Raumnot in der Realschule

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Ein Teil der Eltern, die im Raum der fünften Klasse "Heinzelmännchen" spielten und Schüler, die sich das Ergebnis schon einmal anschauten.

Rosenheim - Eltern von Fünftklässlern der Johann-Rieder-Realschule haben sich zusammengetan, um ein Klassenzimmer komplett zu renovieren.

Schulleiter Wolfgang Forstner freut sich sehr über diese Initiative. Doch die gute Tat ändert nichts an der miserablen Gesamtsituation der Schule: 970 Schüler sind in einem Gebäude unterzubringen, das nur für 600 Schüler ausgelegt ist.

Als Gerhard Günzinger bei einem Elternabend das Klassenzimmer seines elfjährigen Sohnes sah, war er über den Zustand von Wänden, Boden, Heizkörpern, Fenstern, Waschbecken und Tafel bestürzt. Zudem fand er heraus, dass die Schule in den letzten Jahren bei der Möblierung keine Rücksicht darauf genommen hatte, dass körperlich noch kleine Zehnjährige andere Tische brauchen als 16-Jährige der oberen Jahrgangsstufen.

Alle Klassenzimmer sind mit größten Typ ausgestattet.Schulleiter Wolfgang Forstner, seit letztem Jahr im Amt, hält diese Möblierung zwar nicht für richtig, macht aber seiner Vorgängerin keinen Vorwurf daraus: "Das war keine Bequemlichkeit, sondern aus der Not geboren." Die Johann Rieder-Realschule hat keinerlei Lagerflächen, keinen Raum, wo sie Möbel zum Austausch bereithalten könnte, sie hat nicht genügend Flächen, wo sich die Schüler in den Pausen aufhalten könnten, nicht einmal genügend Räume für den Unterricht: Es fehlen acht Klassenzimmer.

An der für 600 Schülerinnen und Schüler ausgelegten Schule drängen sich 970 Kinder und Heranwachsende. Ein Teil erhält Unterricht in der Mensa, ein Teil ist bereits behelfsmäßig in der Nachbarschule, im Finsterwalder-Gymnasium, untergebracht. Als Pausenfläche dient bei gutem Wetter unter anderem das ehemalige Gelände der Landesgartenschau. Schon seit drei Jahren gibt es Um- und Neubaupläne. Für 2011 war vorgesehen, das Lehrerzimmer und den Eingangsbereich für 1,6 Millionen Euro zu erweitern, aber dann war kein Geld da. Mit Blick auf neue Überlegungen, die Raumnot zu lindern, ist Schulleiter Wolfgang Forstner im nachhinein darüber nicht unglücklich, denn nun sollen auch noch zwei neue Fachräume hinzukommen. Auf keinen Fall möchte er, dass Container aufgestellt werden. Solche Behelfslösungen erweisen sich häufig als unglaublich dauerhaft. Er hat aber Sorge, mit seiner Schule in Konkurrenz zum Karolinen-Gymnasium zu stehen.

Karo: "Auch Abriss ist kein Tabu"

Dort prüft die Stadt derzeit, ob es wirtschaftlich ist, noch in den Altbau zu investieren und diesen auch energetisch zu sanieren. "Auch ein Abriss ist kein Tabu", bestätigt Sozialdezernent Michael Keneder. Eine "Konkurrenz" zum Karolinen-Gymnasium bestehe nicht, versichert er. Unter Plänen für die eine dürfe die andere Schule nicht leiden, dies sei auch eine Vorgabe von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Eine Lösung des Raumproblems ist laut Keneder unter Einbeziehung des benachbarten Gebäudes des Finsterwalder-Gymnasiums denkbar. Wenn die letzten Schüler des "G9" demnächst die Schule verlassen, fällt dort ein Jahrgang weg. Weitere Verzögerungen für die Realschule solle es nicht mehr geben: "Mitte 2011, wenn die Zahlen für den Haushalt 2012 zusammengestellt werden, wissen wir mehr."

Unterdessen bemüht sich Schulleiter Wolfgang Forstner, den Bestimmungen für die Möblierung gerecht zu werden Nachdem die Klassen im Schulhaus wegen des Platzmangels "vagabundieren", ist die individuelle Zuweisung von Tisch und Stuhl nicht möglich. Derzeit prüft Forstner höhenverstellbare Tische. Was auf Anhieb praktisch erscheint, könnte aber in der Praxis die Nerven von Lehrern und Schülern strapazieren: Die Kinder werden nicht nur vor Unterrichtsbeginn den Mechanismus bedienen, sondern auch währenddessen.

Der energische Vater Gerhard Günzinger hat jedenfalls gemeinsam mit anderen Eltern dafür gesorgt, dass zumindest im Klassenraum seines Sohnes die Möbel der Größe der Schüler angepasst wurden. Dafür hat das Schulamt Tische und Stühle aus anderen Schulen geholt. An zwei Wochenenden haben die Eltern mit rund 1000 Euro von der Stadt Wunder gewirkt, Wände gestrichen, alte Fliesen abgeschlagen, Heizkörper renoviert, einen Wandschrank gebaut. Und sie haben sich versichern lassen, dass die Klasse auch im nächsten Jahr in diesem Raum untergebracht sein wird.

"Eine schöne Sache, ich freue mich sehr daüber, wie die Eltern hier angepackt haben", sagt der Schulleiter. Noch größer wäre seine Freude, wenn nun endlich auch die Erweiterung in Angriff genommen werden könnte. Der Zulauf zur Realschule steigt ständig. Immer mehr Eltern wollen ihren Kindern das "G 8" nicht zumuten und schicken selbst Einser-Schüler lieber auf die Realschule, damit sie später über die Fach- oder die Berufsoberschule mit weniger Druck zum Abitur gelangen.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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