Zivilrechtliche Klage geplant 

Rechtsanwalt: Bahn hat alleinige Schuld am Aiblinger Zugunglück

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Bad Aibling - Rechtsanwalt Friedrich Schweikert will zivilrechtlich gegen die Deutsche Bahn vorgehen. Er kritisiert das Vorgehen des Konzerns scharf.

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Über ein Jahr nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling erhebt Rechtsanwalt Friedrich Schweikert aus Bad Aibling immer noch schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn. Schweikert vertritt 19 Hinterbliebene und Verletzte des Zugunglücks und kritisiert, dass im Strafprozess allein das schuldhafte Verhalten des Fahrdienstleiters eine Rolle gespielt habe. Der Fahrdienstleiter Michael P. wurde dafür am fünften Dezember 2016 vom Landgericht Traunstein zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren Haft verurteilt.

"Bahn trägt alleinige Schuld"

"Die Bahn hat alleinige Schuld an dem Unglück, da der Fahrdienstleiter bei der Bahn beschäftigt war", so Schweikert. Nach seinem Kenntnisstand treffe den Meridian bis jetzt keine Schuld. Er kündigte an, in jedem Fall zivilrechtlich gegen die Bahn vorzugehen. 

Untersuchungsbericht wird abgewartet

Mit der Klage will Schweikert jedoch noch warten, bis der Untersuchungsbericht der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (Eub) fertig ist. Bisher gebe es nur einen kleinen Zwischenbericht, der sich mit dem Telefon befasst. "Hier gab es von der EuB die Empfehlung, dass das Notrufsystem geändert werden soll", berichtet der Anwalt. "Wenn so eine Empfehlung ausgesprochen wird, kann man davon ausgehen, dass es auch geändert wird." Alles was die Gleistechnik betrifft, sei noch nicht abgeschlossen. Hier möchte Schweikert ansetzen. "Ich moniere die Sicherheitstechnik der Bahn. Diese hatte die Verpflichtung, den sogenannten Erlaubismelder auf einer zweigleisigen Strecke mit zwei Blockabschnitten nachzurüsten. Das war nicht geschehen, obwohl bereits in den 1983 Jahren in einem Brief explizit auf das Sicherheitsrisiko hingewiesen wurde und es ein Jahr später dafür dann eine Richtlinie gab."

Bis heute keine Entschuldigung

Ein weiterer Kritikpunkt des Rechtsanwalts: Die Bahn hat sich bis heute bei keinem seiner Mandanten entschuldigt. "Es ging lediglich ein allgemeines Schreiben heraus in dem die Bahn ihr Bedauern ausdrückte. Eine offizielle Entschuldigung und ein Schuldeingeständnis gab es bis heute nicht, auch nachdem wir darum gebeten haben. Im Fall Eschede hat es im Übrigen 15 Jahre gedauert, bis eine Entschuldigung kam."

Das sagt die Bahn zu den Vorwürfen

Auf Nachfrage unserer Redaktion äußerte sich Hartmut Sommer, Pressesprecher der Deutschen Bahn dahingehend, dass der Konzern beim Zugunglück von Bad Aibling - nach Zustimmung der BOB - bei der Betreuung der Angehörigen, Verletzten und Hinterbliebenen der Opfer unterstützt habe. "Führungskräfte der DB haben in enger Abstimmung mit den betreuenden Psychologen Krankenhausbesuche durchgeführt und mit Erlaubnis der Angehörigen an den Trauerfeiern teilgenommen. Weiterhin gab es Betreuungsmaßnahmen für die eingesetzten Rettungskräfte durch die DB. Von Seiten der Deutschen Bahn gab es ein Kondolenzschreiben des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Dr. Rüdiger Grube, nachdem die Staatsanwaltschaft die Adressen freigegeben hatte", so Sommer in einer schriftlichen Stellungnahme.

Kein Schadensersatz von Seiten der Bahn

Schweikert teilte unserer Redaktion zudem mit, dass die bisher geleisteten Schadensersatzzahlungen von Seiten des Meridian gezahlt wurden, obwohl dieser nach seiner Auffassung keinerlei Schuld an dem Unglück hatte. Er betont auch, dass es nicht um eine Geldsumme gehe, sondern um den Symbolcharakter, damit die Opfer mit dem schrecklichen Ereignis endlich abschließen können. 

Auch dazu äußerte sich der Pressesprecher der DB auf unsere Nachfrage hin: "Bei Eisenbahnunfällen stimmen sich die beteiligten Eisenbahnunternehmen grundsätzlich über die Federführung der Schadensregulierung ab. Bei dem Unglück von Bad Aibling hat die BOB nach Abstimmung mit der Deutschen Bahn und den beteiligten Versicherungen HDI (BOB) und Axa (DB) federführend die Schadensregulierung der Opfer und Hinterbliebenen übernommen. Darauf hatten sich die Beteiligten unmittelbar nach dem Unglück verständigt und den Betroffenen die Ansprechpartner für die Schadensregulierung benannt."

Quelle: mangfall24.de

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