Welche Tiere sollten wir wirklich schützen?

Welttierschutz-Tag: Antworten vom Zoo-Direktor

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Rosenheim - Am Sonntag ist Welttierschutztag. Doch was ist das eigentlich und welche Tiere sollten wir am meisten schützen? Der Direktor des Frankfurter Zoos gibt Antworten.

Fünf Fragen an Prof. Dr. Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos. Im Begleitbuch zur Ausstellung "REGENWALD" befasste er sich mit der biologischen Diversität als Ressource und Menschenrecht.

Was ist Ihre Botschaft zum Welttierschutztag?

Dieser Tag lenkt den Blick auf das individuelle Wohlergehen der Tiere, ganz gleich ob es Haustiere sind oder Vertreter wildlebender Arten, und ganz unabhängig von ihrem Gefährdungsstatus. Die Massentierhaltung ist hier sicher ein großes Problem. Würden die Verbraucher beim Einkauf von Fleisch mehr auf Qualität achten als auf möglichst niedrige Preise, wären wir schon ein Stück weiter. Insgesamt müssen wir eh dahin kommen, den Fleischverbrauch zu senken. Das dient unserer Gesundheit und der Umwelt, denn die durch Massentierhaltung bedingte Belastung unserer Böden und Gewässer mit Gülle ist eines der ganz großen und bislang sträflich vernachlässigten Umweltprobleme.

Sie setzen sich sehr für die Erhaltung der biologischen Diversität ein. Warum ist die biologische Diversität für Sie ein Menschenrecht?

Diversität ist für die Menschheit Nahrung, Versicherung, Risikovorsorge und Lebensqualität. Sie bildet die Ökosysteme, deren Dienstleistungen für uns unverzichtbar sind, etwa die Bereitstellung von sauberer Luft und fruchtbaren Böden, die Bestäubungsleistungen der Insekten, die Regulierung des Wasserhaushaltes, Erosionsschutz, Erholung. Die Liste dieser Dienstleistungen ist endlos lang. Die aktuellen Flüchtlingsströme aus Afrika sind teilweise ausgelöst, weil die Menschen dort ihre natürlichen Lebensgrundlagen verloren haben.

Über die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten findet man in den tropischen Regenwäldern. Warum gibt es dort eine so große Vielfalt?

Ganzjährig hohe Temperaturen, schnelle Generationenfolge, das Fehlen der Eiszeiten, welche die Evolution bei uns in geologischen Zeiträumen immer wieder unterbrochen haben, sind nur einige der Faktoren, welche zum Artenreichtum der Tropen geführt haben. Insbesondere aber ist es der dortige Mangel an Nährstoffen im Boden, der verhindert, dass einige wenige Arten alle anderen dominieren. In den Tropen müssen also viele Spezialisten mit ganz unterschiedlichen Strategien versuchen, an die wenigen Nährstoffe zu kommen. Es klingt paradox, aber in der Tat ist es vor allem der Mangel an "fruchtbaren Böden", der die hohe Diversität in den tropischen Regenwäldern bedingt.

Wie viele Arten verschwinden jährlich? 

Wir wissen ja nicht einmal annähernd, wie viele Arten es auf der Erde gibt, und entsprechend wissen wir auch nicht, wie viele Arten jährlich aussterben. Was wir aber wissen ist, dass der massive Artenschwund menschengemacht ist und die Aussterberaten teilweise 1000-mal höher sind als unter natürlichen Umständen.

Was ist für Sie das schützenswerteste Tier des Jahres und warum?

Ich kann und mag hier nicht eine einzelne Art herausgreifen. Nach der internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind über 16.000 Arten bedroht, sie alle bedürfen dringend des Schutzes, vor allem vor der Wilderei und der Zerstörung ihrer Lebensräume.

Pressemitteilung VERANSTALTUNGS + KONGRESS GmbH Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Prof. Dr. Manfred Niekisch

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