Stellenabbau bei Kathrein in Rosenheim

Hafner: "Müssen damit rechnen, dass die Besten gehen"

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Rosenheim - Jochen Hafner hat die Verhandlungen um den bevorstehenden Stellenabbau im Betriebsrat von Kathrein als Vertreter der IG Metall begleitet. Wie er die Entwicklungen deutet:

"Wir haben von Anfang an die Risiken aufgezeigt, sind zu den einzelnen Leuten gegangen und haben um ihr Vertrauen geworben", so beschriebt Jochen Hafner, 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall, den Prozess bei den Rosenheimer Kathrein Werken, der nun zu einem Wegfall von 260 Stellen geführt hat. Im Gespräch mit rosenheim24.de zeigte sich der Gewerkschaftler auf der einen Seite erleichtert, dass keine betriebsbedingten Kündigungen ausgestellt werden mussten. Auf der anderen Seite warnt Hafner aber vor Entwicklungen, die dem Rosenheimer Elektronik-Hersteller neue Probleme bereiten könnten.

Arbeitsverträge werden im Stundenumfang reduziert

Was die Stadt zu den Maßnahmen bei Kathrein sagt, lesen Sie hier.

"Im Tarifvertrag ist eigentlich eine 35-Stunden-Woche vorgesehen. In speziellen Fällen konnte das aber auf 40 Stunden erweitert werden", erklärt Hafner zu den noch anstehenden Maßnahmen, die den Konzern im internationalen Wettbewerb wieder fit machen sollen. Ein Teil eben dieser Verträge soll nun aber wieder auf 35 Stunden zurückgefahren werden. "Da stellte sich für uns von Beginn an die Frage, mit welcher Begründung diese Stunden reduziert werden sollen, wenn der Angestellte doch vorher 40 Stunden für seine Arbeit gebraucht hat", so Hafner kritisch.

Jochen Hafner ist 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall

Schließlich habe sich aber ergeben, dass zu dem Abbau der Stellen, eben auch Stundenkürzungen nötig seien. "Sowohl die Notwendigkeit der Maßnahme als auch die Tatsache, dass die Zukunft des Unternehmens gesichert sein muss, wurden überprüft und auch bestätigt. (...) Zusammen haben diese Maßnahmen auch Aussicht auf Erfolg", fasst der Bevollmächtigte der Gewerkschaft zusammen. In welchen Abteilungen und in welchem Umfang die Stunden reduziert werden, konnte Hafner nicht abschließend bestätigen: " Sicher ist nur, dass das natürlich einen enormen Entgelt-Verlust für den einzelnen Betroffenen darstellt."

"Wir haben um jeden Arbeitsplatz gekämpft"

Dass am Ende doch mehr Stellen als ursprünglich gedacht betroffen waren, führt Hafner auf die Entwicklungen am internationalen Markt zurück. Die Zahl der Stellen habe sich im Zuge der Verhandlung sehr schnell erhöht. Dennoch zeigt sich der Gewerkschaftler mit dem Ergebnis grundsätzlich zufrieden: "Über das Freiwilligen-Programm konnten wir sicherstellen, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen gekommen ist", so Hafner weiter. Entweder über Abfindungen oder Aufhebungsverträge samt Übergang in eine Transfergesellschaft, habe das Unternehmen zugleich den Forderungen der Banken und auch den Angestellten gerecht werden können.

Jochen Hafner bleibt zuletzt aber skeptisch und mahnt zur Vorsicht: "Das Klientel, das (von den Stundenreduzierungen) betroffen ist, siedle ich eher im Entwickler-Bereich an. (...) Mit der Stadt Rosenheim im Einzugsbereich von München muss damit gerechnet werden, dass die Besten in der Firma dennoch weg gehen." Somit würde Kathrein die Personengruppe, die eigentlich durch die Maßnahmen gehalten werden soll, dennoch langfristig verlieren.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © IG Metall/pa

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