Eigene Tochter jahrelang eingesperrt?

Hier spielte sich das Drama von Rosenheim ab

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Rosenheim - Am Dienstag wurde eine junge Frau von der Polizei befreit, die in einer Wohnung in der Oskar-Maria-Graf-Straße gefangen gehalten wurde. Ihre Mutter stürzte sich zuvor in die Tiefe. *NEU: Video*

Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Am Dienstagvormittag befreiten Polizisten eine völlig verwahrloste, 26-jährige, geistig behinderte Frau aus einem verschlossenen Zimmer.
  • Angelika E. (54), vermutlich ihre Mutter, stürzte sich kurz zuvor das Treppenhaus hinunter, als ihre Wohnung durch Gerichtsvollzieher zwangsgeräumt werden sollte.
  • Beide Frauen befinden sich in ärztlicher Behandlung und sind nicht vernehmungsfähig.
  • Die Kripo befragt nun Nachbarn, um Licht in den Fall zu bringen.
  • Möglicherweise wurde die 26-Jährige über Jahre eingesperrt und gefangen gehalten.
  • Die Kripo ermittelt nun unter anderem wegen einer möglichen Freiheitsberaubung.
  • Die Stadt will zu eventuellen Versäumnissen der Behörden derzeit noch keine Stellung abgeben. 

++ NACHBARIN WIRFT VÖLLIG NEUES BILD AUF DAS DRAMA: Lesen Sie hier ihre Aussagen vom Mittwoch: "Darum war Nadine eingesperrt ++

UPDATE 18.30 Uhr: Video-Interview mit Nachbarn

Im Video-Interview schildert ein Paar aus der Nachbarschaft, wie sie die Familie und die Mutter Angelika E. erlebte. "Früher, so vor 10 Jahren, war sie mit ihrer behinderten Tochter noch regelmäßig im Freibad. Sie war damals eine wirklich stabile Frau, immer gut gekleidet, immer nett." 

Doch das habe sich vor etwa zwei Jahren geändert - hier geht's zum Video mit den Aussagen der Nachbarn.

UPDATE 18.20 Uhr: Versäumnisse der Behörden? Das sagt OB Bauer

Unsere Redaktion wollte von der Stadt Rosenheim wissen, ob die Familie E. bereits beim Jugend- und/oder Sozialamt aktenbekannt war und unter behördlicher Beobachtung stand. Mit anderen Worten: Gab es hier mögliche Versäumnisse? 

Eine Reaktion per E-Mail kam nun direkt von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer - lieferte aber auf unsere Fragen keine Antworten. "Es wäre unangemessen und sachlich unzulässig, jetzt den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft vorzugreifen", erklärte OB Bauer. 

Sie könne sich "nur schwer vorstellen, wie es zu solchen Entwicklungen kommen kann", so Bauer. Ihr Mitgefühl gelte der ganzen Familie. Nun gehe es zunächst darum, das menschliche Leid zu lindern, welches hinter dieser Tragödie stecke. 

Spurensicherung am Wohnhaus: 

Die Spurensicherung am Wohnhaus in Rosenheim

UPDATE 16.35 Uhr: Weitere Nachbarn melden sich zu Wort

Ein Nachbar sagte dem BR, er habe aus der Wohnung immer mal wieder "Schreie und unartikulierte Laute gehört". Er wisse aber nicht, von wem diese stammten: "Das war ein anderes Haus."

Eine weitere Nachbarin von Angelika E. schilderte der BILD: "Mein Mann und ich waren immer der Meinung, die Tochter ist im Heim. Wir haben sie nur einmal als kleines Mädchen gesehen." Als Kind habe man sie noch häufiger spielend auf der Wiese mit ihrer Mutter gesehen.

Derzeit gibt es sich teilweise widersprechende Aussagen von Nachbarn, wann die Tochter und auch der Sohn der 54-Jährigen zuletzt gesehen wurden. Die Aussagen gehen jedoch in die Richtung, dass der Junge nie verwahrlost erschien. Ob er aber noch bis zuletzt in dieser Wohnung lebte, ist momentan noch unklar. 

UPDATE 15.15 Uhr: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

Großer Rettungs- und Polizeieinsatz am Dienstagvormittag in Rosenheim. Die Einsatzkräfte machten eine schreckliche Entdeckung.

Am Dienstag sollte um 10 Uhr vormittags die Wohnung einer 54 Jahre alten Frau zwangsgeräumt werden. Unmittelbar vor diesem Termin stürzte die betroffene Wohnungsinhaberin in dem Mehrparteienhaus in der Oskar-Maria-Graf-Straße über mehrere Stockwerke im Treppenhaus hinunter und wurde dabei schwerstverletzt. Nachdem der Rettungsdienst und die Polizei verständigt worden waren, wurde die 54-Jährige in ein Krankenhaus gebracht.

Polizeibeamte der Inspektion Rosenheim überprüften zeitgleich die Wohnung der Frau und stellten fest, dass die Räume stark verschmutzt und verwahrlost waren. Die Beamten stellten eine verschlossene Zimmertüre fest, welche sie gewaltsam öffneten. 

In dem ebenfalls stark verschmutzten Zimmer fanden sie eine junge Frau, bei ihr handelt es sich wohl um die 26-jährige Tochter der Wohnungsinhaberin. Die Auffindesituation, wie auch die ersten Erkenntnisse der Polizei, lassen die Vermutung zu, dass sich die Tochter in diesem Zimmer über einen längeren Zeitraum, vielleicht sogar über Jahre hinweg, aufhielt. Die 26-jährige, die wohl auch geistig behindert ist, kam in eine Fachklinik. 

Ermittler der Kripo Rosenheim übernahmen unmittelbar vor Ort die Untersuchungen in dem Fall. Zum einen gilt es, das Sturzgeschehen der 54-Jährigen zu klären, hier gilt ein Suizidversuch als wahrscheinlich. Zum anderen müssen die Umstände geklärt werden, unter denen die 26 Jahre alte Tochter in der Wohnung lebte oder leben musste. 

Verschiedenste Straftaten, wie beispielsweise Freiheitsberaubung, sind hier denkbar. Die Ermittlungen dazu laufen derzeit.

UPDATE 13.35 Uhr: Video-Interview mit Polizeisprecher Stefan Sonntag

Im Video-Interview äußert sich der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Er schildert die Hintergründe und erklärt, wie es zum Polizeieinsatz in der Oskar-Maria-Graf-Straße am Dienstagmorgen gekommen ist:

UPDATE 12.55 Uhr: "Tragischer und sehr trauriger Einsatz"

Gegenüber rosenheim24.de sprach Polizeisprecher Stefan Sonntag von einem "tragischen und sehr traurigen" Einsatz. Alles begann gegen 10 Uhr am Dienstagvormittag, als Behördenvertreter mit einem Gerichtsvollzieher vor der Haustür in der Oskar-Maria-Graf-Straße standen. Sie hörten, wie Frau E. (54), deren Wohnung zwangsgeräumt werden sollte, sich in die Tiefe stürzte und verständigten die Rettungskräfte und die Polizei. 

Frau E. wurde bei diesem Suizidversuch "ziemlich schwer" verletzt, so Sonntag. Die 54-Jährige landete im Kellergeschoss des Mehrfamilienhauses.

In der völlig vermüllten Wohnung brachen Polizeikräfte kurz darauf eine versperrte Zimmertür auf - und machten dort eine unfassbare Entdeckung. 

In dem Zimmer befand sich eine etwa 25 Jahre alte Frau, in einem "ganz verwahrlosten Zustand". Es handelt sich offenbar um die Tochter, die möglicherweise über Jahre hinweg dort eingesperrt war und völlig vernachlässigt wurde. Sie wurde nun in eine psychiatrische Fachklinik gebracht.

Bilder vom Drama in der Oskar-Maria-Graf-Straße in Rosenheim

UPDATE 12.30 Uhr: Ein Nachbar berichtet über die familiären Hintergründe

Die Nachbarn ahnten bis zum Dienstagvormittag nicht, was für ein Drama sich in dem Haus abspielte. Möglicherweise über Jahre hinweg. 

Ein direkter Anwohner, der seit 2003 im Nachbarhaus wohnte, schilderte nun rosenheim24.de, dass die Frau zwei Kinder von zwei verschiedenen Vätern habe. Einen jugendlichen Sohn und die geistig behinderte Tochter. Über den Grad der Behinderung konnte er nichts sagen.

Er kenne den Vater vom Sohn. Den Jungen habe er zuletzt vor einem oder zwei Jahren gesehen, ebenso wie seinen Vater. Ob das Jugendamt hier involviert war, ist dem Nachbarn nicht bekannt. 

Obwohl es immer wieder Gerüchte in der Nachbarschaft um die Frau gab und er sie zuletzt letzte Woche in einem schlechten Zustand gesehen hat, habe er "im Traum nicht gedacht, dass das so ausarten würde". Manchmal habe man aber Streitigkeiten aus der Wohnung gehört. 

UPDATE 11.55 Uhr: Junge Frau eingesperrt aufgefunden

Notärzte mussten sich um zwei Frauen kümmern. 

Nun sind mehr Hintergründe bekannt: Ein Gerichtsvollzieher wollte am Dienstagvormittag in eine Messie-Wohnung in der Oskar-Maria-Graf-Straße. Als die Bewohnerin den Gerichtsvollzieher sah, trat sie aus der Tür und s prang vom zweiten Stock das Treppengeländer hinunter. Hierbei wurde sie schwer verletzt und befindet sich nun im Krankenhaus. 

Als die Polizei dann in die Wohnung ging, fand man ein versperrtes Zimmer vor. Dort trafen die Beamten auf eine junge Frau in einem verwahrlosten Zustand, die offenbar schon längere Zeit dort eingesperrt war. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um die Tochter der Wohnungsinhaberin handelt. Die junge Frau wird derzeit ärztlich behandelt. 

Nach unbestätigten Informationen soll die Tochter eine Schwerbehinderte sein. 

Es sind nun viele Fragen zu beantworten. Die Befreiung der jungen Frau aus der Gefangenschaft erinnert an den "Fritzl"-Fall in Österreich.

Wie lange sie dort eingesperrt war - möglicherweise über Jahre hinweg - ist derzeit noch nicht bekannt. 

UPDATE 11.10 Uhr: Weiterer Notarzt eingetroffen

Unser Reporter vor Ort berichtet, dass Polizisten nun mit einem Trassenband in den Hinterhof gegangen sind. Offenbar soll also der Ort des Geschehens abgesperrt werden. Das könnte auf einen Tatort hindeuten.  

Mittlerweile ist auch ein zweiter Notarzt eingetroffen. 

Reichlich Blaulicht in der Oskar-Maria-Graf-Straße. 

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilte unserer Redaktion mit, dass ihnen derzeit noch keine weiteren Informationen vorliegen. Aus dem Einsatzbericht gehe jedoch hervor, dass eine Frau in einem Treppenhaus behandelt werde

Erstmeldung 10.45 Uhr:

Nach ersten Informationen soll eine Frau aus einem höheren Stockwerk aus dem Fenster gefallen sein, teilte Polizeisprecher Stefan Sonntag auf Anfrage von rosenheim24.de mit. Die näheren Hintergründe sind derzeit nicht bekannt. 

Ein Sondereinsatzkommando sei nicht im Einsatz, so Sonntag. 

Mehrere Anwohner in der Nähe der Staatlichen Berufsschule I teilten unserer Redaktion jedoch mit, dass sie zahlreiche Polizisten mit schusssicheren Westen und Schlagstöcken beobachten können. 

Mittlerweile ist ein Reporter von uns vor Ort eingetroffen. Er kann drei Polizeifahrzeuge, einen Notarztwagen und einen Rettungswagen sehen. Offenbar wird eine verletzte Person in einem Hinterhof behandelt. 

*Weitere Informationen folgen*

Quelle: rosenheim24.de

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