Nach tödlichem Arbeitsunfall bei Eiselfing

Experte: "Überwachung der Vorschriften ist schwierig!"

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Rosenheim - Immer wieder liest man von Forstunfällen, die meist mit schweren Verletzungen, manchmal sogar tödlich ausgehen. Wie sehen eigentlich konkrete Verhaltensregeln für Arbeiten im Wald aus? rosenheim24.de sprach mit einem Experten:

Nach dem schweren Forstunfall am Dienstag in Eiselfing, bei dem ein Mann, der regelkonforme Ausrüstung trug, von einem Baum am Kopf getroffen wurde und dabei ums Leben kam, wurden auch kritische Userstimmen laut. Ein Leser stellte zum Beispiel fest, dass sich bei Baumfällarbeiten im Umkreis einer doppelten Baumlänge niemand außer des Maschinenbedieners aufhalten dürfe. Er vertrat die Meinung, wenn sich der tödlich verletzte Mann daran gehalten hätte, hätte der Unfall eventuell vermieden werden können.

Leider sind Forstunfälle mit schweren Verletzungen oder sogar tödlichem Ausgang keine Seltenheit. Erst am 19. Januar wurde zum Beispiel in Ampfing ein 19-Jähriger bei Baumfällarbeiten von einem Baum getroffen und musste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden

Die Unfallverhütungsvorschrift "Forsten"

Doch welche Vorschriften gelten eigentlich für Waldarbeiten? Fakt ist: Jeder, der gewerblich Holz fällt, muss einen Kettensägenschein besitzen. Dieser beinhaltet auch die Erläuterung der Unfallverhütungsvorschrift "Forsten", herausgegeben von der Bayerischen Landesunfallkasse. Liest man sie durch, findet man schnell einen Absatz, der besagt, dass vor dem Fällen geprüft werden muss, dass sichkeine Personen außer den Bedienern der Maschinen im Fällumkreis befinden. Dieser Umkreis ist die "Kreisfläche mit einem Halbmesser von mindestens der zweifachen Baumlänge um den zu fällenden Baum", so der Wortlaut.

In der Theorie ist das alles schön und gut, aber wie sieht es mit der Umsetzung in der Praxis aus? rosenheim24.de sprach mit Manfred Maier, der beim Forstamt Rosenheim für das Waldgesetz zuständig ist.

Lediglich ein kleiner Prozentsatz kann überprüft werden

Maier stellt von Anfang an fest, dass die Unfallverhütungsschrift nicht bloß eine lose Richtlinie sei. Verstöße gegen diese können als Ordnungswidrigkeit gewertet werden. Trotzdem, so räumt er ein, sei es natürlich schwierig, eine genaue Einhaltung der Vorschrift konsequent zu überprüfen. "Durch die Kontrolle der zuständigen Förster erreicht man lediglich einen kleinen Prozentsatz der Arbeitenden im Wald", so Maier. 

Er betont aber auch, es läge natürlich im eigenen Interesse der Waldarbeiter, die Regeln zu befolgen. "Richtlinien, wie die des Abstandes der doppelten Baumlänge beim Fällen sollen eben solche Vorfälle wie in Eiselfing verhindern", erklärt er. Denn ein Helm nütze dann nichts mehr: "Ein Helm dient lediglich zum Schutz vor herabfallenden Äste. Wenn man aber von einem ganzen Baum getroffen wird, hilft der leider nicht mehr viel."

Auch bei einer Baumfällung mit einem sogenannten Harvester, einer Holzvollerntemaschine, gelten die selben Regeln wie für die Fällung mit einer Motorsäge. 

Zum Schluss erinnerte Maier noch an das Kursangebot des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim. Bei mehrtägigen Motorsägenkursen lerne man zum Beispiel den richtigen Umgang mit der Maschine und werde natürlich auch mit den genaueren Details der Unfallverhütungsschrift vertraut gemacht, um möglichst sicheres Arbeiten im Wald zu ermöglichen.

Das sind die wichtigsten Punkte beim Baumfällen

  • Vor dem ersten Mal einen Motorsägenkurs besuchen, um über den richtigen Umgang und die richtigen Fälltechniken Bescheid zu wissen
  • Nie alleine arbeiten
  • Komplette Schutzausrüstung, bestehend aus Schutzhelm, Gehörschutz, Gesichtsschutz, Handschutz, Schnittschutzhose und Schutzschuhe mit Schnittschutz tragen
  • Nur bei Tageslicht arbeiten
  • Bei einer Baumfällung auf einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Baumlängen achten

fso

Quelle: rosenheim24.de

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