Bundestag gibt Cannabis als Medizin auf Rezept frei

Karl Huber: „Da sieht man wieder, wie verlogen die alle sind“

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Karl Huber aus Rosenheim ist Patient und darf auf Grund seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit medizinisches Cannabis konsumieren
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Berlin/Rosenheim - Künftig können schwerkranke Patienten Cannabis verschrieben bekommen. Die Krankenkassen müssen diese Therapie bezahlen. Das beschloss der Bundestag am 19. Januar einstimmig. Karl Huber aus Rosenheim, selbst Patient aufgrund seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit, gab uns ein Interview zum neuen Gesetz, das im März in Kraft treten soll:

Der Bundestag hat einstimmig die Freigabe von Cannabis als Medizin auf Rezept beschlossen. Ärzte können schwerkranken Patienten künftig Cannabis verschreiben, wenn diese etwa unter chronischen Schmerzen und Übelkeit infolge von Krebstherapien oder anderen Krankheiten leiden. Die Krankenkassen müssen die Therapie dann bezahlen.

„Ein riesiger Schritt in die richtige Richtung“ 

Bereits im September 2016 haben wir uns in einer Serie mit dem Thema Cannabis als Medizin beschäftigt:
Rosenheimer darf nach langem Kampf legal kiffen

- Die Stellungnahme der Polizei 

- Interview mit Apotheker Markus Bauer 

- Stellungnahme der Bundesopiumstelle 

- Das sagt die Bayerische Landesärztekammer

Karl Huber aus Rosenheim hat durch Cannabis den langen Kampf gegen die Alkoholabhängigkeit gewonnen. Nach jahrelangem Hin und Her, unzähligen Entgiftungen, Papierkrieg mit Behörden, der verzweifelten Suche nach einem Arzt, der ihm das für ihn so wichtige Cannabis verschreibt, hat es schließlich geschafft: Am 25. April 2015 lag die abgestempelte Erlaubnis in seinem Briefkasten. Seit nun über fast zwei Jahren darf Karl, genannt Shorty, legal kiffen. Wir haben mit Shorty über den neuen Gesetzesentwurf gesprochen. Er hat die Verlesung selbst gespannt vor dem Fernseher verfolgt. Seine Ansichten sind eindeutig: „Das war ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Doch das ganze Theater hat wieder gezeigt, wie verlogen die Politiker da oben alle sind. Jahrzehntelang waren sie dagegen, jahrzehntelang haben sie Cannabis verteufelt und plötzlich sind alle einstimmig dafür. Da sieht man die Widersprüche. Für mich war das pure Heuchelei.“

„Krankenkassen sollen es bezahlen“ 

Shorty hat nach dem Beschluss des Bundestages sofort seine Krankenkasse angerufen. „Dort wusste noch keiner Bescheid, wie das künftig abläuft, mir wurde jedoch zugesichert, dass ich sofort eine Rückmeldung bekomme, sobald man mehr wisse.“ Er ist auch der klaren Auffassung, dass der Medizinische Dienst nicht mit entscheiden soll, ob und wie die Krankenkassen die Kosten für das medizinische Cannabis übernehmen. „Das würde wieder alles verzögern. Es ist überflüssig, da wieder eine Institution zwischenzuschalten. Der Dienst kennt die Patienten nicht persönlich, die Entscheidung muss der Arzt treffen.“

Noch einige Fragen offen 

Mit dem Beschluss des Bundestages ist Shorty zufrieden, dennoch gibt es für ihn noch offenen Baustellen „Die Führerscheinfrage gehört geregelt. Das soll genauso behandelt werden, wie alle anderen Medikamente auch“, ist seine Forderung. Auch für den Eigenanbau von Cannabis setzt er sich ein. „Patienten sollen ihr Cannabis selber anbauen dürfen. Da gibt es bislang auch noch keine klare Regelung.“

Ärzte können Cannabis einfacher verschreiben 

Karl Huber aus Rosenheim ist Patient und darf auf Grund seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit medizinisches Cannabis konsumieren

Die Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) erläuterte, dass Schwerkranke etwa nicht austherapiert sein müssen, bevor ein Arzt Cannabis verschreibt. Der Arzt könne genau hinschauen und sagen, jetzt sei der Punkt erreicht. Diese Neuerung kommentiert Shorty so: „Das ist eine hervorragende Wende. Dieser Flaschenhals fällt jetzt endlich weg.“

Quelle: rosenheim24.de

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