„E-Zapf-Premiere“ - Solarstromtankstelle in Rosenheim eröffnet

Solartankstelle in resenheim eröffnet
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Probetanken bei der ersten Rosenheimer Solartankstelle. Elektroauto-Fahrer Wolfgang Müller-Brunke (rechts) hängte als erster seinen Wagen an die Steckdose.

Rosenheim - Noch gibt es nur etwa 30 Elektroautos in der Region. Nach Rohrdorf und Marquartstein besitzt jetzt auch Rosenheim eine ElektroTankstelle.

Mit dem Ausbau des Netzes an Solarstromtankstellen kommt Bewegung in die Elektromobilität. Zweiter Bürgermeister Anton Heindl vollzog symbolisch die "E-Zapf-Premiere": Nachdem er das Elektroauto von Wolfgang Müller-Brunke angesteckt und mit Ökostrom aus der Foltovoltaikanlage der Firma Sonnen Bartel aus Rohrdorf "aufgetankt" hatte, machte Heindl eine Probefahrt.


Fast ganz ohne Fahrgeräusche rollte der Peugeot 106 Electric sanft durch die Rosenheimer Innenstadt, beschleunigte auf der Bundesstraße zügig auf über 80 Stundenkilometer und hängte das Auto nach der Spritztour zur erneuten Energieaufnahme wieder an die Steckdose. Diese befindet sich an einer Tankstelle, die auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen ist und auf einem ungewöhnlichen Standort steht: Auf dem Gelände der Gastwirtschaft "Happinger Hof" präsentieren sich die schlichten Module einer kleinen 1-kW-Fotovoltaikanlage, die Ökostrom produziert.

Während das per Kabel an die Steckdose angehängte Elektroauto auftankt, was mindestens etwa eine Stunde dauert, kann sich der Chauffeur die Wartezeit mit einem kühlen - natürlich alkoholfreien - Bier und einer Brotzeit vertreiben. Die Zapfsäule funktioniert per Münzeinwurf: Pro 100 Kilometer Fahrt kostet das Betanken laut Friedrich Bartel, Geschäftsführer der Firma Sonnen Bartel und Mitglied der Initiative "Elektroauto - jetzt", etwa zwei Euro Solarenergie.


Drei Jahre lang soll die über ein Bürgerbeteiligungsmodell finanzierte Solartankstelle versuchsweise angezapft werden - in der Hoffnung, dass nach der Probephase Elektroautos keine Raritäten mehr im Stadtverkehr darstellen.

Ziel: Bis 2020 eine Million Elektroautos

"Die Zeit ist reif", ist Bartel überzeugt - eine Meinung, die bei der Eröffnung der Tankstelle auch Willi Kirchensteiner, führender Experte der Elektromobilität in Deutschland, teilte. Er stellte in seinem Vortrag das große Potenzial der Elektrofahrzeuge vor, von denen bis 2020 etwa eine Million in Deutschland über die Straßen fahren sollen. Mehrere Pilotprojekte von Autoherstellern und Forschungsinitiativen treiben derzeit die Entwicklung der Technik voran, berichtete Kirchensteiner. Der Leiter des Münchener Bildungszentrums für Solartechnik forderte angesichts der Klimaschutzanforderungen und steigender Abhängigkeiten gegenüber konventionellen Energien und damit verbundener Preisexplosionen verstärkte Anstrengungen für eine Serienproduktion von Elektroautos. Notwendig seien Fahrzeuge mit hoher Energieeffizienz und damit verbundener erhöhter Reichweite und ein weiter zu verdichtendes Netz an Fotovoltaikanlagen.

Pioniergeist beweist im Rosenheimer Raum die Firma Sonnen Bartel, deren Solartankstelle in der Happinger Straße 23 den nicht für Elektroautos benötigten Strom in das öffentliche Netz einspeist. Die Leidenschaft für die neuen, zu 100 Prozent abgasfreien "E-Autos" glüht bereits, wie das große Interesse an der Tankstelleneröffnung zeigte.

Der Funke ist auch auf den Wirt des "Happinger Hofs" übergesprungen: Martin Kupferschmied plant, ein konventionelles Fahrzeug seines gastronomischen Betriebs für den Einkauf oder Hausmeisterdienste auf Ökostrom umzustellen - ein ideales Beispiel für den derzeitigen Einsatz der Wagen, die eine Reichweite von 100 bis 200 Kilometern besitzen. Auch Zweiter Bürgermeister Heindl sieht durchaus Chancen für einen Einsatz als städtisches Fahrzeug. duc

Quelle: rosenheim24.de

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