathaussaal kleinste Splitter der zerborstenen Fenster gesammelt und auch winzige Teile des zerstörten Lüsters - ihn hatte der damalige Bürgermeister Simon Höller den Bürgern etwa im Jahr 1650 geschenkt, wie Denkmalpfleger Erwin Hahn berichtete. Alles, was irgendwie zu retten war - historische Türen beispielsweise -, sei eingelagert worden. Während mancherorts Wandgemälde zerstört worden seien, kämen in anderen Räumen unter dem Putz bisher unbekannte Malereien zum Vorschein. Das gesamte Gebäude werde neu vermessen und datiert. An Mauerwerk und Balken ließen sich die diversen Bauphasen ablesen.

Stadtarchivarin Dorit Krenn gleicht die Ergebnisse der Restauratoren mit historischen Dokumenten ab. Bei Forschungen im Hauptstaatsarchiv in München und im Staatsarchiv in Landshut stieß sie unter anderem auf ganz neue Erkenntnisse, etwa dass es im Rathaus einst eine Hauskapelle gab und einen „Kerker für ungehorsame Bürger“.

Archäologen stießen bei Arbeiten am Untergrund des Rathauses gar auf einen Mauerzug eines Vorgängerbaus, ergänzte Denkmalpfleger Hahn und brachte damit den Oberbürgermeister zum Schmunzeln. „Jetzt sind wir schon beim Vorgängerbau“, sagte er. „Wir haben ja gesagt: „Wir wollen das Rathaus so aufbauen, wie es war.“ Aber das ist nicht so einfach. Denn welchen Teil der Historie? Die Kapelle und den Kerker?“

Dem Rathauschef ist auch die Gegenwart wichtig. Ein neues Nutzungskonzept entsteht. Räume, die zuvor gefehlt haben, könnten darin Platz finden. Und - „wenn wir schon im 21. Jahrhundert bauen“ - das Problem der mangelnden Barrierefreiheit soll gelöst werden.

Am 25. November war im Speicher des Rathauses Feuer ausgebrochen. Der historische Rathaussaal wurde ein Opfer der Flammen. Löschwasser richtete einen enormen Schaden an. Verletzte gab es nicht. Der Schaden wird auf eine zweistellige Millionensumme geschätzt.

dpa/lby

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