Helferkreis wehrt sich nach Messerattacke in Rosenheim

"Die AfD sabotiert die Integration mit Hetze und scharfer Rhetorik!"

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Rosenheim - Nach der Messerattacke eines Eritreers (22) gegen ein 16-jähriges Mädchen in einer Diskothek hatte die AfD Rosenheim eine politische Diskussion entfacht und dabei auch Asylhelfer scharf angegriffen. Jetzt setzt sich ein Helferkreis zu Wehr.

AfD-Landtagskandidat Andreas Winhart hatte unter anderem gefordert, dass die Arbeit der Migrations- und Asylhelfer-Vereine in Zukunft viel stärker überwacht werden müsse. "Die Helferkreise werden stets in den Himmel gelobt, in der Realität haben wir aber gehäuft Übergriffe und Vorfälle in Straftatbereich durch die Betreuten. Die Kreise arbeiten nicht ordentlich bzw. sind dazu nicht in der Lage. Nur mit Fahrrad basteln, Stühle bemalen und gutem Zureden wird niemand von derartigen Taten abgehalten", so Winhart.

Das sieht man beim Helferkreis der Bürgerstiftung Rosenheim naturgemäß anders. Dort wehrt man sich gegen die scharfe Kritik mit deutlichen Worten. "Es ist schon verwunderlich, dass sich die AfD, eine Partei, die bisher nicht gerade durch die konstruktive Förderung der Integrationsarbeit von Neuzugewanderten heraussticht, sich herausnimmt, über die Arbeit zahlloser ehrenamtlich engagierter Bürger und Helferkreise zu urteilen. Fast alle Rosenheimer Stadtratsparteien haben sich bei uns schon über unsere Projekte und über die Herausforderungen bei unserer Arbeit mit Geflüchteten erkundigt und informiert. Die AfD hat aber noch nie bei uns angefragt oder gar angeregt, wie die schwierige und zum Teil sehr belastende Arbeit der Ehrenamtlichen in Rosenheim verbessert werden könnte", erklärte Christian Hlatky vom Projekt "Paten für Geflüchtete" der Bürgerstiftung Rosenheim.

Trotz schwierigster Voraussetzung würden sich täglich Menschen für ihre neuen Mitmenschen in ihrer Freizeit unentgeltlich einsetzen. In Rosenheim sind dies bis zu 200 Bürger und Bürgerinnen. "Alle versuchen in der wenigen Zeit neben ihrer Familie und ihrem Beruf die Gesellschaft zusammenzubringen, nicht noch mehr zu spalten und niemanden auszugrenzen. Arbeitsverbote, Abschiebungen und Wohnraummangel sind die großen Herausforderungen der Geflüchteten, die mit ihren Sorgen und Ängsten oft nur bei den Ehrenamtlichen Gehör finden", sagte Hlatky. Unter anderem helfen die Ehrenamtlichen bei Antragstellungen, stellen Kontakte zu Vereinen her oder helfen beim Deutsch lernen.

"Arbeit zu diskreditieren, ist erbärmlich!"

"Dass man jetzt diese herausfordernde Arbeit der Ehrenamtlichen auf übelste Weise diskreditiert und den Helferinitiativen unordentliches Arbeiten unterstellt, ist genauso erbärmlich, wie der Versuch diesen tragischen Angriff für sich politisch zu nutzen. Integration ist ein wechselseitiger Prozess zwischen der immigrierenden und der aufnehmenden Gesellschaft. Die AfD sabotiert diesen Prozess mit ihrer Hetze und scharfen Rhetorik regelmäßig. Dann aber den ehrenamtlichen Helfern die Schuld und Verantwortung für missglückte Integration und letztendlich auch für diesen grausamen Angriff zuzuschieben, ist ekelhaft", sagte Hlatky.

Noch schlimmer ist laut Hlatky die Tatsache, dass die genauen Umstände dieser Tat noch überhaupt nicht aufgeklärt sind, die AfD aber vor Abschluss der Ermittlungen schon wisse, welche Konsequenzen zu ziehen seien. Die vielen positiven Beispiele für gelungene Integration in der Region würden die Helfer vielmehr bestärken, mit ihrer Arbeit fortzufahren. "Wir wünschen der jungen Schülerin alles Gute und schnelle Genesung", so Hlatky abschließend.

Bei dem Übergriff in der Nacht auf Samstag war das Mädchen gegen 0.45 Uhr auf der Tanzfläche von dem Eritreer mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Nach dem Vorfall waren viele Fragen zunächst offen geblieben. Inzwischen hat jedoch auch der Betreiber der Diskothek eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben.

mw/mz

Quelle: rosenheim24.de

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