Iliria-Spieler prügelte wohl schon einmal

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Gewalt auf dem Fußballplatz - in Bayern bei Amateurspielen die Ausnahme, in Ballungszentren wie im Westen aber an der Tagesordnung. Das Bild zeigt Polizisten aus Böblingen bei einem gestellten Einsatz.

Rosenheim - Seit Mittwoch ist klar: Die Prügelspieler von Iliria werden auf Lebenszeit gesperrt. Einer von ihnen schlug laut neuen Medienberichten wohl sogar zum wiederholten Mal zu.

Gewalt und Fußball - ein trauriges Kapitel, das wohl nie zu Ende geht. Wilde Schlägereien, Attacken auf Schiedsrichter und Großeinsätze der Polizei: In Großstädten mit sozialen Brennpunkten knallt es immer häufiger auch auf Amateursportplätzen. In Südbayern sind solche Eskalationen die Ausnahme. Und das soll auch so bleiben. Deshalb hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) jetzt hart durchgegriffen und zwei Spieler des FC Iliria Rosenheim auf Lebenszeit gesperrt.

Lesen Sie dazu auch:

Es war der Tag der Deutschen Einheit. Eigentlich ein Tag zum Feiern. Aber dazu war einem Amateurfußball-Schiedsrichter aus Feldkirchen-Westerham und dem Trainer des ESV Rosenheim am 3. Oktober nach Abpfiff eines Punktspiels in der A-Klasse (zehnte Liga) nicht mehr zumute.

Denn sie landeten in der Notaufnahme des Romed-Klinikums in Rosenheim - beide schwer verletzt. Dem Schiedsrichter hatte ein Spieler des albanischen Klubs FC Iliria Rosenheim gleich nach dem Schlusspfiff ein paar Zähne ausgeschlagen und eine Verletzung am Auge zugefügt. Der Gäste-Trainer, der schlichten wollte, bekam Sekunden später einen brutalen Fußtritt in die Magengrube verpasst.

Das "Skandalspiel von Rosenheim" hatte in der Folge bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der erfahrene Referee, der schon seit 18 Jahren Spiele in der Region pfeift, drohte zunächst sogar zu erblinden. Nach mehreren Untersuchungen in einer Münchener Spezialklinik und dem Rückgang der Schwellung scheint aber nun festzustehen, dass sich das verletzte linke Auge teilweise wieder erholen wird. Aber noch maximal 70 Prozent der Sehkraft werde es wiedererlangen, heißt es. Um eine Brille wird der Schiedsrichter nicht mehr herumkommen.

Wegen einer Magenblutung hatte der ESV-Coach zunächst täglich die Klinik aufsuchen müssen. Die Bauchverletzungen sind inzwischen abgeklungen.

Wie erwartet, hat der BFV nun mit harten persönlichen Strafen gegen die beiden Spieler reagiert, während der Verein mit einer Geldstrafe davon kam. Die zwei albanischen Freizeitkicker wurden vom Verbandssportgericht auf Lebenszeit aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen. Das heißt: Sie dürfen auf bayerischen Fußballplätzen nicht mehr dem Ball nachjagen - auch nicht für andere Klubs. Gegen den FC Iliria verhängte das Sportgericht eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro wegen "Verletzung der Platzdisziplin".

Der BFV sieht es als erwiesen an, dass ein Spieler den Schiedsrichter durch zwei gezielte Faustschläge ins Gesicht schwer verletzt hat. Der Tritt seines Mannschaftskameraden in den Bauch des ESV-Trainers sei ebenfalls gezielt gewesen. "Das Verhalten beider Spieler stellt nach der Rechts- und Verfahrensordnung des BFV eine Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall dar", heißt es in einer Pressemitteilung von gestern Nachmittag.

Wahrscheinlich nicht der erste Übergriff

Diese zwei "besonders schweren Fälle" werden auch ein straf- und zivilrechtliches Nachspiel haben. Die Rosenheimer Kripo ermittelt, zudem dürften die Opfer auf Schmerzensgeld und Schadenersatz klagen. Der Spieler, der den Schiedsrichter schlug, soll im März 2010 auch bei einem brutalen Angriff auf zwei Polizisten in der Rosenheimer Stadtmitte beteiligt gewesen sein. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd wollte dies aber auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen weder bestätigen noch dementieren. Bei der Attacke waren mehrere junge Männer um 4 Uhr früh an der Ecke Heilig-Geist-/Stollstraße auf zwei uniformierte Beamte losgegangen. Ein am Boden liegender Polizist wurde massiv mit Fußtritten attackiert und erlitt Gesichtsverletzungen. In der Folge wurden zwei Tatverdächtige (23 und 21 Jahre alt) festgenommen.

Nach dem Skandalspiel hatten manche Internet/Nutzer in Online-Foren den Ausschluss des Klubs gefordert. Doch die 500-Euro-Geldstrafe empfindet BFV-Bezirksvorsitzender Horst Winkler als angemessenes Strafmaß: "500 Euro sind für einen kleinen Verein wie den FC Iliria viel Geld. Wenn man bedenkt, dass dies der erste Vorfall war, mit dem der Klub in seiner vierjährigen BFV-Zugehörigkeit auffällig geworden ist, geht das schon in Ordnung."

Zudem führt das Sportgericht aus, dass beim Strafmaß auch das Verhalten des Vereins nach den Angriffen berücksichtigt worden sei. Der Klub habe beide Spieler sofort suspendiert und sich bei den Opfern entschuldigt. Vor dem Urteil war der albanische Verein von einer "Konfliktkommission" des Verbandes durchleuchtet worden, um zu klären, ob und in welchem Maß von ihm auch in Zukunft Gefahrenpotential ausgehen könnte. Schließlich, so heißt es in Fußballerkreisen, sollen etliche Spieler vorbestraft und polizeibekannt sein. Laut Verband erarbeitet der FC Iliria derzeit mit dem BFV-Konfliktmanager ein Maßnahmenpaket, um ähnliche Gewalteskalationen in Zukunft so weit wie möglich auszuschließen.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser