Stadt und Tierschützer äußern sich zu Circus Krone

"Die Rosenheimer Bevölkerung ist überwiegend sehr tierlieb"

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Circus Krone
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Rosenheim - Vom 31. Mai bis siebten Juni wird der Circus Krone in Rosenheim auf der Lorettowiese gastieren und sein neues Jubiläums-Programm "Evolution" präsentieren. Doch das freut nicht alle Menschen in unserer Region. Stadt und Tierschützer beziehen Stellung:

Bereits am Freitag, den 26.Mai traf ein "Vorkommando des Circus Krone ein, um die vier riesigen Hauptmasten auf dem Festplatz aufzubauen. Die Lorettowiese ist deswegen seitdem teilweise gesperrt. Der Circus Krone gastiert nach Gastspielen in Ainring, Traunstein und Burghausen nun auch bei uns in Rosenheim. Das ruft aber nicht nur Befürworter auf den Plan. Tierschützer stellen sich gegen den Zirkus, das Aktionsbündnis  „Tiere gehören zum Circus“ hingegen positioniert sich auf der Gegenseite. 

Wir haben die Stadt Rosenheim sowie auch den örtlichen Tierschutzverein Rosenheim zum Circus Krone befragt.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer erhielt Brief von Tierschützern

Wie Christian Schwalm, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Rosenheim auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, hat Frau Oberbürgermeisterin Bauer bereits eine Anfrage einer regionalen Tierschutzorganisation zum Gastspiel des Zirkus Krone erhalten. Schwalm erklärte weiter, dass die Stadt bei ihrer Entscheidung selbstverständlich auch Tierschutzinteressen berücksichtigt habe. Eine „Schusslinie“ von Tierschützern sei laut Schwalm nicht erkennbar. 

Etwa 10 Zirkus-Anfragen pro Jahr

Wie viele Anfragen von Zirkusbetreibern bekommt die Stadt Rosenheim im Jahr eigentlich und nach welchen Kriterien wird ausgewählt, wer gastieren darf und wer nicht? "Es gehen etwa zehn Anfragen pro Jahr bei der Stadt ein. Die Stadt hat seit Jahren einen festen Rahmen, wann und welche Art von Zirkus zugelassen wird. Unter den Bewerbern werden nur renommierte Zirkusunternehmen ausgewählt, bei denen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit davon ausgegangen werden kann, dass sie die Belange des Tierschutzes gut umsetzen können. Vor Ort erfolgen regelmäßig Kontrollen unter Einbeziehung des Staatlichen Veterinäramtes. Sollten negative Erkenntnisse oder Erfahrungen bekannt werden, wird dies bei künftigen Entscheidungen berücksichtigt", so Schwalm.

Tierschützer sehen das Gastspiel des bekannten Zirkus kritischer. Andrea Thomas, erste Vorsitzende des Tierschutzverein Rosenheim e.V. hat sich auch ausführlich zum Gastieren des Circus Krone geäußert.

Hier ihre Stellungnahme im Wortlaut:

Als örtlicher Tierschutzverein befürworten wir das Gastieren des Circus Krone unter den gegebenen Voraussetzungen in unserer Stadt nicht. Wir sind der Auffassung, dass Tiere und insbesondere Wildtiere im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden können. Die Transporte, die bedingten Möglichkeiten zur Unterbringung der Tiere vor Ort, die Kunststücke, die dem natürlichen Verhaltensweisen der Tiere nicht entsprechen und nicht zuletzt der Lärm und die vielen Eindrücke, denen die Tiere im Alltag und bei Auftritten ständig ausgesetzt sind, entsprechen nicht ihren Bedürfnissen. 

"Wildtierverbot in deutschen Zirkussen"

Aus diesen Gründen kämpfen wir mit unserem Dachverband, dem Deutschen Tierschutzbund, für ein Wildtierverbot in deutschen Zirkussen. Damit stehen wir nicht alleine da. Immer wieder gibt es Vorstöße für ein entsprechendes Verbot. So reisen in einigen Städten die Zirkusse bereits ohne Wildtiere an. In Österreich gibt es schon seit Jahren ein Wildtierverbot im Zirkus. Die Bevölkerung ist mittlerweile deutlich kritischer geworden und hinterfragt immer mehr die Haltungsbedingungen und zweifelhaften Dressurmethoden im Zirkus. Trotzdem sehen sich viele Zirkusse aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Umstieg auf einen Zirkus ohne Tiere noch nicht in der Lage. Es muss also noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, um ein noch weitreichenderes Umdenken in der Bevölkerung zu ermöglichen. 

"Es geht auch anders" 

So hat der bekannte Circus Roncalli auf die zunehmende Kritik reagiert und angekündigt, Wildtiere nicht mehr in ihren Aufführungen zu präsentieren. Erst wenn das Publikum die lustigen Clowns, die geschickten Artisten und die erstaunlichen Zauberkunststücke, die im Zirkus geboten werden, ausreichend zu würdigen wissen und wegen ihnen in den Zirkus kommen, werden die Zirkusse bereit zu einer Umstellung sein. Häufig werden Kinder als Begründung für einen Zirkusbesuch vorgeschoben. Sie würden durch die Zirkusnummern mit den Tieren einen Bezug zu diesen aufbauen. Dem können wir nur widersprechen. Kinder sollten Tiere in einer Umgebung wahrnehmen und kennenlernen, die den Bedürfnissen der Tiere entspricht. Nur so können Kinder Wertschätzung für die Andersartigkeit der Tierwelt entwickeln und dieser respektvoll begegnen. Die Rosenheimer Bevölkerung ist überwiegend sehr tierlieb. Wir sind uns deshalb sicher, dass es viele Eltern gibt, die ihren Kindern erklären, warum ein Zirkusbesuch nicht im Sinne der Tiere sein kann und ihrem Nachwuchs stattdessen andere Möglichkeiten zum Kontakt mit Tieren ermöglichen."

Quelle: rosenheim24.de

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