Ex-Bundestagsabgeordnete erhält Droh-Emails 

Graf: "Der AfD-Vorwurf ist abartig"

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Der Rosenheimer AfD-Kreisverband sammelt Spenden um die Kosten für die Entfernung der Graffiti auszugleichen. 
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Rosenheim - In einer Pressemitteilung, die auf rosenheim24.de zu lesen war, hatte der Rosenheimer AfD-Kreisverband die ehemalige Bundestagsabgeordnete Angelika Graf (SPD) scharf angegriffen.

In dieser hieß es unter anderem, dass Antifaschisten und "linke Chaoten" prominente Unterstützung durch Graf erhalten hätten. Die AfD warf Graf vor, sich an deren Hetze gegen die Betreiber der Turneralm beteiligt zu haben. 

Hintergrund der Pressemeldung war eine Parteiveranstaltung der AfD in den Räumlichkeiten der Oberwöhrer Gaststätte, gegen die vor Ort eine Demonstration stattfand. Die Partei verglich daraufhin das Verhalten der Gegendemonstranten mit der Vorgehensweise der SS und SA und beklagt zudem Graffiti an der Gaststätte. 

Auch die AfD Bayern griff die Gegendemonstration in Rosenheim auf ihrer Facebook-Seite auf und veröffentlichte den Brief von Angelika Graf an die Turneralm-Wirtsleute. In diesem warb sie darum, dass die Partei die Räumlichkeiten für die Aschermittwoch-Veranstaltung nicht zur Verfügung gestellt bekommt. Sie begründete es damit, dass die AfD ein völkisches Weltbild vertrete. 

Graf: "Ich bin sehr verärgert"

Nun nahm Angelika Graf auf Anfrage von rosenheim24.de Stellung zu den Vorwürfen. "Ich bin sehr verärgert, dass mich die Pressemitteilung der AfD in einen Zusammenhang mit Gewalttaten bringt. Ich habe keine Nähe zur Antifa!", so die Sozialdemokratin. 

Nur im Rahmen des Bündnisses "Rosenheim nazifrei" kooperiere sie als Vorsitzende von "Gesicht zeigen" mit der antifaschistischen "Infogruppe Rosenheim". Jedoch hätten auch die CSU, wie andere Parteien, Vereine und Gewerkschaften ebenfalls im Sommer 2015 das Bündnis "Rosenheim nazifrei" mitgetragen.

Zu den Vorfällen am 1. März bei der Turneralm könne sie keine Stellungnahme abgeben, weil sie selbst nicht anwesend war. "Meine feste Überzeugung ist allerdings immer schon gewesen, dass man rechte Gruppierungen und Parteien nicht mit Gewalt bekämpfen kann und soll, weil diese Herangehensweise gegenteilige Effekte haben kann, wie der vorliegende Fall ja beweist", erklärte die Bundesvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus. 

Sie halte auch die Graffiti für falsch, weil sie eine Sachbeschädigung seien.

Droh-Emails aus ganz Deutschland

Dass die AfD sie in der Pressemitteilung in die Nähe von SA- und SS-Methoden bringt, will sie nicht näher kommentieren. "Der Vorwurf ist so abartig, dass er keines Kommentars bedarf", so Graf. 

Sie selbst erhalte seit der Turneralm-Veranstaltung E-Mails mit Gewalt- und Todesdrohungen. Die Droh-Mails kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. "Offenbar ist das über bestimmte Verteiler gegangen", mutmaßt die SPD-Politikerin. Diese E-Mails wolle sie bald bei der Polizei zur Anzeige bringen.  

"Nicht jeder ist so mutig wie der Mailkeller-Wirt"

Dass sie einen Brief an den Turneralm-Wirt geschrieben hat, rechtfertigt Graf gegenüber rosenheim24.de Sie sei mit dem Schreiben absichtlich nicht an die Presse gegangen, "um den Ball flach zu halten". In Regensburg hätte man mit solchen Briefen hervorragende Erfahrungen gemacht. Oft sei es so, "dass die Wirte wenig Ahnung haben, wer da bei ihnen Unterschlupf sucht." 

Bei der Turneralm hatte der Brief nichts bewirkt. Nicht jeder sei "so mutig wie der Wirt vom Mailkeller", erklärte die Politikerin abschließend. 

Quelle: rosenheim24.de

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