Malteser helfen auf dem Gelände der Bundespolizei

Frühstücksdienst im Akkord

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Unterstützung bekommen die Malteser um Stadt- und Kreisbeauftragten Hans Kerschbaumer (Mitte) inzwischen auch von Mitarbeitern lokaler Firmen wie Laurent (links) und Rosi.

Rosenheim - Seit über zwei Jahren versorgen die Malteser aufgegriffene Flüchtlinge auf dem Gelände der Bundespolizei – inzwischen mit Unterstützung von Freiwilligen im "Team Malta".

Gitta hat das Frühstück schon vorbereitet – wie fast jeden Tag. Die erfahrene Malteser Helferin hat in der Küche im Untergeschoss des Malteserhauses Toastbrot, Marmelade, Honig und etwas Zucker auf Papptellern zusammengestellt und diese sorgfältig in Kartons gestapelt.

200 Portionen werden heute Morgen für die Flüchtlinge, die bei der Rosenheimer Bundespolizei auf die Registrierung und Weiterverteilung warten, benötigt.

Mitarbeiter von Schattdecor im freiwilligen Einsatz

Drei der neuen Helfer begrüßt Gitta an diesem Morgen im Malteserhaus. Rosi, Laurent und Albin beginnen ihren Arbeitstag ausnahmsweise nicht am Firmencomputer, sondern im Keller des Malteserhauses. Sie bekommen eine "Team Malta"-Weste und eine kurze Einführung. Dann werden zwei Servierwägen mit den vorbereiteten Frühstücksportionen, zwei große Kanister Tee und viele Liter Milch ins Auto geladen. "Wenn viele Afghanen dabei sind, brauchen wir viel Milch", weiß Kerschbaumer. "Ansonsten nehmen die meisten lieber einen warmen Tee."

Auf dem Gelände der Bundespolizei teilen sich die Helfer auf. Eine Ausgabestelle wird in der Aufnahmestation, der Turnhalle, eingerichtet, wo die Neuaufnahmen die Nacht auf Feldbetten verbracht haben. Gruppenweise treten Männer und einige Frauen mit müden Gesichtern an, um ihr Frühstück entgegenzunehmen. Ihre Papparmbänder werden gekennzeichnet, damit sich niemand doppelt anstellt.

"Chai" oder "halil"?

Rosi, Laurent und Hans Kerschbaumer schenken Tee und Milch ein und geben die vorbereiteten Pappteller aus. Die Atmosphäre ist ruhig, irgendwie beklemmend.

Eine vorbereitete Frühstücksportion mit „Chai“ (Tee) oder „Halil“ (Milch) bekommt jeder der Asylsuchenden nach einer Nacht in der Turnhalle der Bundespolizei.

Währenddessen übernehmen Gitta und Albin die Versorgung im sogenannten EXIT-Bereich. Hier werden die Flüchtlinge registriert und mit Frontfoto und Fingerabdrücken erkennungsdienstlich behandelt. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden dann in die Obhut des Jugendamtes übergeben, alle anderen werden dort abgeholt und in eine Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet.

Die letzten sieben Portionen bringen Rosi und Kerschbaumer zu den Zellen, für inhaftierte Schleuser und andere Personen, gegen die zum Beispiel ein Haftbefehl vorliegt.

Auf dem Rückweg zur Dienststelle verabreden sich Rosi, Laurent und Albin für den kommenden Freitag. Gemeinsam wollen sie ein weiteres Mal helfen. Auch Gitta wird da sein - wie fast jeden Tag. "Nur morgen bin ich nicht da", sagt sie lächelnd. "Da mache ich einen Ausflug."

Vor über zwei Jahren begannen die Einsätze

Seit Mitte August 2013 sorgen die Malteser im Auftrag der Bundespolizei für die Versorgung der aufgegriffenen "illegal Eingereisten" – wie es offiziell heißt. "Zunächst waren es nur einzelne Tage, im Winter war fast gar nichts los, doch dann wurde es immer mehr", berichtet Hans Kerschbaumer, Stadt- und Kreisbeauftragter der Rosenheimer Malteser, der die Einsätze koordiniert und meist selbst mit vor Ort ist. "Seit 1. Juni liefern wir jeden Morgen und jeden Abend die benötigte Verpflegung und geben sie an die Menschen aus", berichtet er.

Unterstützung aus der Wirtschaft

Als Hilfsorganisation im Katastrophenschutz mit einer Schnelleinsatzgruppe Verpflegung verfügen die Malteser über eine geeignete Struktur, um kurzfristig Personal und Material für die Versorgung vieler Menschen mit Essen und Getränken zu organisieren. Doch nach vielen Monaten mit immer schneller aufeinanderfolgenden Einsätzen war für viele der ehrenamtlichen Helfer, die in der Regel auch einem Beruf nachgehen und auch andere Einsätze stemmen müssen, die Grenze der Belastbarkeit erreicht.

"Als verwitwete Rentnerin habe ich viel Zeit", meint Gitta, deren erwachsene Kinder auch bei den Maltesern aktiv sind. "Aber die anderen müssen ja auch noch zur Arbeit gehen und sich um ihre Familien kümmern."

Nachdem alleine im Monat Juni 16.000 Essensportionen auszugeben waren, baten die Malteser die Bevölkerung um Unterstützung. Über 100 Freiwillige meldeten sich. Lokale Firmen wie Schattdecor, Marc O‘Polo und Steelcase bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl von Einsätzen während der Arbeitszeit zu absolvieren. Die Freiwilligen können sich einfach vom Firmencomputer aus in den Internet-Dienstplan eintragen.

Langfristige Mitarbeit

Aktuell ist der Personalpool für das "Team Malta" ausreichend groß. Wer Interesse an einem Engagement als ausgebildeter Malteser Helfer hat, kann sich auf der Homepage unter www.malteser-rosenheim.de über die verschiedenen Einsatzbereiche informieren oder mit Horst Rapphahn, Leiter Einsatzdienste, unter Telefon 0151-42202682 ein unverbindliches Informationsgespräch vereinbaren.

Pressemitteilung Malteser Hilfsdienst e.V., Gliederung Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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