Heftige Diskussionen um eine Kuhglocke in Marzoll

"Endlich kann ich wieder in Ruhe schlafen und Freunde einladen"

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Kuhglockenstreit in Marzoll
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Bad Reichenhall - Nach sieben Jahren heftigster Diskussionen, Streitgespräche, einer vierbeinigen Kuhdemonstration durch den Ort und vieler böser Worte wurde nun endlich der Streit um das Geläute einer Kuhglocke beigelegt:

Ein Ortstermin war nötig, dass dieser Streit endlich ein Ende finden konnte. Gemeint ist der Streit um eine Kuhglocke, die bei Kuh Rita um den Hals hing und ab und an romantisch-traditionell vor sich hinläutete. So wie in allen ländlichen Gegenden, wo Bauernhöfe mit Milchvieh leben.

Nicht allen Leuten gefällt dieses Geläute. Während die Einheimischen mit dieser Geräuschkulisse von Kindesbeinen leben,  fühlen sich viele Zugereiste von der anfänglich so romantisch erscheinenden Idylle schnell gestört und dann gibt es Streit. Zwischen der Bauersfamilie, denen die Kuh Rita und ihre Kuhglocke gehört und den beiden zugereisten Anwohnern, von denen eine mittlerweile sowie schon wieder das Weite gesucht hat und weggezogen ist.

Der Ortstermin, bei dem seitens des Richters, aber auch seitens der Kläger festgestellt wurde, "dass man doch eigentlich keinen großen Lärm höre", führte zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien. Die Beklagte machte letztendlich den ersten Schritt und ging auf die Klagenden zu. Der Gerichtsstreit ist somit erstmal vom Tisch, aber was ist nun der Tenor? Was sagen die einzelnen Parteien, Nachbarn oder unsere Leser zu diesem Prozess?

Stimmen nach dem Prozess

BGLand24.de hat zahlreiche Feedbacks für Sie zusammengefasst:

Richter Stefan Poller (Urteil)

Der Rechtsstreit soll nach dem Willen der Parteien aufgehoben werden. Solange keine Kuhglocke umgehängt wird ist die gesamte Beweidung des angesprochenen Grundstücks möglich (Flurstück 66, Gemarkung Marzoll). Generell wird keine Kuhglocke mehr angebracht sondern nur noch bei Bedarf und nach vorheriger Absprache. Bedarf bedeutet, dass eine kleinere Glocke einem Kälbchen umgehängt werden darf, bei dem die Gefahr besteht, dass es wegläuft. Die Glockengröße darf sich die Klägerin aussuchen.

Hans-Jörg Schwarzer (Anwalt der Bauersfamilie)

"Der Klägerin war es sichtbar peinlich, dass man das Läuten der Kuhglocken nicht so hören konnte, wie von ihr immer behauptet. Für mich geht dieser Vergleich ehrlich gesagt ein bisschen zu weit, denn eigentlich wurde diese Glocke ja nun abgeschafft. Aber der Vergleich ist nun mal beschlossen und das Wichtigste ist ja, dass die Zwei wieder in Frieden miteinander leben sollen."

Eine der Klagenden

Ich hatte so viele schlaflose Nächte, man immer musste die Fenster schließen, dann das Herzrasen und die ganzen Tabletten die ich nehmen musste. Ich bin des Themas erschöpft. Endlich kann man wieder mit offenem Fenster schlafen, Freunde einladen, Musik machen, einfach wieder leben und lachen. Ich ein Typ des Miteinanders, 2017 ist jetzt mein Jahr und ich bin froh, dass die Bäuerin endlich da draufgekommen ist, wir waren immer bestrebt, den Streit beizulegen.

Rainhard Hauff - Anwalt der Kläger

Die Glocke war trotz der kurzen Distanz sehr leise, das kann ich mir nur an der Windrichtung erklären, oder dem hohen Gras. Wenn die  Glocke so in den letzten Jahren zu hören gewesen wäre, dann hätten wir nicht geklagt. Ich bin sehr froh, dass wir einen Vergleich geschlossen haben. Wir haben damit einen Nachbarsschaftsstreit beendet, indem die Beklagte auf meine Mandantin zugekommen ist und ihr die Hand gegeben hat, es gibt doch für einen Anwalt nichts Schöneres.

Familie Eder-Hofhammer - Beklagte

Wir hatten schon mehrmals vorgeschlagen, dass wir eine kleinere Glocke nehmen, aber das wollten sie ja nicht. Wir hätten uns das ganze sparen können. Von Anfang an haben wir uns hier bemüht eine Einigung zu finden.

Heftige Diskussion auch auf Facebook

Kuhglockenstreit in Marzoll

So das erste kurze Feedback der Beteiligten. Aber auch viele andere Zuhörer und Zuschauer meldeten sich anschließend zu Wort: "Die Gescheitere gibt nach", so ein vorbeikommender Nachbar. Und seine Frau ergänzt: "Unglaublich was die hier aufgeführt haben und was die für ein Geschiss um unsere Kuhglocken gemacht haben. Sollen sie doch in ihrer Großstadt bleiben, und uns hier unten in Frieden lassen.

Und dann gibt es natürlich auch noch die Facebook-Gemeinde, die diese Geschichte fleißig kommentiert:

  • "Kuhglocken, Kirchenglocken, Hahnkrähen...alles stört, bleibts halt in der Stadt!!!"
  • "Dann soin sa sie hoid dohi schleicha wos herkemma san..aus basta!!!"
  • "ist es nicht traurig dass dies überhaupt ein Streitthema ist..wie übersättigt und unzufrieden ist die Menschheit geworden..statt dankbar für alles zu sein..auch weidende Kühe mit Glocken..!!!"
  • "Wer Bayern liebt.... liebt auch die Glocken. Ich persönlich würde Frankfurt vorschlage"

Bildergalerie - Kuhglockenstreit von Marzoll

Schier unendlich scheint die Liste der Postings, mit denen der Gerichtsentscheid kommentiert wurde. Der Großteil gegen die Klagen, nur einige wenige zeigen Verständnis für die "Neu-Marzoller".

Sie haben auch ein Kuhglocken-Thema, dass Ihnen auf dem Herzen liegt? Oder ein ähnliches Problem, dass Sie gerne an die Öffentlichkeit bringen möchten? 

Dann nutzen Sie doch unser Pinweis-Portal, in dem uns unsere Leserreporter auf Geschichten aufmerksam machen, die ein wenig Aufmerksamkeit gebrauchen könnten.

Quelle: BGland24.de

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