Anwältin zum Opferschutz bei Belästigungen 

"Sie fassen mir an den Po!"

Rosenheim - Wie schützt man sich vor sexuellen Belästigungen und wie hat sich das Sexualstrafrecht verändert? Die Rosenheimer Rechtsanwältin Manuela Denneborg klärt auf. 

Nach der Neuregelung des Sexualstrafrechtsbefürchtete viele eine riesige Falschanzeigen-Welle. Diese ist bis heute nicht eingetreten. Unsere Redaktion hat Manuela Denneborg, Vorsitzende des Anwaltvereins Rosenheim, zu den Hintergründen befragt. 

Im November 2016 wurde der Strafgesetzbuch-Paragraf 177 verändert. "Wenn jemand eine Frau festhielt und sie mit einem Finger penetrierte , war das bisher auch schon als 'sexuelle Nötigung' strafbar. Aber Betasten oder Begrabschen war bislang ein Grenzbereich und ist nun leichter zu bestraften", erklärt die Anwältin. 

Der Grund: Es gibt einen neuen Tatbestand - die "sexuelle Belästigung mit körperlicher Berührung". Das hat aber nichts mit Missbrauch zu tun. Vorher waren solche Handlungen nur in besonderen Fällen als Beleidigung strafbar. 

Po-Grabscher auf dem Volksfest macht sich strafbar

Mit anderen Worten: Grabscht jemand einem Dirndl beim Volksfest an den Hintern, macht er sich einer sexuellen Belästigung strafbar. 

Eine weitere wichtige Neuerung des Gesetzes: Vergewaltigungen können nun auch bestraft werden, selbst wenn der Täter nicht mit Gewalt und Drohungen sein Opfer gefügig gemacht hat. 

"Nein heißt nein bedeutet nicht jetzt nicht mehr, dass man ausdrücklich 'nein' sagen muss", so die Anwältin. Wichtig ist das schlüssige Verhalten der Frau, etwa ob sie weint oder den Mann wegdrückt. 

"Dieser Mann fasst meinen Busen an!"

Oftmals sind es die kleinen Situationen im Alltag, in denen sich Frauen ohnmächtig fühlen. Denneborg nimmt das Beispiel U-Bahn. Wenn dort eine Frau von einem anderen Fahrgast betatscht wird, solle sie den Täter klar ansprechen und bloßstellen. "Beispielsweise mit den Worten: 'Sie fassen gerade meinen Po an' oder 'Sie haben Ihre Hand zwischen meinen Beinen'", rät die Anwältin. 

Auch solle sie andere Mitfahrende auf die Belästigung aufmerksam machen: "Dieser Mann fasst meinen Busen an!" Die Juristin ist davon überzeugt, dass das dies der beste Schutz vor weiteren Übergriffen sei. Darüber hinaus sei ein Selbstverteidigungskurs für Frauen empfehlenswert. 

Nach einem sexuellen Übergriff oder gar einer Vergewaltigung solle man Kontakt zu Opferschutz-Einrichtungen aufnehmen und auch einen Anwalt kontaktieren, rät die Juristin. In Rosenheim gibt es etwa den "Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim" oder auch dem "Weißen Ring". 

"NEIN heißt NEIN - wirklich?" 

Am Dienstag wird die Rechtsanwältin auf Einladung des Frauen- und Mädchennotrufs die gesetzlichen Veränderungen und die praktische Umsetzung näher beleuchten.Im Rosenheimer Musikschulssal (Ludwigsplatz 15) hält sie ab 18 Uhr einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "NEIN heißt NEIN - wirklich?". Interessierte sind eingeladen, den Vortag kostenfrei zu besuchen. 

Miriam Franz

Quelle: rosenheim24.de

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