Rosenheimer Polizei befreit verwahrloste junge Frau

Nachbarn: "Die Mutter war völlig heruntergekommen"

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Rosenheim - Manuela und Andreas wohnen nur wenige Meter von der Wohnung entfernt, aus der am Dienstag eine verwahrloste Frau gerettet wurde. Die Nachbarschaft ist geschockt:

Im ersten Moment konnten Manuela und Andreas gar nicht glauben, was sich in ihrer Nachbarschaft in der Oskar-Maria-Graf-Straße am Dienstagmorgen abspielte. Im Interview mit rosenheim24.de erzählen die beiden unter anderem, wie sie die Mutter der verwahrlosten, behinderten Tochter kennengelernt haben.

Im Jahr 2003 zog Andreas in die Siedlung im Rosenheimer Nord-Osten. Manuela ist in dem Viertel aufgewachsen. Ihr Vater ist als Hausmeister in der Wohnanlage tätig. "Er hat ein ganz gutes Vertrauensverhältnis zu den Mietern. Und er hat ja auch die Schlüssel", erzählt Manuela. Gerade als der Hausmeister zusammen mit dem Gerichtsvollzieher die Haustüre öffnete, soll es einen lauten Knall im Treppenhaus gegeben haben. Die Mieterin, deren Wohnung an diesem Morgen zwangsgeräumt werden sollte, schlug nach einem Sprung aus dem zweiten Stock auf dem Boden im Keller auf.

Keine Auffälligkeiten in der Nachbarschaft

"Früher, so vor 10 Jahren war sie mit ihrer behinderten Tochter noch regelmäßig im Freibad. (...) Vor dem Haus haben die Kinder aus dem Viertel Fußball gespielt," erinnert sich Manuela weiter. Ihre heute 16-jährige Tochter habe noch bis vor vier oder fünf Jahren mit dem ungefähr gleichaltrigen Sohn der Nachbarin gespielt. "Sie war damals eine wirklich stabile Frau, immer gut gekleidet, immer nett", erinnert sich auch Andreas.

Manuela ergänzt: "Ihre Tochter kam auch immer gepflegt daher. Sie wurde jeden Morgen von einem Bus abgeholt und um 16 Uhr wieder gebracht. Da hat ihre Mama schon immer gewartet". 

Eine Situation, die sich ungefähr vor zwei Jahren geändert haben soll. Sowohl die Mutter als auch ihre Kinder zogen sich zunehmend zurück. "Vor eineinhalb Wochen habe ich Frau E. dann wieder gesehen. Sie war total heruntergekommen, irgendwie suspekt. Als sie mich sah, hat sie die Straßenseite gewechselt. Sie sah aus wie 70", beschreibt Andreas seinen Eindruck.

Mutter nach wie vor im Krankenhaus, Hintergründe weiter unklar

Jetzt, nach der Tragödie, die sich in der Rosenheimer Wohnsiedlung abgespielt hat, fragen sich die Nachbarn, wie es soweit kommen konnte. Wussten Behörden und Ämter von den Zuständen? Wie konnte sich die Situation soweit entwickeln? 

In der Nachbarschaft herrscht Ratlosigkeit. "Ich habe mit dem Vater ihres Sohnes gesprochen. Auch er ist erschüttert. Er hat sie bereits im Krankenhaus besucht, zusammen mit ihrem Sohn. Ihr geht es den Umständen entsprechend gut", berichtet Andreas im Gespräch mit rosenheim24.de.  

Die offenbar autistische Frau befindet sich aktuell in einem anderen Klinikum in Behandlung. Über die Ursachen, warum die junge Frau in ihrem Zimmer eingesperrt wurde, können die Nachbarn schließlich nur mutmaßen. "Wir haben gedacht, dass ihre Tochter einfach nicht mehr in die Schule geht, oder einfach irgendwo anders untergebracht ist", so Manuela und Andreas abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © sl

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