Bundesverkehrsminister Dobrindt in Pang 

Brenner-Nordzulauf: "Mit der Region und nicht gegen die Region!"

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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versprach, die Belange der Bürger in die Planungen des Brenner-Nordzulauf einfließen zu lassen. Martin Grießer vom Bauernverband Pang (rechts) war es ein Anliegen, mit dem Minister persönlich in Kontakt zu treten. 
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Rosenheim/Pang - Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nutzte den Besuch am 8. Mai in Pang neben der Diskussion aktueller Verkehrsthemen auch für Wahlkampf. Überpünktlich kam er um kurz vor 19 Uhr vor den Toren des Festzelts an - und wurde sogleich von besorgten Bauern aus der Region ausgebremst:

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"Was passiert, wenn die Strecke kommt? Was wird aus unserem Land? Braucht's das ganze denn überhaupt?" Mit diesen Fragen überrannten die Vertreter des Bauernverbands Pang Bundesverkehrsminister Dobrindt. Martin Grießer erwartete noch vor dem Zelt im strömenden Regen Antworten vom Minister. "Die Panger Landwirte sind strikt gegen das Projekt Brenner-Basistunnel", stellte Grießer gleich zu Beginn klar und lenkte den Blick auf die Protestschilder, die die Bürger vor dem Zelt aufgestellt hatten. "Wir haben bereits so viel Land verloren, man denke nur an die Ortsumgehung, die Westtangente oder den Ausbau der A8. Beim Projekt Brenner-Basistunnel wollen wir zumindest mitreden können."  

Dobrindt hörte geduldig zu, konnte die Bedenken und Sorgen der Bauern nachvollziehen. Der Bundesverkehrsminister verdeutlichte aber auch, dass das Projekt kein Vorhaben sei, das von heute auf morgen umgesetzt werden könne: "Ein Bauprojekt wie der Brenner-Nordzulauf gehört ausreichend durchdacht und geplant. Das geht über Jahre. Das Planfeststellungsverfahren läuft, wir versuchen natürlich, die Belange der Bürger so gut es geht miteinzubeziehen. " Da seien unüberlegte Schnellschüsse gar nicht möglich.

Martin Grießer (links) erwartete Antworten vom Minister auf die vielen offenen Fragen bezüglich des Bauprojekts Brenner-Nordzulauf. 

"Wir wollen nicht einfach so enteignet werden!"

Im Inneren des Zelts sammelte sich binnen Sekunden eine Menschentraube um Dobrindt. Der hatte ein offenes Ohr für die Belange der Bürger. Unter ihnen war auch Margarethe Fischbacher, Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Pang, die dem Minister einen Mahnbrief übergab. Darin wird erklärt, der Ortsverband sei über die Pläne des Brenner-Nordzulaufs entsetzt und fordere den Minister auf, sich für die Heimat der Bürger stark zu machen und den Plänen ein Ende zu setzen. "Seit Jahren leiden die anliegenden Orte im Inntal unter massivem Verkehr", heißt es in dem Schreiben. "Seit Jahren werden durch die Infrastrukturmaßnahmen viele Hektar landwirtschaftliche Flächen verbraucht - so darf es nicht weitergehen!"

Ob Dobrindts Erklärungen Martin Grießer und die Panger zufrieden stellen? "Mei, sagen und versprechen kann er viel", resümierte Grießer schulterzuckend gegenüber rosenheim24.de. "Ob das auch wirklich umgesetzt wird und wir Bürger miteinbezogen, das muss man abwarten." Der Bauernverband Pang zeigt sich weiter kämpferisch: "Wir werden den Dialog weiter verfolgen, es war uns jetzt ein Anliegen, mit Dobrindt persönlich in Kontakt zu treten und unsere Ängste und Sorgen offen zu äußern. Wir wollen nicht einfach so enteignet werden!" 

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte ein offenes Ohr für die Befürchtungen der Panger Bürger in Bezug auf den geplanten Brenner-Nordzulauf.

"Mit der Region und nicht gegen die Region!"

Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig ergänzte, das Wohl der Menschen, die Umwelt und der Naturschutz hätten bei den Planungen des Brenner-Nordzulaufs oberste Priorität. Zudem sei es keine Selbstverständlichkeit, dass sich ein Minister derart Zeit nimmt für die Belange der Bürger. "Bereits am 6. März wurde das Thema angesprochen. Wir erwarten Zusagen von der Deutschen Bahn und werden Ausreden und Bagatellisierungen nicht akzeptieren - sonst setzt es massiven Widerstand in der Region", erklärte Ludwig in aller Deutlichkeit. 

Dass Alexander Dobrindt die Belange der Panger Bürger wirklich ernst nehme, das unterstrich er noch einmal in seiner Rede im Festzelt. "Die Anliegen der Region sind auch unsere Anliegen, denen wir uns annehmen und die wir vertreten. Wir wissen noch nicht hundertprozentig, wie sich die Strecke entwickelt, auch daher sind die Bedenken der Bürger vor Ort berechtigt." Dobrindt weiter: "Wir fangen frühzeitig mit den Planungsdialogen an, werden auch einen Mediator einbeziehen, sodass jeder in die Planungen um das Bauprojekt eingebunden wird." Das Motto, für das Dobrindt mit seiner Person stehe, müsse lauten: "Mit der Region und nicht gegen die Region!"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt: "Die Anliegen in der Region sind auch unserere Anliegen."

Bayern hat "eine großartige Tradition"

Neben dem Brenner-Nordzulauf sprach Dobrindt auch Themen der allgemeinen Bundespolitik im Hinblick auf den Wahlkampf an und ging zuerst auf die Integration ein: "Besonders hier in Bayern wird eine Leitkultur gelebt und bewahrt. Wir gehen offen miteinander um, verhüllen und verhängen uns nicht. Die Integration beginnt hier in Bayern, schließlich gibt es wohl keine Wanderkarawanen nach Nordrhein-Westfalen. Die Menschen wollen nicht ohne Grund alle zu uns." Allerdings erklärt Dobrindt auch deutlich, eine gelungene Integration könne nur gelingen, wenn es keine unbegrenzte Zuwanderung in Deutschland gebe. Ohne Obergrenze sei das System schlicht überlastet.  

Bayern habe laut Dobrindt eine großartige Tradition, die es zu bewahren gelte. In Bezug auf die Fortschrittsgedanken in Industrie und Technik müsse man allerdings diese beiden Faktoren miteinander vereinen. Die Digitalisierung müsse vorangetrieben werden, die Konkurrenz in China und den USA sei schließlich permanent präsent. "Wir dürfen hier im internationalen Wettbewerb nicht zurückfallen, auch um eine Arbeit für die nächste Generation zu garantieren. Nun heißt es, mit China und den Vereinigten Staaten auf Augenhöhe zusammen neue Technologien zu entwickeln. Mut, das sei Dobrindt klar, gehöre aber auch dazu. Nachdem sich Dobrindt im Laufe seiner Rede für die Maut, die Mütterrente und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags aussprach, erklärte er abschließend, jede Zeit bringe eine große Herausforderung mit sich - und dieser müsse man sich stellen. 

Eine Torte als Dank von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (links) und Daniela Ludwig - ein Versprechen, dass sich Alexander Dobrindt für die Belange der Bürger in Sachen Brenner-Nordzulauf weiter einsetzt.

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer bedankte sich am Ende der Veranstaltung bei Alexander Dobrindt für die Auseinandersetzung mit den Themen und überreichte gemeinsam mit Daniela Ludwig eine eigens für den Minister kreirte Torte. Darauf abgebildet: Dobrindt auf einem Schinenenzug sitzend, der gerade den Brenner-Basistunnel in Richtung Inntal passiert. Eine Zukunftsvision, deren Ausgang noch ungewiss ist.  

Brenner-Nordzulauf: Belange der Bürger ernst nehmen 

mb

Quelle: rosenheim24.de

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