Schwerer Unfall in Schachthöhle Riesending

Schwerverletzter Forscher: Mehrtägiger Einsatz

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Berchtesgaden - Ein schwerer Unfall hat sich gestern in der Schachtenhöhle Riesending ereignet. Ein 52-jähriger Höhlenforscher wurde bei einem Steinschlag schwer verletzt.

UPDATE 13.20 Uhr

Die Einsatzleitung und die Feuerwehr Marktschellenberg ziehen sich vom Hubschrauberlandeplatz zurück, der als Einsatzzentrale diente. Neuer Standort der Einsatzleitung wird die Feuerwehr Berchtesgaden sein. Ein Umzug ist aus einsatztaktischen Gründen, wie die Kommunikation und die Internetverbindung, erforderlich.

UPDATE 12.30 Uhr

Der Rettungseinsatz in der Schachthöhle am Untersberg mit Namen „Riesending“ wird seit gestern Nachmittag fortgeführt. Voraussichtlich erreichten die ersten Rettungskräfte den Unfallort in den Morgenstunden des Pfingstsonntags. Ebenfalls in den Morgenstunden erreichte ein zweiter Höhlenforscher der Gruppe den Ausstieg der Höhle.

Die erhaltenen Informationen lassen auf schwerwiegende Verletzungen des Verunglückten schließen. Der eigenständige Aufstieg des Verletzten ist nach derzeitigem Stand nicht möglich. Wegen der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten in der Höhle und der extremen langen vertikalen und horizontalen Wege ist diese Information mit einem Zeitdefizit behaftet.

Bei der Höhle am Untersberg handelt es sich um eine Schachthöhle von extremem Ausmaß. Bereits am Beginn müssen verschiedene Schächte in der Gesamtlänge von über 300 Meter abseilend überwunden werden. Der Weiterweg findet horizontal und wiederholt vertikal durch Abseilen statt, bis in eine Tiefe von über 1000 Meter. Dabei treten Engstellen auf, die gerade den Durchschlupf einer schlanken Person ermöglichen. In den Schächten besteht sowohl durch Wasser als auch durch Steinschlag eine erhebliche Gefährdung. Zur Risikoreduzierung arbeiten die Einsatzteams in Kleingruppen von bis zu vier Kräften. In der Höhle befinden sich derzeit ein Team für die medizinische Versorgung, ein Team zur Herstellung der Kommunikation und weitere Teams für die Versorgung und Sicherung der Höhlenretter. Die Verbindung mit den Höhlenrettern findet soweit als möglich über ein inzwischen verlegtes Höhlentelefon und über das sich im Aufbau befindlichen Funksystems „CaveLink“ statt.

Die zu erwartenden Schwierigkeiten für die Rettung des Verunfallten stellen die Vielzahl an Schächten und die großen zu überwinden Höhenunterschiede dar. Diese müssen im Seilaufstiegsverfahren überwunden werden. Gleichzeitig muss die medizinische Versorgung gewährleistet werden. Auf Grund der Komplexität dieses Einsatzes wurden über das europäische Höhlenrettungssystem Spezialisten für Schachthöhlen angefordert. Nach der Vorbereitung werden diese heute noch ihren Einsatz beginnen. In der Zwischenzeit werden hierzu alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um einen zügigen Abstieg der Schachtspezialisten zu ermöglichen. Für den Einsatz sind derzeit 52 Höhlenretter der Bergwacht Bayern und 28 Höhlenretter aus Salzburg vor Ort. Die Landespolizei und die Bundespolizei unterstützen die Logistik mit ihren Hubschraubern.

Pressemeldung Bergwacht Bayern

UPDATE 11.35 Uhr

Das vierköpfige Rettungsteam ist heute morgen um 5:45 Uhr zu dem Lagerort des Verletzten und seiner beiden Betreuer vorgestoßen. Der zweite Betreuer gehörte zu einem zweiten Team, das ebenfalls gestern in der Höhle unterwegs war. Mittlerweile ist bis in eine Tiefe von 400 Metern auch eine Kommunikation über Telefonleitung möglich. Der 52-jährige Höhlenforscher aus dem Raum Stuttgart hat laut Meldung eines Retters Verletzungen an Kopf und Oberkörper erlitten, die es ihm unmöglich machen, selbständig aus eigenen Kräften den Ausstieg zu bewältigen.

Rettungseinsatz Untersberg am Pfingstmontag

Seit gestern wurden am Einstieg alle technischen Vorbereitungen getroffen um den Aufbau zur Bergung des Verletzten abschließen zu können. Mittlerweile sind zwölf Retter in die Höhle eingestiegen, die auf verschiedenen Ebenen Lager- und Biwakstationen einrichten.

Für den Rettungseinsatz selbst wurden Spezialisten für Höhlenrettung angefordert, die nach und nach zum Einsatzort gebracht werden. Insgesamt ist von einem mehrtägigen Einsatz auszugehen.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

UPDATE 11.30 Uhr

Herr Stefan Schneider, stellvertrender Landesleiter der Bergwacht Bayern, erzählte bgland24.de, dass aktuell vier Trupps an Rettungskräften unterwegs sind. Ein Trupp umfasst zwischen zwei und vier Rettern. Da das Schachtsystem sehr eng ist, können keine weiteren Kräfte eingesetzt werden. Es wurde eine Mannschaft aus der Schweiz angefordert, die als Experten in Höhenrettungen unter extremen Bedingungen gelten. In Deutschland und Europa sind nur wenige Retter für so einen speziellen Fall ausgebildet. Die Leiterin des Forschungsteams vor Ort erklärte, dass "die körperliche Belastung, in einem Höhlensystem zu arbeiten, der Anstrengung gleicht, einen Achttausender zu besteigen." Aufgrund der enormen Anstrengung arbeiten die Einsatzkräfte im Schichtsystem und wechseln sich kontinuierlich durch. Aktuell sind noch dieselben Retter wie Sonntagabend im Einsatz, sie werden nun nach und nach ausgetauscht.

Der verunglückte Höhlenforscher scheint schwer verletzt, aber in einem stabilen Zustand zu sein.

Wie lange die Bergung aus der Tiefe dauern wird, kann momentan keiner so genau sagen. Es gibt kaum Vergleichswerte. Mehrere Tage scheinen jedoch realistisch zu sein.

Auf den ersten 350 Höhenmetern konnten die Rettungskräfte eine kabelgebundene Kommunikation aufbauen. Auf den restlichen 650 Höhenmetern muss weiterhin mündlich kommuniziert werden, dadurch verzögert sich der Informationsfluss.

Um die Rettungsarbeiten nicht zu gefährden, bittet die Bergwacht alle Bürger, das Gelände zu meiden.

UPDATE 8.05 Uhr

Der große Rettungseinsatz für den schwer verletzten Höhlenforscher, der über einen Kilometer tief im Berg auf Hilfe wartet, lief auch während der Nacht zum Pfingstmontag auf Hochtouren weiter. Während sich der Voraustrupp der Bergwacht-Höhlenrettungsgruppe Chiemgau seit vielen Stunden weiter durch die steilen, riesigen, teilweise aber auch sehr engen Schächte und Stollen zum Patienten vorarbeitet, sind weitere, auch überregionale Rettungskräfte aus Deutschland und Österreich in die Höhle eingefahren, um unter anderem in rund 300 Metern Tiefe ein Biwak einzurichten und eine Telefonleitung zu verlegen, über die dann aktuelle Lagemeldungen an die Oberfläche übermittelt werden können.

Die Besatzungen eines nachtflugtauglichen Transporthubschraubers der Bundespolizei und mehrerer nachtflugtauglicher Maschinen der Polizeihubschrauberstaffel Bayern fliegen seit dem Nachmittag Einsatzkräfte und Ausrüstung von Marktschellenberg zum Höhleneingang, der in einem Karstgebiet in über 1.800 Metern Höhe zwischen Stöhrhaus, Berchtesgadener Hochthron, Gamsalpkopf und Dürrfeld liegt. Am Unfallort selbst können die Hubschrauber nicht landen, weshalb die Retter und ihre Ausrüstung per Winde auf einem nahen Schneefeld abgesetzt werden.

Rettungseinsatz am Untersberg: Nachtstunden

Einsatzkräfte der Bergwachten Berchtesgaden und Markschellenberg haben am Höhleneingang ein Zelt aufgebaut und ein Materialdepot eingerichtet. Die Wirtsleute des Stöhrhauses und die BRK-Bereitschaften kümmern sich um die Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränken. Am Tallandeplatz in Markschellenberg koordiniert die Einsatzleitung alle Maßnahmen, wobei unter anderem der Technik-Bus und der Kersosin-Anhänger der Bergwacht-Region Chiemgau, die Salzburger Höhlenrettung, die BRK-Bereitschaften und die Feuerwehr im Einsatz sind.

Den Rettern unter Tage machen vor allem die enormen Dimensionen der Höhle zu schaffen: Der Unfall hatte sich bereits am frühen Pfingstsonntagmorgen gegen 1.30 Uhr ereignet, wobei der Höhlenforscher in über einem Kilometer Tiefe durch einen Steinschlag am Kopf verletzt wurde; während ein Kamerad bei ihm blieb, machte sich der zweite auf den Weg an die Oberfläche, wobei er nach rund 13 Stunden am Stöhrhaus eintraf und Alarm schlug.

Pressemeldung BRK Berchtesgadener Land

Zusammenfassung des ersten Rettungstags am Unterberg:

UPDATE 22.30 Uhr

Laut Informationen vor Ort ist mittlerweile ein Bergrettungsteam aus Tirol eingetroffen. Diese bereiten sich derzeit auf ihren Einsatz vor. Sie sollen das Rettungsteam, das bereits auf dem Weg zu dem schwerverletzten Forscher unterwegs ist, unterstützen. Laut Einsatzleiter Kübelbeck ist momentan mit keinen weiteren Informationen zu rechnen, da sowohl der Rettungs- als auch der Kommunikationsweg sehr lang sind.

Unbestätigten Angaben zufolge befindet sich der verletzte Forscher in einer Tiefe zwischen 1000 und 1400 Metern. 

Die Höhenrettung am Unterberg könnte noch zusätzlich durch das Wetter erschwert werden, da aufgrund der momentanen Hitze mit Wärmegewittern zu rechnen ist.

UPDATE 21 Uhr

Zum Vergrößern der Karte hier klicken.

Seit einer halben Stunde ist nun ein fünfköpfiges Rettungsteam zu den beiden Höhlenforschern unterwegs. Zudem ist ein Kommunikationsteam in die Riesending-Höhle eingestiegen. Sie legen per Hand ein Telefonkabel. Dadurch kann das Rettungsteam unter Tage sich jederzeit in die Leitung "stechen" und mit dem oberirdischen Team in Verbindung treten. Derzeit werden noch weitere Einsatzkräfte mit dem Einstiegsmaterial auf den Unterberg geflogen. Das Material zur Rettung soll, laut Informationen vor Ort dann ab 6 Uhr morgen früh zum Höhleneingang geflogen werden.

UPDATE 20 Uhr

Die Riesending-Schachthöhle ist eine 1995 von der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V. entdeckte Schachthöhle im Untersberg in den Berchtesgadener Alpen. Die Erkundung wurde durch die Arbeitsgemeinschaft im Jahr 2002 begonnen. An der tiefsten Stelle misst die Höhle 1148 Meter und ist damit der tiefste Punkt Bayerns und Deutschlands. Außerdem ist sie mit einer Länge von 19,2 Kilometern (Stand: Januar 2014) auch die längste Höhle Deutschlands. Gefährlich könnte es sowohl für den verletzten Höhlenforscher also auch seinen Begleiter wie auch für die Rettungsmannschaft werden: Bei starkem Regen und Unwettern besteht in der Höhle Hochwassergefahr.

Bei den durch einen Steinschlag verletzten Höhlenforscher handelt es sich möglicherweise um ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung, die die Höhe entdeckt haben.

Beeindruckende Bilder der Riesending-Höhle zeigte auch das ZDF im Mai 2014

Bilder vom Rettungseinsatz

Rettungseinsatz am Unterberg (2) 

UPDATE 19 Uhr - Offizielle Polizeimeldung

Am Sonntag, 8. Juni 2014, um 14.40 Uhr, wurde die Leitstelle Traunstein (ILS) über einen Verletzten in der „Riesending-Schachthöhle“ im Untersberg verständigt. Die Höhle reicht bis in eine Tiefe von ca. 1100 Höhenmetern. Zur Zeit wird der Rettungseinsatz vorbereitet.

Nach bisherigem Kenntnisstand war gestern, Samstag, 7. Juni 214, eine dreiköpfige Gruppe auf ca. 1800 Metern in die Höhle eingestiegen. Nach Auskunft des Hilfeholenden 42-Jährigen aus dem Raum Stuttgart kam es gegen 1.30 Uhr am Sonntagnacht zu einem Unfall, bei dem ein 52-jähriger Mann aus dem Raum Stuttgart verletzt wurde. Der Ersthelfer benötigte für den Ausstieg ca. 12 Stunden und konnte dann die ILS benachrichtigen. Seinen Angaben zu Folge kann der Verletzte derzeit den Ausstieg nicht selbst bewältigen und wird von dem verbliebenen 38-jährigen Kameraden betreut. Der unverletzte Mitteiler wird von Bergwachtmitgliedern versorgt.

Zur Rettung wurde die Bergwacht Chiemgau, die Höhlenrettung Baden-Württemberg, Höhlenretter aus Österreich, die Alpine Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sowie Hilfs- und Rettungskräfte von Bergwacht, BRK und Feuerwehren aus dem Umland aufgerufen. Insgesamt werden ca. 200 Einsatzkräfte an der Bergung beteiligt sein.

Zur Stunde laufen die Vorbereitungen für den Rettungseinsatz auf Hochtouren, wozu auch Hubschrauber von Polizei und Bundespolizei für den Personen- und Materialtransport zum Einsatz kommen.

Laut Bergwacht ist der Einsatz äußerst schwierig und kann nur von Experten auf dem Gebiet der Höhlenrettung bewältigt werden. Die Rettung selbst könnte sich über mehrere Tage hinziehen, da allein schon der Abstieg zum Standort des Verletzten ca. 12 Stunden vereinnahmen wird und derzeit kein technischer Kontakt aus bzw. in die Höhle zum Unfallort hergestellt werden kann. Vor kurzem ist ein mehrköpfiges Rettungsteam in die Höhle eingestiegen. Mit Rückmeldungen zur Lage ist angesichts der langen Wegzeit frühestens in 24 Stunden zu rechnen.

Über den Fortgang und weitere Entwicklungen der Rettungsmaßnahmen sind derzeit keine weiterführenden Angaben möglich.

Erstmeldung

In der riesigen Schachthöhle "Riesending", deren Eingang am Plateau des Untersberges liegt, hat sich gegen Mittag ein schwerer Unfall ereignet. 

Nach ersten Informationen soll ein Höhlenforscher in rund 1000 Meter unter Tage verunglückt sein. Nun läuft ein riesiger und aufwendiger Rettungseinsatz, um den Betroffenen aus der Höhle zu retten.

Ein Höhlenrettungseinsatz ist eine logistische Herausforderung für die Einsatzkräfte, da sie nur mittels Kabeltelefon eine Kommunikation in die Höhle aufbauen können. Ebenfalls muss die umfangreiche Materialausrüstung zum Höhleneingang transportiert werden und so kann damit gerechnet werden, dass dieser Einsatz noch über Stunden andauern wird bis man zum Verunglückten vordringt. Und ihn im Anschluss daran aus der Höhle retten kann. 

Die Bergretter aus Marktschellenberg werden bei dem Einsatz von der Höhlenrettung Chiemgau und Salzburg unterstützt. Ebenso sind Hubschrauber für den Transport alarmiert.

Rettungseinsatz im Riesending

Weitere Informationen folgen!

Quellen: aktivnews/redbgl24/Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: BGland24.de

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