Gespräch mit der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

Prostitution in Rosenheim: Floriert deswegen die Kriminalität?

Rosenheim - Rosenheim ist groß. So groß sogar, dass dort Prostitution erlaubt ist. Doch wie sieht es in diesem Millieu aus? Ist es ruhig, oder ist die Polizei angesichts einer inflationären Anzahl von Straftaten überfordert? Im Gespräch mit der Pressestelle der Polizei erfuhren wir mehr.

Rosenheim ist eine Stadt mit über 50.000 Einwohnern. Aus diesem Grund darf in dieser Stadt Prostitution angeboten werden. In einem Artikel, der am Dienstag erschienen ist, wurde darauf hingewiesen, dass sich die Polizei "die Kontrollen nicht aus den Rippen schneiden kann." Doch floriert deswegen in Rosenheim die Kriminalität?

"Nein!", teilte die Pressestelle der Polizeiinspektion Oberbayern Süd auf Nachfrage von rosenheim24.de mit. Natürlich gebe es immer wieder kleinere Vergehen, aber allgemein sei es ruhig. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass Rosenheim doch eine kleinere Stadt ist - im Vergleich zu München oder Augsburg. 

Warum ist es in Rosenheim so ruhig?

Deswegen konnten auch bisher nur einzelne Vertreter von Gruppierungen, die auch ihr Geld mit Prostitution verdienen, zum Beispiel die Rockergruppen Bandidos oder United Tribunes, in der Stadt Fuß fassen. Ein fast noch größerer Mitindikator sei, dass die Polizei stets in Kontakt mit den Betreibern der Etablissements und den knapp 100 Prostituierten überwiegend osteuropäischer Herkunft stehe. Überdies sei eine gute Zusammenarbeit dadurch möglich, weil die fünf örtlichen Bordelle schon lange in Rosenheim ansässig sind, so die Pressestelle weiter.

Im Gegensatz zu München besitze das Polizeipräsidium Oberbayern Süd keine spezielle Abteilung für das Rotlichtmillieu. Das liegt wohl aber auch daran, dass Rosenheim mit seinen knapp über 60.000 Einwohnern die einzige Stadt im Inspektionsbereich ist, in der Prostitution möglich ist. 

Wo liegen die Straftaten im Milieu?

Dennoch kümmern sich laut Auskunft der Pressestelle vier Personen der Kriminalpolizei in regelmäßigen Abständen darum, dass alles im Lot ist.Dabei würden gezielte Überprüfungen von Personen durchgeführt. Beispiele sind Kontrollen von Verstößen gegen die Hygieneverordnung, also wenn ein Freier beim Geschlechtsverkehr kein Kondom trägt, Überprüfung des Mindestalters von 21 Jahren oder einer EU-Bürgerschaft von Prostituierten. Wenn diese keine EU-Bürger sind, wird gecheckt, ob diese Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis besitzen. Ebenso geschehen ab und an Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, also der Besitz, Verkauf oder Konsum von Drogen, so die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Trotz alledem kann die Dunkelziffer solcher Vergehen höher sein. Besonders im Bereich von Gewalt gegen Prostituierte erfordere es laut der Polizeipressestelle viel Mut, diese zur Anzeige zu bringen und darüber auszusagen und gleichermaßen auch den Polizisten zu vertrauen. Ebenso gestalte es sich schwierig, für Aussagen einen Dolmetscher zu finden, der nicht weniger vertrauensvoll sein dürfe. Dadurch, dass auch noch oftmals ein beiderseitiges Interesse bestehe, solche Taten nicht anzuzeigen (es wurde mit Bierzeltschlägereien vergliechen), sei es insgesamt ein schmaler Grat zwischen dem Feststellen von Gewalttaten und dem Verurteilen von Tätern, der dann nicht selten im Sande verlaufe. Zumal sich dies meist hinter in geschlossenen Räumen abspielt, gilt auch hier der Spruch: "Wo kein Kläger, da kein Richter."

Auswertung unserer Umfrage

Dass Prostitution in Rosenheim erlaubt ist, stört die Rosenheimer offenbar nicht: In einer Online-Umfrage von rosenheim24.de mit über 2000 Teilnehmern hatte der größte Teil kein Problem mit der hiesigen Prostitution. Knapp über 80 Prozent (1911 Personen) war dieser Ansicht; lediglich etwas weniger als 20 Prozent, 472 Personen, hielten dem dagegen.

srs

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Picture Alliance / dpa

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