Überdurchschnittliches Interesse am deutschen Pass

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Einbürgerung ist zumindest in der Stadt Rosenheim bei ausländischen Mitbürgern gefragt.

Rosenheim - Einen deutschen Pass wollen nicht alle. Zwar locken die Freiheit der Berufswahl und das Wahlrecht, doch viele scheuen den letzten Schritt. Nicht so in der Stadt Rosenheim:

Hier haben im vergangenen Jahr 75 ausländische Bürger den deutschen Pass erhalten, 21 mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus Zahlen des Landesamtes für Statistik hervor.

Einen rechtlichen Einbürgerungsanspruch hat, wer mindestens acht Jahre rechtmäßig im Land lebt. Der Einbürgerungswillige muss sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen, er darf keine Vorstrafen haben und muss seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten können. In der Stadt Rosenheim erhielten 53 Zuwanderer auf dieser Rechtsgrundlage ihren deutschen Pass. Des Weiteren wurden acht Ehegatten oder minderjährige Kinder gleich mit eingebürgert.

Als zweite Kategorie gibt es die Soll-Einbürgerungen, die ausländische Ehe- oder Lebenspartner Deutscher betrifft. Fünf Fälle fielen unter diesen Paragrafen. Des Weiteren gab es noch acht sogenannte Ermessenseinbürgerungen, wenn der Migrant zwar noch keine acht Jahre im Land lebt, aber alle sonstigen Anforderungen erfüllt. Und schließlich eine Einbürgerung aus sonstigen Gründen.

Auf alle Einbürgerungswilligen wartet ein Sprachtest und seit September 2008 der heftig umstrittene Einbürgerungstest. Das heißt, sie müssen 17 von 33 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren richtig beantworten. Also etwa, dass wir an Weihnachten keinen Kürbis vor die Tür stellen, dass Anne (13) und Tim (25) nicht als Paar zusammenleben dürfen, dass das bayerische Wappen weiß-blau ist und dass die Römischen Verträge die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) besiegelten.

Doch das Interesse der Zuwanderer am deutschen Pass nimmt ab, trotz steigender Ausländerzahlen. In Bayern ließen sich vor zehn Jahren noch rund 22.000 Migranten einbürgern. Mittlerweile sind es rund 10.000 weniger. Es leben also noch viele Fremde hier ohne Wahlrecht und politische Mitgestaltungsmöglichkeiten. Soziologen sehen diese Entwicklung kritisch. Zum einen wachse die Kluft zwischen Wohn- und Wahlvolk beständig, zum anderen sei Integration ohne die hiesige Staatsbürgerschaft nicht möglich.

In der Stadt Rosenheim erhielten 75 ausländische Bürger einen deutschen Pass, 21 mehr als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 ließen sich hier noch 151 Zuwanderer einbürgern.

Somit entschieden sich in Rosenheim in den vergangenen fünf Jahren 378 Migranten für den deutschen Pass.

In Baden-Württemberg tritt derzeit die Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) für die doppelte Staatsbürgerschaft für alle Ausländer ein. In Bayern besitzen rund 1,1 Millionen Einwohner und damit 8,7 Prozent einen ausländischen Pass. 

Die doppelte Staatsbürgerschaft ist bisher zwar nur in Ausnahmefällen möglich und dennoch behielt im Jahr 2010 mehr als die Hälfte aller Eingebürgerten im Freistaat ihren früheren Pass. Rechtlich möglich ist dies beispielsweise bei Bürgern aus der Europäischen Union. Bürger aus dem Iran, aus Afghanistan oder dem Libanon werden ohnehin nicht aus ihrer Staatsbürgerschaft entlassen. Für alle anderen gilt, wer Deutscher werden will, muss seinen alten Pass abgeben. In Deutschland geborene Kinder von Ausländern müssen sich mit Beginn der Volljährigkeit für einen Pass entscheiden.

Nach Einzelstaaten betrachtet, bleibt die Türkei stärkstes Herkunftsland. Im Jahr 2010 stellten die türkischen Zuwanderer rund 18 Prozent aller 12.021 Eingebürgerten, weil sie auch die Mehrheit unter den hier lebenden Ausländern stellen. Mit deutlichem Abstand folgten dann Bürger aus dem Irak (7,7 Prozent) und Rumänien (7,1 Prozent).

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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