Trunkenheit ist kein Freibrief - Freizeitarrest für sinnlose Tat

Angriff auf einen Polizisten

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Rosenheim - Zum zweiten Mal fand sich jetzt ein 19-jähriger Azubi vor dem Jugendrichter wieder. Die erste Verurteilung war ihm offenbar nicht Warnung genug.

Bereits vor zwei Jahren hatte den Jugendlichen der Richter wegen einer Dummheit verwarnt. 80 Stunden gemeinnützige Arbeit sollten ihm damals klarmachen, dass Recht und Gesetz auch für junge Menschen gelten. Als der Angeklagte versuchte, den Hergang der ihm jetzt vorgeworfenen Tat zu schildern, gab es Kopfschütteln im Gerichtssaal.

Es war mal wieder hoch hergegangen am Salzstadel und die Videokamera-Überwachung in diesem Gebiet hat sich in der Tatnacht bewährt. Nicht, dass sie Übergriffe verhindern könnte, aber es ist schon hilfreich, weil damit die Ordnungshüter eskalierende Situationen erkennen und in Minutenschnelle eingreifen können.

So wurde in dieser Nacht auch ein Randalierer festgenommen. Als die Beamten den renitenten Mann am Boden fixierten, um ihn zum Revier mitzunehmen, kam der Angeklagte ohne weiteren Anlass hinzu und holte kräftig mit dem Fuß aus, um einen Polizisten zu treten, der den Unruhestifter ruhigstellen wollte.

"Ich weiß nicht mehr genau, was ich wollte", so der Angeklagte. Mit einem besonderen Verweis auf seinen Rausch vermutete er: "Wahrscheinlich, dass der Polizist aufhört, auf meinem Spezl zu knien." Völlig unüblicherweise hatte er nur diesen einen Tritt ausgeführt und war sofort wieder weggegangen. Der Beamte erklärte als Zeuge, dass ihn der Angeklagte kaum richtig getroffen hatte.

"Trotzdem", so Jugendrichter Herbert Schäfert, "ist das absolut inakzeptabel. Betrunken zu sein, ist gleich gar keine Ausrede."

Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Berufsleben hat der Angeklagte nun einen Ausbildungsplatz gefunden, wo er im zweiten Lehrjahr die Unterstützung des Lehrherrn hat und sich auch wohlfühlt.

Der Vater des Angeklagten erklärte, dass sein Sohn durchaus umgänglich und einsichtig sei. Das Problem wäre ausschließlich dessen Umfeld. "Er muss begreifen lernen, dass diese ,Freunde' keine wirklichen Freunde sind." Darüber hinaus befürchteten die Eltern, dass eine eventuelle Freiheitsstrafe ihren Sohn den Ausbildungsplatz kosten könne.

Richter Schäfert, der sich vorrangig als Helfer und nur im äußersten Notfall als Strafender versteht, beruhigte die Eltern. Niemals würde er der beruflichen Laufbahn eines Delinquenten im Wege stehen, sofern es nicht unabweisbar wäre. So verurteilte er den jungen Rosenheimer zu zwei Freizeit-Arresten, was ihn an zwei Wochenenden daran erinnern wird, wie er sich vernünftigerweise benehmen soll, verstärkt durch ein soziales Verhaltenstraining.

Richter Schäfert redete dem jungen Mann ins Gewissen: "Dieses Verhaltenstraining kostet die Gesellschaft 1200 Euro. Daran solltest Du erkennen, dass Du uns etwas wert bist."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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