IHK-Gremium Rosenheim diskutiert Brenner-Nordzulauf

Wieland: "Wir reden hier über viel heiße Luft"

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(v.l.) Prof. Walter Mayr, Gerhard Wieland, Andreas Bensegger und Wolfgang Janhsen bei der IHK-Ausschusssitzung am Dienstag
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Rosenheim - Seit 1985 ist der Brenner-Nordzulauf durch dass Inntal bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Passiert ist seither wenig. Das sorgt für Unmut auf österreichischer Seite:

Im Rahmen der Ausschusssitzung des IHK-Gremiums in Rosenheim am Dienstag wurde ein Thema besonders intensiv diskutiert. Der Nordzulauf für den Brenner-Basistunnel durch das Inntal beschäftigt die heimische Wirtschaft enorm. Gerhard Wieland, Referent für Schienenverkehr und ÖPNV bei der IHK, stellte die bisherigen Ergebnisse dar und ging dabei auch auf die Folgen der jüngst verabschiedeten Resolution und die Reaktionen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ein.

"Österreich ist sehr weit vorne"

Seit 1985 sei der Brenner-Nordzulauf durch dass Inntal bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Passiert sei seither aber wenig, stieg Wieland in die Betrachtung ein. Die Strecke, die bereits im Jahr 1860 gebaut wurde, könne nicht ohne weiteres ausgebaut werden. Zuerst müsse man das Gesamtbild betrachten, so Wieland, und weiter: "Der Brenner-Basistunnel ist das Herzstück eines Korridors mit 9.333 Kilometern Länge, inklusive aller Verästelungen. (...) Wir rechnen mit der Fertigstellung im Jahr 2026. In Sachen Zulauf ist Österreich sehr weit vorne. Was also passiert bei uns über das 2030 hinaus?"

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Der Referent rechne mit einem Zuwachs der Verkehre auf den heimischen Verkehrswegen bis 2030 von rund 43 Prozent. Die Folgen, so Wieland: Eine Engpasssituation im Inntal und ein drohender, volkswirtschaftlicher Schaden. Eine Lösung könnten kurz- und mittelfristig nur alternative Zulaufstrecken darstellen.

Zur Antwort von Bundesminister Dobrindt auf die Resolution der heimischen Gemeinden fand Wieland ebenso klare Worte: "Wir brauchen einen Zulauf. Ein transparenter Prozess dauert länger. (...) Noch reden wir hier über viel heiße Luft." Aussagen zur Einbindung des Ost-Korridors Mühldorf-Freilassing-Rosenheim als Ergänzung zum Projekt seien nicht getroffen worden. Ebenso wenig habe sich das Ministerium über mögliche Tunnellösungen beziehungsweise deren Finanzierung geäußert.

"Die Österreicher sind verärgert, ich bitte um Verständnis"

"Tirol wird nervös. Aktuell haben wir rund 2 Mio. Lkw auf den Straßen. Wir rechnen mit einem Zuwachs zwischen drei bis fünf Prozent pro Jahr", berichtete Prof. Walter Mayr, Vizepräsident der Euregio Inntal. In der gemeinsamen Planungsabstimmung zwischen Tirol und Bayern sei man schlicht noch nicht weit gekommen. "Wenn wir noch weitere 20 Jahre brauchen um fertig zu planen, dann dauert es bis 2050, bis alles fertig ist", so Mayr, und weiter: "Der Brennerzulauf wird ausgebremst. (...) So wie es jetzt läuft, kommen wir nicht voran."

Laut Wieland könne die Bahn auf der Bestandsstrecke die Kapazität durch höhere Taktung und längere Züge zwar übergangsweise ausgleichen, eine erhöhte Belastung, trotz besserem Lärmschutz, sei aber dennoch die Folge. Eine Tunnellösung, nach Vorbild des Nachbarlandes, halte er aber für unrealistisch. Eine Lösung die schlicht und einfach an der Finanzierung scheitern werde.

"Wir wissen, dass der Zulauf in Bayern nicht fristgerecht fertig werden wird", so Prof. Walter Mayr abschließend. Verwunderlich, sei doch sowohl Italien im Plan und auch Österreich mit den Maßnahmen bereits auf der Zielgeraden. Innerhalb weniger Jahre sei die Bestandsstrecke durch das Inntal im 19.Jahrhundert damals realisiert worden. Ein Tempo, das für die aktuelle Diskussion nur wünschenswert sein könne: "Die Österreicher sind verärgert, ich bitte um Verständnis", so Mayr.

Was braucht die Wirtschaft in der Region?

Gemeinsam will sich das Gremium und die IHK München nun in einer Stellungnahme zum Brenner-Nordzulauf äußern. Neben den Forderungen sollen dabei aber auch Lösungswege und Alternativen aufgezeigt werden. Laut Wieland dürfe dabei in erster Linie nur eine Regel gelten: "Wir müssen die bestmögliche Lösung bauen. Die Kosten dürfen dabei keine Rolle spielen."

Quelle: rosenheim24.de

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