Nach großer Reichsbürger-Razzia in Schönau und Beyharting

Tuntenhausener: "Die haben ihre Ausweise am Stammtisch offen hingeschmissen"

In den Tuntenhausener Ortsteilen Schönau und Beyharting gab es am Mittwoch, 9. Juli Razzien im Reichsbürger-Millieu.
+
In den Tuntenhausener Ortsteilen Schönau und Beyharting gab es am Mittwoch, 9. Juli Razzien im Reichsbürger-Millieu.

Tuntenhausen - Am Mittwoch, 9. Juli, fanden deutschlandweit Razzien im Reichsbürger-Milieu statt. Auch Haushalte in der Gemeinde Tuntenhausen waren betroffen.

Bei Durchsuchungen in der "Reichsbürger"- und Rechtsextremisten-Szene wegen illegalen Waffenhandels ist am Mittwoch, 8. Juli, ein Mann festgenommen worden. In den Räumen der insgesamt zwölf Verdächtigen in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Österreich fanden die Ermittler am Mittwoch zudem unter anderem zwei halbautomatische Kurzwaffen, eine Pumpgun und 200 Schuss Munition, wie die Generalstaatsanwaltschaft München mitteilte. mangfall24.de liegen Informationen vor, dass auch alteingesessene Bürger aus der Gemeinde Tuntenhausen betroffen waren. Bürger und Anwesen aus den Ortsteilen Beyharting und Schönau sollen demnach betroffen gewesen sein.


"Mauer des Schweigens" in der Gemeinde

Vor Ort wollen viele nichts von der Razzia und auch der Reichsbürgerszene gesehen haben. Eine Beyhartingerin sagte gegenüber mangfall24.de vor Ort, dass sie selber nichts mitbekommen habe, ihr jedoch eine Kundschaft von einem größeren Polizeieinsatz in Beyharting erzählt habe. Sie selber wisse gar nichts. Auch weitere Passanten hielten sich bedeckt. "Ich habe direkt nichts mitbekommen", sagte ein Nachbar gegenüber unserer Reporterin. Es gab jedoch Beobachtungen, dass sich das SEK am Mittwochmorgen in Hohentann auf den Einsatz vorbereitet hat.

"Reichsbürger vor fünf Jahren ein Problem in der Gemeinde"

Auch Tuntenhausens Erster Bürgermeister Georg Weigl hält sich bedeckt. Er berichtet auf Anfrage von mangfall24.de, dass die Gemeinde keine Infos bekomme, wo und wann Razzien durchgeführt werden. Das liege alles bei der Polizei, so der Bürgermeister. "Jetzt haben wir keine auffälligen Bürger mehr, die in Richtung Reichsbürger gehen. Das war mal vor fünf Jahren so, aber jetzt ist nichts mehr."


"Das ist dorfbekannt, dass das Reichsbürger sind"

Ein Tuntenhausener hingegen, dessen Name unserer Redaktion bekannt ist, berichtet, dass "es alle hier wissen. Das ist dorfbekannt, dass das Reichsbürger sind. Einer hatte sogar die Reichsbürgerfahne an seinem Haus hängen", sagt er gegenüber mangfall24.de. "Die haben ihre Reichsbürgerausweise am Stammtisch offen hingeschmissen." Laut des Tuntenhauseners habe es bei einem der Männer schon vor zwei Jahren eine Hausdurchsuchung gegeben. Auch im Vereinsleben seien sie sehr aktiv. "Bei einem der Betroffenen weiß ich, dass da Einiges beschlagnahmt wurde und er auch mit zur Polizei nach Rosenheim genommen wurde."

Habt ihr etwas mitbekommen?

Seid ihr aus Schönau, Beyharting oder der Gemeinde Tuntenhausen und habt etwas mitbekommen? Dann meldet euch gerne telefonisch bei uns unter 08031/40904 400 oder per Email an redaktion@ovb24.de. Eure Angaben werden im Rahmen des Quellenschutzes selbstverständlich anonymisiert behandelt.

Was sind "Reichsbürger"?

Das Bundesamt für Verfassungsschutz definiert „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ als "Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Begründungen – unter anderem unter Berufung auf das historische Deutsche Reich, verschwörungstheoretische Argumentationsmuster oder ein selbst definiertes Naturrecht – die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen, den demokratisch gewählten Repräsentanten die Legitimation absprechen oder sich gar in Gänze als außerhalb der Rechtsordnung stehend definieren und deshalb die Besorgnis besteht, dass sie Verstöße gegen die Rechtsordnung begehen."

jb

Quelle: mangfall24.de

Kommentare