Fehlende Hausnummern behindern Einsätze

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Gruppenführer Thomas Dorsch von der Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim (mit blauer Weste) und seine Leute auf der Suche nach dem Einsatzort. Ein Hausnummernschild ist nicht vorhanden.

Rosenheim - Immer wieder ist es für die Feuerwehr bei Einsätzen schwierig ihren Einsatzort zu finden. Schuld daran sind häufig fehlende oder schlecht zu erkennende Hausnummern.

So muss das Hausnummernschild nach der in Rosenheim gültigen Satzung aussehen: Ein blaues Schild mit mindestens 150 x 150 mm Größe und weißen Ziffern mit mindestens 84 mm Höhe. Hilfreich für die Einsatzkräfte in der Nacht sind reflektierende Ziffern, wie auf diesem Schild.

Mieter eines Mehrfamilienhauses in Bahnhofsnähe bemerken Brandgeruch, der aus einer Wohnung dringt. Da die Nachbarin auf Klingeln und Anrufe nicht reagiert, alarmieren die aufmerksamen Mieter die Feuerwehr über Notruf 112. Schon wenige Minuten danach trifft das erste Löschfahrzeug aus der Hauptfeuerwache in der angegeben Straße ein. Doch dessen Besatzung findet das Haus nicht. Rauch oder Flammen sind nicht zu erkennen, eine Hausnummer fehlt, niemand steht auf der Straße. So lässt Gruppenführer Thomas Dorsch seine Mannschaft aussteigen und auf beiden Seiten der Straße nach dem Einsatzort suchen. Wertvolle Zeit vergeht, bis die Helfer eingreifen können.

Schnell auf dem Weg zum Einsatzort: Dank einer gut sichtbaren Hausnummer verlieren die Hilfskräfte keine Zeit mit der Suche nach dem angegebenen Haus.

Keine ungewöhnliche Situation für die Feuerwehr oder den Rettungsdienst. „Es gibt immer wieder Einsätze, bei denen wir das angegebene Haus nicht sofort finden. Entweder fehlt die Hausnummer ganz, oder sie ist nicht zu erkennen“, berichtet Rosenheims Stadtbrandrat Hans Meyrl aus der Praxis. Thomas Neugebauer, der Leiter des Rettungsdienstes beim BRK-Kreisverband Rosenheim, kann dem nur zustimmen: „Wir rücken schnell aus und sind in kurzer Zeit am angegebenen Einsatzort. Doch dann vergehen oft wertvolle Minuten, bis wir tatsächlich beim Patienten sind. Manchmal müssen wir eine Straße mehrmals rauf- und runterfahren, bis wir das Ziel gefunden haben“, so Neugebauer. Dabei kann es um Sekunden gehen, etwa bei einem Herz-Kreislaufstillstand. „Jede Minute Verzögerung verringert die Chance des Patienten um zehn Prozent, den Vorfall ohne bleibende Schäden zu überstehen“, erklärt Neugebauer.

Für die Stadt Rosenheim gilt die „Straßennamen- und Hausnummernsatzung“ aus dem Jahre 1978. Darin ist genau festgelegt, wie groß das Hausnummernschild sein muss („mindestens 150x150 mm“), wie hoch die Ziffern sein müssen („mindestens 84 mm“) und welche Farben vorgeschrieben sind („weiße Zahl auf dunkelblauem Grund“). Die Satzung regelt auch, wie und wo die Hausnummernschilder angebracht werden müssen und wer sie „anschaffen, anbringen, unterhalten und erneuern muss“, wer also dafür zahlen muss – nämlich der jeweilige Grundstückseigentümer. Allerdings handelt es sich um keine „bewehrte Satzung“, weshalb ein Bußgeldverfahren gegen Eigentümer, die keine Hausnummern anbringen, nicht möglich ist. „Bauherren erhalten mit der Baugenehmigung bei Neubauten ein Merkblatt zur vorgeschriebenen Gestaltung und den Anbringungsort der Hausnummernschilder. Bis jetzt haben erfahrungsgemäß wiederholte Anschreiben oder Erinnerungen ausgereicht“, sagt Rosenheims Ordnungsdezernent Herbert Hoch.

So bleibt nur der Appell an alle Bürger, für klar erkennbare Hausnummern zu sorgen. Denn selbst in Zeiten von Navigationsgeräten finden Feuerwehr, Notarzt und Rettungsdienst oder die Polizei den Weg zur Einsatzstelle mit Hilfe von Hausnummern und Hinweisschildern schneller. Und ganz nebenbei: Auch Pizzaboten, Paketzusteller oder Handwerker freuen sich, wenn sie ohne langes Suchen zur angegebenen Adresse finden. Auch wenn es dabei nicht um Leben oder Tod, sondern vielleicht nur um eine warme oder kalte Pizza geht.

Tipps, um Einsatzkräfte zusätzlich zu unterstützen

- Wenn möglich, stellen sie nach dem Notruf über die 112 einen Einweiser auf die Straße, der die ankommenden Hilfskräfte schnell an den Einsatzort führen kann.

- Machen Sie das Licht vor dem Haus und in der Wohnung an.

- Öffnen Sie die Haustüre.

- Wenn Ihr Auto vor dem betreffenden Haus parkt, machen sie die Warnblinker an.

- Sorgen sie bei Mehrparteienhäusern dafür, dass sich am Klingelschild klar ablesen lässt, wer in welchem Stock wohnt.

Martin Binder

Quelle: rosenheim24.de

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